Bietigheim-Bissingen: Erschwerter Zugang zu den Feldern

Die Einfahrt in diesen Feldweg an der Landesstraße 1107 ist nicht mehr möglich.
/Martin KalbMit der dringenden Bitte, die Belange der Landwirtschaft gegenüber dem Regierungspräsidium Stuttgart „mit Nachdruck“ zu vertreten, wandte sich CDU-Gemeinderat Claus Stöckle in der jüngsten Sitzung des Bietigheim-Bissinger Gemeinderats unter dem Punkt Verschiedenes an die Stadtverwaltung. Grund ist die Situation an der frisch sanierten Landesstraße 1107 vom Ortsausgang Bietigheim Richtung Löchgau, welche die Bewirtschaftung der Obstwiesen und Äcker erschwere. Das sei gerade während der Ernte ein großes Thema, ergänzte seine Fraktionskollegin Eva Jahnke aus Sicht der Landwirte.
Viele Gespräche und Schreiben
Die Aufregung unter den Bewirtschaftern der dortigen Flächen währt schon einige Zeit (die BZ berichtete). Laut Stöckle gab es deshalb bereits viele Gespräche und Schriftverkehr. Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte argumentiert, dass es auf dem rund zwei Kilometer langen Abschnitt der L 1107 zwischen dem Ortsausgang Bietigheim und dem Waldhof 18 Anschlüsse von Erschließungswegen gebe, was deutlich zu viel sei. Deswegen waren Einmündungen mit dem Argument, die Verkehrssicherheit zu verbessern, zurückgebaut worden. Später hatte das RP zugesagt, einige der Einfahrten wieder herzustellen.
Ruhe ist damit aber dennoch nicht eingekehrt, wie die Kritik Stöckles und Jahnkes zeigte, im Gegenteil. Jahnke sagte, bei der Vorstellung der Pläne im Kronenzentrum sei der Eindruck erweckt worden, es gehe nur um den Asphalt. Doch: „Es kam alles ganz anders.“ Jahnke und Stöckle führten an, dass aufgrund der durchgezogenen Mittellinie die Straße nicht mehr wie bisher von einem Feldweg zum anderen gequert werden könne, ohne sich verkehrswidrig zu verhalten. An immerhin einer Stelle sei die Linie inzwischen unterbrochen worden. Einige Feldwege seien durch die Leitplanke unpassierbar gemacht worden, so die weitere Kritik. Radfahrer und Fußgänger würden jetzt darüber klettern, um weiterzukommen, sagte Stöckle.
Große Umwege
Für die Landwirte bedeute das, dass sie große Umwege in Kauf nehmen müssten, sagte Jahnke. Die Grundstücke würden dadurch auch ihren Wert verlieren. „Das darf nicht das Ergebnis einer Straßensanierung sein“, sagte sie. Ein wichtiger Punkt sei auch, dass durch die Baumaßnahmen Wirtschaftswege so angelegt worden seien, dass die Landwirte jetzt große Probleme hätten, mit ihren großen Traktoren und Anhängern rein oder raus zu fahren ohne Leitpfosten umzureißen oder in die Abwasserrinne zu geraten, erklärte Stöckle. Das sei gerade während der Ernte ein großes Thema, verdeutlichte Jahnke. Die großen Fahrzeuge bräuchten ausreichend Platz für die Ein- und Ausfahrt.
Stöckle bemängelte nicht nur die Planungen, sondern auch die Bauausführung. „Hier wird einfach nicht sorgfältig gearbeitet“, sagte er im Gemeinderat und nannte als Beispiel, dass Abwasserschächte zu hoch lagen und wieder entfernt und neu eingebaut werden mussten. „Es gibt keine Feinplanung“, bemängelte der Stadtrat.
Jahnke: Projekt ist „ein Desaster“
Das Projekt sei mit guten Absichten gestartet worden, aber was herausgekommen ist, „ist ein Desaster“, lautete das Fazit von Eva Jahnke. Es habe zu viele Baufehler gegeben, Nutzer und Eigentümer seien verärgert. Sie forderte, um die Sicherheit zu erhöhen, solle an den Querungen die Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt werden. Diese beträgt allerdings nur noch 70 Stundenkilometer nach zuvor 80 Stundenkilometern. Eigentlich seien auf Landstraßen 100 Stundenkilometer erlaubt, sagte FDP-Stadtrat Götz Noller.
Von der Stadtverwaltung gab es Unterstützung. Vieles sei „nicht rühmlich und nicht gut“ gelaufen, sagte Baubürgermeister Michael Wolf. Mit Blick auf die Leitplanke sagte er, das sei „fast sinnentleert“. Doch die Stadt habe keinen Zugriff auf die landeseigenen Grundstücke an der Straße.
Unterstützung durch Stadt
Es habe bereits Termine vor Ort gegeben, nicht akzeptable Maßnahmen seien zurückgenommen worden, erklärte Wolf. Er habe auch die Zusage des Regierungspräsidiums auf weitere Nachbesserungen. Einige Maßnahmen seien bis Ende November zugesagt, erklärte Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Dann müsse man weiter schauen.