Bietigheim-Bissingen: Dürr-Konzern zeigt sich robust

Bei der Vorstellung der Bilanz des Dürr-Konzerns am Donnerstag in Bietigheim-Bissingen (von links): Andreas Schaller, Vorstandsvorsitzender Dr. Jochen Weyrauch, Finanzvorstand Dietmar Heinrich und Mathias Christen.
/Martin KalbDas vergangene Jahr sei politisch unruhig gewesen, das laufende Jahr habe diesbezüglich ähnliches oder noch größeres Potenzial, stellte Dr. Jochen Weyrauch, der Vorstandsvorsitzende der Dürr AG, am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Bietigheim-Bissingen fest. Doch, so Weyrauch, das Unternehmen habe 2024 Resilienz bewiesen. Man sei solide und nachhaltig unterwegs gewesen und habe „alle Prognosen eingehalten“.
Dass der Maschinen- und Anlagenbauer gut aufgestellt sei, machte Weyrauch insbesondere am Auftragseingang fest. Der wuchs 2024 laut den vorläufigen Geschäftszahlen um elf Prozent auf 5,14 Milliarden Euro, was einen Rekordwert darstellt. Auch der Umsatz erreichte mit 4,7 Milliarden Euro (plus 1,5 Prozent) einen Höchstwert.
Lackiertechnik ist gefragt
Laut Weyrauch hat sich für Dürr der strategische Fokus auf Nachhaltigkeit und Automatisierung ausgezahlt. In der Lackiertechnik profitiere man von einem robusten Modernisierungszyklus. Die Automobilindustrie ersetze alte Lackierereien durch energiesparende Systeme mit umfassender Automatisierung, um effizient und klimafreundlich produzieren zu können. Denn in älteren Automobilwerken würden mehr als 40 Prozent des Energieverbrauchs auf die Lackierung entfallen.
Einen Wachstumsschub gab es auch in der Batterieproduktionstechnik. In diesem Geschäftsfeld stiegen die Bestellungen auf deutlich über 100 Millionen Euro, da Dürr in Italien erstmals einen Großauftrag über die Lieferung mehrerer Linien zur Elektrodenbeschichtung erhielt. Die ganzjährige Einbeziehung der 2023 erworbenen BBS Automation-Gruppe ließ den Auftragseingang in der Division Industrie-Automation auf 671 Millionen Euro ansteigen. Allerdings bremste das langsame Wachstum der Elektromobilität die Nachfrage nach automatisierter Produktionstechnik bei Dürr.
Finanzvorstand Dietmar Heinrich zeigte sich zufrieden mit einem Free Cash Flow, das heißt liquiden Mitteln, von 157 Millionen Euro. „Das ist ein sehr guter Wert.“ Dadurch hätten die Schulden von 517 auf 396 Millionen Euro reduziert werden können.
Homag hofft auf Besserung
Leicht zurückgegangen ist hingegen das Ergebnis. Das EBIT, der operative Gewinn vor Finanzergebnis und Steuern, sank von 280,4 Millionen Euro 2023 auf 257,9 Millionen Euro 2024, ein Rückgang um acht Prozent. Die EBIT-Marge von 5,5 Prozent (Vorjahr 6,1 Prozent), gemessen am Umsatz, sei aber der Maßstab, „das wir die Situation gut meistern“, sagte Heinrich.
Grund für den verringerten Gewinn ist laut Weyrauch, dass das Ergebnis des Tochterunternehmens Homag nicht ganz ausgeglichen sei. Die Homag mit Sitz in Schopfloch, die Maschinen für die Holzbearbeitung produziert, leidet seit Ende 2022 unter einer Nachfrageschwäche. Immerhin habe sich nun aber der Auftragseingang mit 1,36 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau stabilisiert, im zweiten Halbjahr 2025 rechne man mit einer Marktbelebung, hieß es auf der Pressekonferenz.
Die Homag will dann mit reduzierten Kosten in den erwarteten Aufschwung starten. Einsparungen von 50 Millionen Euro wurden erzielt, indem die Homag 2024 rund 600 Stellen strich. Das ist auch der Hauptgrund, dass die Beschäftigtenzahl im Dürr-Konzern mit 19.894 Mitarbeitern Ende 2024 um 703 im Vergleich zum Vorjahr zurückging (in Deutschland: rund 9200 Mitarbeiter). Der weitere Grund ist der Verkauf des dänischen Befülltechnikunternehmens Agramkow mit rund 180 Beschäftigen.
Hiesige Beschäftigtenzahl stabil
Am Standort Bietigheim-Bissingen hat die Beschäftigtenzahl 2024 mit 2600 etwas zugenommen (Vorjahr: 2500). 300 Mitarbeiter gehören indes zur Sparte Umwelttechnik (mit insgesamt 1300 Beschäftigten), die verkauft werden soll. Diese laufe zwar gut, sagte Weyrauch, passe aber nicht mehr zum Unternehmen. „Da sind wir nicht mehr der beste Eigentümer.“ Mit Blick auf die Arbeitsplätze sagte der Vorstandsvorsitzende, er denke, ein neuer Eigentümer entwickle das Geschäft weiter, er sei diesbezüglich „äußerst positiv gestimmt“.
Der beabsichtigte Verkauf gehört zur Dürr-Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, mit drei statt bisher fünf Divisionen: Automotive, Industrial Automation und Woodworking. Die Division Automotive gibt es seit Anfang 2025, sie umfasst nun das Lackiertechnikgeschäft und die Endmontagetechnik. Davon verspricht sich der Weltmarktführer eine noch bessere Kundenbetreuung.
Technologiezentrum geplant
Die Investitionen stiegen 2024 um 20 Prozent auf 189 Millionen Euro. 2025 und 2026 sieht die Investitionsplanung unter anderem den Bau eines Technologiezentrums für die Roboterlackierung in Bietigheim-Bissingen vor.
Der Ausblick für 2025 fällt positiv aus. Dadurch, dass Dürr in den USA gut aufgestellt ist, sieht man sich durch Trumps Zollpolitik weniger tangiert. Sollte die Geopolitik den Welthandel nicht wesentlich belasten, peilt Dürr ein Umsatzplus von sechs Prozent an, die EBIT-Marge vor Sondereffekten soll ebenfalls zunehmen: Die Zielspanne reicht von 5,5 bis 6,5 Prozent. Dadurch soll das Ergebnis nach Steuern beim Dürr-Konzern von 102 auf 120 bis 170 Millionen Euro steigen.