Bietigheim-Bissingen
: Freundschaft mit Aranjuez beschlossen

Nach gut 20 Jahren freundschaftlicher Beziehungen stimmte der Gemeinderat der Unterzeichnung einer offiziellen Vereinbarung zu. Auch andere Beziehungen will die Stadt pflegen.
Von
Yannik Schuster
Bietigheim-Bissingen
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Die Erasmus-Gruppe der Ellentalgymnasien reiste vergangenes Jahr nach Aranjuez.

Ellentalgymnasien

Die Stadt Bietigheim-Bissingen pflegt Städtepartnerschaften mit Kusatsu in Japan, Sucy-en-Brie in Frankreich, Surrey Heath in England, Szekszárd in Ungarn und Overland Park in den Vereinigten Staaten. Hinzu kommen Freundschaften mit Tupungato in Argentinien, Pontelongo in Italien, Bietigheim in Baden und Zlaté Hory in Tschechien. In letztere Kategorie reiht sich künftig auch die spanische Stadt Aranjuez, die rund 50 Kilometer südlich von Madrid liegt, ein. Der Gemeinderat hat einer Freundschaftsvereinbarung einstimmig zugestimmt. Auch das Gremium in Aranjuez hat bereits seine Zustimmung gegeben.

Austausch seit über 20 Jahren

Bereits seit 2003 findet regelmäßig ein Austausch der Zehntklässler der Ellentalgymnasien mit der Sekundarschule IES Alpajés statt. In den vergangenen drei Schuljahren wurde der deutsch-spanische Austausch noch weiter vorangetrieben. Seither findet auch ein regelmäßiger Austausch der Fünf- und Sechstklässler mit der Grundschule CEIP San Fernando im Rahmen eines Erasmus-Projekts statt. Seit 2006 finden außerdem Austauschprogramme für Erwachsene zwischen den Deutschlernenden der Offiziellen Sprachschule von Aranjuez und den Spanischlernenden der Volkshochschule Bietigheim-Bissingen statt.

Mit der Unterzeichnung der Freundschaftsvereinbarung soll die bestehende Verbindung nun formalisiert und ausgeweitet werden. In der Ratsvorlage der Stadt sind gleich mehrere potenzielle Verbindungen der beiden Städte aufgeführt. So seien beide Städte von jeweils zwei Flüssen und den Flößern geprägt worden, zudem verfügten beide Städte über einen Kanu-Club und weitere Sportvereine. Beide Städte haben demnach eine lange Weintradition, zudem hat die Firma Bosch in Aranjuez eine Niederlassung. Beide Städte seien gefragte Destinationen für Inlandstouristen und beide verfügten über ein großes Angebot kultureller Veranstaltungen.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing sagte, der Austausch mit Aranjuez könne auch eine Alternative zu den zuletzt etwas ins Stottern geratenen Beziehungen zu Overland Park darstellen. Die geplante Reise der Musikschule in die USA wurde unlängst abgesagt. Hermann Eppler (CDU) sagte, seine Fraktion begrüße die Intensivierung der freundschaftlichen Beziehungen trotz der rund 15.000 Euro, die als Kosten im Raum stünden. Klar sei für ihn aber auch: In einer offiziellen Städtepartnerschaft dürfe diese nicht münden. Die fünf bestehenden Städtepartner seien für eine Stadt der Größe Bietigheim-Bissingens ausreichend. Dasselbe gelte im Übrigen auch für die Beziehungen mit der argentinischen Stadt Tupungato. Städtepartner seien in der heutigen Zeit wichtiger denn je, sagte Ute Epple (Freie Wähler). Sie verstehe allerdings nicht, warum man nur eine Freundschaft und keine Partnerschaft eingehe, der Unterschied sei ohnehin nur auf dem Papier zu finden. Stattdessen schaffe man ein System mit Zwei-Klassen-Beziehungen.

Traute Theurer (GAL) sah in der Vereinbarung ein neues Kapitel der Zusammenarbeit, wobei die Beziehung nicht bei Null beginne. Die Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen und Lebensrealitäten seien von großer Bedeutung. Günter Krähling (SPD) sagte, durch die Freundschaftsvereinbarung würden die Beziehungen nun auf neue Ebene gehoben.

Weitere Ideen für Partnerschaften

In den vergangenen Jahren wurden auch weitere mögliche Städtepartnerschaften an die Verwaltung herangetragen. So hatte etwa die SPD-Fraktion im Jahr 2023 beantragt, freundschaftliche Beziehungen zu einer Stadt in der Ukraine zu knüpfen. Die Stadt hat seither Kontakte zu den Gemeinde Velyka Dymerka und Boyarka in der Nähe von Kiew aufgebaut. Diese hätten Interesse an Städtepartnerschaften oder Freundschaften zu deutschen Kommunen gezeigt. Dabei hatte sich laut Ratsvorlage jedoch ergeben, dass es vor allem um Aufbauhilfen gehe. Ob ein Beitrag nach Kriegsende von Bietigheim-Bissingen erbracht werden könne, müsse man zu gegebener Zeit beraten.

Unterdessen hat auch die Aramäische Gemeinde in Bietigheim-Bissingen angeregt, eine Partnerschaft mit der Stadt Midyat in der Türkei einzugehen. Viele Mitglieder des Vereins Suryoye und Deutsche hätten dorthin bereits familiäre Wurzeln, etwa 450 Familien aus Midyat leben in Bietigheim-Bissingen und Umgebung, heißt es in der Vorlage. Die Stadt hat die Idee einer Aufnahme von freundschaftlichen Beziehungen allerdings zunächst zurückgestellt, bis die politische Lage zwischen der Türkei, den Kurden und Syrien sich stabilisiert hat. Derzeit seien offizielle Besuche in der dortigen Grenzregion, zu der auch Midyat gehört, eher nicht angeraten. Eine weitere Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen, vorerst ohne formelle Vereinbarung, strebt die Stadt zudem mit Chivasso in Italien und Downers Grove in den USA an.