Bietigheim-Bissingen
: Dürr: „Genug Wasser unterm Kiel“

Der Maschinen- und Anlagenbauer konnte sein Ergebnis 2025 trotz Zollkonflikten und weltpolitischer Spannungen steigern.
Von
Claudia Mocek
Bietigheim-Bissingen
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Der Vorstandsvorsitzender Dr. Jochen Weyrauch, Finanzvorstand Dietmar Heinrich und Pressesprecher Matthias Christen beim Pressegespräch.

/Martin Kalb

Der Dürr-Konzern hat seine operative Profitabilität 2025 trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds deutlich gesteigert. Das EBIT vor Sondereffekten stieg um 19 Prozent auf 232 Millionen Euro, die Marge lag mit 5,6 Prozent leicht über der Zielbandbreite von 4,5 bis 5,5 Prozent. Hauptgründe waren die Ertragsstärke im Geschäft der Division Automotive mit der Automobilindustrie und die gesteigerte Ergebnisresilienz in der Holzbearbeitungstechnik der Konzerntochter Homag. „Die Zollkonflikte und die weltpolitischen Spannungen haben die Investitionsbereitschaft vieler Kunden gedämpft. Dass wir das Ergebnis trotzdem deutlich steigern konnten, unterstreicht die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäftsmodells“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Jochen Weyrauch beim Pressegespräch am Donnerstag.

„Viel Material auf Schiffen“

Das Konzernergebnis nach Steuern verdoppelte sich auf 206 Millionen Euro. Es profitierte neben der verbesserten operativen Leistung von einem hohen Buchgewinn (227 Millionen Euro nach Steuern) aus dem Verkauf der Umwelttechniksparte. Der Free Cashflow erreichte mit 162 Millionen Euro ein hohes Niveau. 2026 strebt der Maschinen- und Anlagenbauer eine weitere Steigerung der EBIT-Marge vor Sondereffekten an. Dies setze voraus, dass der Krieg im Nahen Osten die Weltwirtschaft nur vorübergehend beeinträchtigt. Derzeit wirke er sich vor allem auf die Lieferkette aus, sagte Weyrauch: „Wir haben viel Material auf Schiffen“.

Der Auftragseingang blieb mit 3,89 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert (-18 Prozent). Dies kam in Teilen erwartet, da 2024 von einem Rekordauftragseingang in der Lackiertechnik geprägt war. Zudem sei der Auftragseingang stark durch die wirtschaftliche Verunsicherung als Folge der Zollkonflikte beeinträchtigt worden. Diese hätten sich vor allem indirekt ausgewirkt. Die Kunden seien verunsichert, die Investitionsentscheidungen seien verzögert worden.

Die Nachfrage aus dem Holzhausbau habe bei Homag weiter angezogen, während im Geschäft mit der Möbelindustrie noch keine Erholung in Sicht sei. 2025 brachte einen Rekordauftragseingang von 235 Millionen Euro. Wachstumspotenzial verspreche auch die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden mit Dämmfassaden aus Holz. Weyrauch: „In den kommenden Jahren rechnen wir beim Holzbaugeschäft mit durchschnittlich rund zehn Prozent Umsatzwachstum.“ Der Umsatz verringerte sich 2025 um drei Prozent auf 4,17 Milliarden Euro. Geschuldet sei dies der Konjunkturschwäche sowie Verzögerungen auf Kundenseite bei der Abwicklung von Großprojekten. Dennoch habe Dürr den Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung von 1500 Euro zahlen können, was nicht selbstverständlich sei, so Weyrauch.

Das hohe Konzernergebnis nach Steuern (206 Millionen Euro) gehe auch auf den Buchgewinn aus dem Verkauf der Umwelttechnik zurück. Die Transformation des Konzerns sei abgeschlossen, der Konzern in seinen Kernbereichen „gut aufgestellt“, so Weyrauch.

Investitionen in Deutschland

Der Free Cashflow von 162 Millionen Euro markiere einen Zehnjahresrekord. Finanzvorstand Dietmar Heinrich: „Unsere Bilanz ist grundsolide.“ Mit einer Eigenkapitalquote von knapp 30 Prozent „haben wir genug Wasser unterm Kiel, um auch durch seichte Gewässer zu kommen“, sagte er.

Dürr investiert 141 Millionen Euro, davon 60 Prozent in Deutschland – unter anderem in ein Technologiezentrum am Standort Bietigheim. Dies sei ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Nun sei aber auch die Politik gefordert, die für eine investitionsfreundliche Stimmung sorgen müsse. Außerdem falle die Arbeitszeit in Deutschland im Vergleich zur Schweiz geringer aus. Dass Arbeit auch Spaß mache, müsse stärker transportiert werden.