Bietigheim-Bissingen
: Entwicklungshilfe: Stiftung übernimmt

Zur Entlastung des städtischen Haushalts fließen keine Zuschüsse für die Dritte Welt mehr, der zuständige Arbeitskreis wird aufgelöst.
Von
Uwe Mollenkopf
Bietigheim-Bissingen
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Studenten eines „Clinical Medicine“-Kurses in Tansania. Bietigheim-Bissingen hilft in dem Land seit Jahrzehnten.

Kusaidia-Afrika

Der Arbeitskreis Entwicklungshilfe sei – neben den Städtepartnerschaften – „ein Fenster zur Welt“ gewesen, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Reusch-Frey in der jüngsten Sitzung des Bietigheim-Bissinger Gemeinderats. Die Stadt, in der auch der gemeinnützige Verein „Kusaidia Afrika“ und der „Dritte-Welt-Laden“ angesiedelt sind, unterstützte über dieses Gremium unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters seit 1989 Projekte in Entwicklungsländern und benachteiligten Regionen. Nach 37 Jahren endet nun diese Art der Entwicklungshilfe.

Entlastung für den städtischen Haushalt

Der Grund: Der städtische Haushalt soll angesichts der schwierigen Finanzlage von solchen freiwilligen Ausgaben entlastet werden. Wie die Stadtverwaltung ausgerechnet hat, wurden seit dem Jahr 1989 insgesamt 452.363 Euro an Zuschüssen für Entwicklungshilfeprojekte von Kirchen und anderen Institutionen aus Bietigheim-Bissingen in der Dritten Welt gewährt. Durch die Einstellung der Fördertätigkeit sollen 15.000 Euro im Jahr gespart werden.

Die städtische Entwicklungshilfe soll damit aber nicht enden. Stattdessen schlug die Stadtverwaltung vor, dass die Bürgerstiftung künftig diese Aufgabe übernehmen soll. Der Stiftungsrat der Bürgerstiftung könne im Rahmen der jährlichen Vergabe von Fördermitteln auch solche Förderungen von Kirchen und anderen Institutionen wahrnehmen, hieß es in der Ratsvorlage. Der Gemeinderat erteilte diesem Vorschlag einstimmig seine Zustimmung.

Die finanzielle Lage mache es nötig, „dass wir nach den freiwilligen Leistungen schauen“, erklärte Thomas Reusch-Frey in der Sitzung. Er denke, dass die Bürgerstiftung, die nun einspringe, auch aufmerksam schaue und gegebenenfalls unterstütze. „So ist es vorgesehen“, versicherte Oberbürgermeister Jürgen Kessing in der Sitzung.

Die Organisationen, die unterstützt wurden, seien weiterhin auf Hilfe angewiesen, erklärte auch Günter Krähling, der selbst 17 Jahre lang im Arbeitskreis Entwicklungshilfe aktiv war. Es seien sinnvolle Projekte gefördert worden, so Krähling, der Ziegen in Nepal und Waisenhäuser in Myanmar als Beispiele anführte. „Hier war nicht die Rede von Radwegen in Peru“.

Nicht mit dieser Form der Entwicklungshilfe verknüpft ist die Förderung von Projekten im Rahmen der Städtefreundschaft mit Tupungato in Argentinien. Hierbei handelt es sich um die Weiterleitung von Fördermitteln des Bundes und die Projektunterstützung durch Beratung von Experten aus der Stadt und der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen.

Projekt in Tupungato wird zum Jahresende abgeschlossen

Wie die Stadtverwaltung informierte, ist das angestoßene Projekt zum Ausbau der Wasserversorgung in Tupungato bereits in der Umsetzungsphase und werde voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Dann verbleibe lediglich ein Projekt des Bundes zur Beratung der Stadtverwaltung in der argentinischen Stadt, welches von den Experten bei der Stadt und den Stadtwerken beratend unterstützt werde. Ob dann neue Projekte mit Tupungato umgesetzt werden sollen, bleibe künftigen Entscheidungen des Gemeinderats vorbehalten.