Bietigheim-Bissingen
: Eidechse sorgt für Bauverzögerungen

Das künftige Baugebiet Wobachstraße/Felsenkellerweg in Bietigheim-Bissingen war Thema im Gemeinderat. Im Bebauungsplanverfahren ist eine weitere Offenlage nötig.
Von
Uwe Mollenkopf
Bietigheim-Bissingen
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Das künftige Baugebiet zwischen Wobachstraße und Felsenkellerweg.

/Martin Kalb

Die Mauereidechse hat zu einer weiteren Runde geführt“, bedauerte Stadtrat Götz Noller (FDP) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Gemeint war das geplante Baugebiet Wobachstraße/Felsenkellerweg, wo zwei Bauherren auf den Grundstücken entlang der Wobachstraße das bestehende Wohngebäude sowie das ehemalige Schlachthaus abreißen und zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 54 Wohnungen und zwei Tiefgaragen errichten wollen (die BZ berichtete). Während der öffentlichen Auslegung vom 23. März bis 23. April dieses Jahres hatte das Landratsamt fehlende Untersuchungen zum Artenschutz beklagt, die dann nachgeholt wurden – mit Auswirkungen für den Zeitplan der Bebauung.

Veränderte Voraussetzungen

Der Standort liege bereits seit einigen Jahren brach und dementsprechend gebe es zwischenzeitlich andere Habitatvoraussetzungen hatte das Landratsamt in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan angeführt. Ein Gutachten zum Fledermausbestand stammte von 2022, eines zu Vögeln und Reptilien von 2021. Bei der neuen Untersuchung, die als Konsequenz daraus vorgenommen wurde, wurde nun ein Exemplar einer Mauereidechse in dem Gebiet entdeckt, wie die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für den Gemeinderat darlegte.

Als Folge mussten neue Maßnahmen in den Bebauungsplan aufgenommen werden: Es müssen neue „Reptilienhabitate“ angelegt und die Eidechse(n) in dem Gebiet dorthin umgesetzt werden. Zudem sind auch Vogelnistkästen und Fledermauskästen vorgesehen. Aufgrund der Ergänzungen muss der Bebauungsplan nun aber neu offengelegt werden.

Götz Noller (FDP) meinte in der Sitzung, man müsse angesichts der Eidechsenthematik auch mal „die Kirche im Dorf lassen“. Die Regelungen sollten für Regionen wie die hiesige, in denen es zahlreiche Mauereidechsen gebe, überprüft werden. Es handelt sich dabei allerdings um eine EU-Vorgabe, und Oberbürgermeister Jürgen Kessing führte an, dass am Bahnhof sogar 25.000 Euro für den Eidechsenschutz ausgegeben werden mussten. Bezüglich Starkregen wird vom Landratsamt zudem empfohlen, Schutzmaßnahmen vorzusehen. Laut Verwaltung wurde mittlerweile ein detaillierter Freiflächenplan mit Wasserführung und Geländemodellierung für den Starkregenfall vorgesehen. Weitere Änderungen betreffen zum Beispiel die Stützmauern. An zwei Stellen im Plangebiet sind aufgrund von Geländemodellierungen nun Mauern bis zu einer Höhe von 2,50 Meter notwendig (bislang eine Stelle mit zwei Metern Höhe). Die neu hinzugekommene Mauer dient der Abstützung des Geländes nach Osten und soll daher – dem vorhandenen Hang folgend – leicht versetzt hergestellt werden.

Durchführungsvertrag mit Stadt

Im nächsten Verfahrensschritt werden die betroffenen Behörden und die sonstigen Träger öffentlicher Belange zum Bebauungsplanentwurf erneut beteiligt und es erfolgt die erneute öffentliche Auslegung. Die Gelegenheit zur Stellungnahme wird dabei entsprechend der gesetzlichen Vorgaben auf die Änderungen und Ergänzungen und ihre möglichen Auswirkungen beschränkt und die Offenlage auf zwei Wochen verkürzt, was vom Gemeinderat zusammen mit dem Planentwurf auch einstimmig so beschlossen wurde. Ebenso stimmten die Stadträte zu, dass die Stadt Bietigheim-Bissingen mit der Architektura Grundbesitz GmbH und Müslüm Dikme als Vorhabenträger einen Durchführungsvertrag abschließt. Es sei gut, dass durch das Vorhaben viele neue Wohnungen geschaffen werden, sagte Ines Brodbeck (SPD) bei der Beratung. Und: 20 Prozent davon sollen vergünstigte Mietwohnungen sein.