Bietigheim-Bissingen
: Einsamkeit hinter sich lassen

 In der Freiberger Straße 51 öffnet 2024 ein Tagesstättenangebot für psychisch erkrankte Menschen. Vorausgegangen war eine Umfrage.
Von
Jörg Palitzsch
Bietigheim-Bissingen
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Das Gebäude in der Freiberger Straße 51 in Bietigheim-Buch.Hier befand sich bis Mitte 2020 auch der Tafelladen.

/Oliver Bürkle

Laut einem einstimmigen Beschluss im Sozialausschuss des Kreistages wird es in der Freiberger Straße 51 in Bietigheim-Bissingen ab 2024 ein Tagesstättenangebot der Stiftung Karlshöhe Ludwigsburg für die sogenannte Gemeindepsychiatrie geben. Beteiligt an der Umsetzung sind die Träger Karlshöhe, die Psychosoziale Netzwerk gGmbh, das DRK und die Theo-Lorch-Werkstätten. Kreisrat Thomas Reusch-Frey (SPD) sprach in der Sitzung des Ausschusses am Freitag von einem „Quantensprung“.

Die Tagesstätte soll zum Start an zwei Tagen pro Woche und einmal im Monat an einem Sonn- oder Feiertag geöffnet sein. Mindestens einmal wöchentlich soll ein Mittagessen angeboten werden. Es gibt Möglichkeiten, sich dort einfach aufzuhalten oder in der Therapeutischen Werkstatt an einem Zuverdienstangebot teilzunehmen. Die Räume sind relativ nah am Bahnhof gelegen.

Synergieeffekte im Gebäude

Außerdem sind in der Freiberger Straße auch die Therapeutische Werkstatt, der Secondhandladen „Neufundland“ und die Anlaufstelle „Karla’s Wohnzimmer“ angesiedelt. Hier könnten sich Synergieeffekte ergeben. Im gleichen Gebäude befinden sich auch das Jobcenter und ein Tanzstudio. Zu Fuß sind im Buch-Zentrum diverse Einkaufsmöglichkeiten zu erreichen. „Das Angebot entspricht den Wünschen der Menschen“, so Katharina Binder vom Kreis-Dezernat Arbeit, Jugend und Soziales. Allerdings sei noch eine Umgestaltung des Raumes nötig.

Vorausgegangen war der Entscheidung in der „Region Nord“ eine nicht-repräsentative Umfrage, bei der möglichst viele Personen befragt werden sollten, welchen Bedarf sie nach Beratung, einem Tagesstrukturangebot, psychiatrischer Institutsambulanz und Zuverdienst haben, wo ein solches Angebot stattfinden soll und wie die Personen dorthin kommen könnten. Die Umfrage wurde von 55 Personen ausgefüllt. Viele Personen wünschten sich demnach ein tagestrukturiertes Angebot in Bietigheim-Bissingen.

In der „Region West“ gibt es seit 2020 in Vaihingen an zwei Tagen das Tagesstättenangebot „Treffpunkt“ der Diakonischen Bezirksstelle, ergänzt um das Kontaktstüble und das Café „Mittendrin“ des Sozialpsychiatrischen Dienstes.

Der neue Standort in Bietigheim-Bissingen sei gut gewählt und von den Kommunen aus gut erreichbar, so der Erligheimer Bürgermeister und FW-Kreisrat Rainer Schäuffele. Das Angebot zeige eine konsequente Umsetzung, ergänzte der Kornwestheimer Oberbürgermeister und CDU-Kreisrat Nico Lauxmann. Brigitte Muras (Grüne) wies mit Marbach auf einen weiteren Standort einer Tagesstätte in der „Region Nord Ost“ hin, dieser sei aber noch nicht gesetzt, so Katharina Binder.

Niederschwelliges Angebot

Die Tagesstätte biete als niederschwelliges Angebot psychisch kranken Menschen die Möglichkeit, Isolation und Einsamkeit hinter sich zu lassen, sagte SPD-Rat Reusch-Frey, wobei Vaihingen noch ausgebaut werden könnte. Erika Schellmann (FDP) war begeistert, dass etwas vorangehe, und Wolfram Scheffbuch (Linke) zeigte sich überzeugt, dass das Angebot gut angenommen werde.

Die Finanzierung erfolgt ab dem Kreis-Haushalt 2024. In der Gesamtsumme kostet die Einrichtung rund 48 400 Euro, davon sind 31 281 Euro Personalkosten für eine 40-Prozent-Stelle enthalten. Die Sorge, die Stelle könne nicht besetzt werden, konnte Katharina Binder zerstreuen, sie teilen sich zwei Personen. Weiter sind 3000 Euro für Ehrenamtliche und Aushilfskräfte vorgesehen, die Sach- und Gemeinkosten betragen jeweils 15 Prozent der Personalkosten. Zudem sind 4800 Euro Raum und Reinigungskosten enthalten.

Gesetz von 2014

Die Weiterentwicklung der Gemeindepsychiatrie im Landkreis geht auf das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz vom 25. November 2014 zurück. Ziel ist es, psychisch erkrankten Menschen wohnortnahe und bedarfsgerechte Hilfe zu bieten. In den Zentren soll die Versorgung möglichst unter einem Dach gebündelt werden, neben dem Sozialpsychiatrischen Dienst und der Psychiatrische Institutsambulanz zählen die Tagesstätten zum Kern der Zentren.