Bietigheim-Bissingen: Die Suche nach der perfekten Form

Galerieleiterin Dr. Isabell Schenk-Weininger (links) und Dr. Petra Lanfermann haben die neue Ausstellung über den Maler Karl Hofer zusammengestellt.
Martin Kalb- Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt „Karl Hofer – Zwischen Schönheit und Wahrheit“.
- Rund 80 Gemälde aus fünf Jahrzehnten, Laufzeit bis zum 28. Februar 2027.
- Fokus auf Menschenbilder zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus.
- NS-Zeit prägt zentrale Werke wie „Kassandra“, „Der Hungrige“, „Winterwald“ und „Böse Nacht“.
- Begleitprogramm bis 2027: Führungen, Workshops, Angebote für Schulen, Seniorinnen und Demenzkranke.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Rätselhafte Gesichter, nachdenkliche Blicke und Menschen, die selbst in Gesellschaft seltsam einsam wirken: Die Bilder von Karl Hofer erzählen Geschichten, ohne sie vollständig preiszugeben. Sie berühren durch eine stille Melancholie und besondere Ausdruckskraft. Noch bis zum 28. Februar 2027 widmet die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen dem bedeutenden deutschen Maler eine umfangreiche Ausstellung. Unter dem Titel „Karl Hofer – Zwischen Schönheit und Wahrheit“ sind rund 80 Gemälde aus mehr als fünf Jahrzehnten seines Schaffens zu sehen. Ein Glücksfall, „wir konnten aus dem Vollen schöpfen,“ so Galerieleiterin Dr. Isabell Schenk-Weininger bei einer Presseführung.
Karl Hofer, 1878 in Karlsruhe geboren, Studium unter anderem auch in Stuttgart, und 1955 in Berlin gestorben, zählt zu den eigenständigen Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Moderne. Seine Malerei lässt sich keiner einzelnen Stilrichtung eindeutig zuordnen. Sie bewegt sich zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus. Diese Unabhängigkeit, der Blick auf die Lebensumstände und die Menschen macht sein Werk bis heute unverwechselbar. Wobei Hofer nie eindeutig Bezug auf die Zeit nimmt, wie die stellvertretende Galerieleiterin Dr. Petra Lanfermann betonte.
Im Mittelpunkt steht der Mensch
Im Mittelpunkt von Hofer steht der Mensch. Häufig sind es Frauen, Paare oder kleine Gruppen wie etwa die Kartenspieler von 1924, die Hofer in eigentümlich entrückten Situationen zeigt. Ihre Gesichter erscheinen ernst, manchmal maskenhaft, wie die Harlekine aus der gleichen Zeit, ihre Körperhaltungen zurückhaltend, die Szenerie beobachtend. Auch dort, wo Menschen einander nahe sind, bleibt oft eine unsichtbare Distanz. Hofer ging es weniger darum, die äußere Wirklichkeit naturgetreu abzubilden, als vielmehr darum, menschliche Empfindungen und existenzielle Erfahrungen sichtbar zu machen. Er habe viele Werke immer neu arrangiert und gemalt, etwa die Fahnenträger, ganz so, als ob Hofer immer auf der Suche nach der perfekten Form gewesen sei, erklärte Petra Lanfermann.
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Würde, Verletzliches, Schönheit und Traurigkeit liegen in vielen seiner Werke dicht beieinander. Die häufig gedämpfte Farbigkeit, vereinfachte Formen und sorgfältig komponierte Bildräume verstärken diesen Eindruck. Immer wieder tauchen maskierte Gestalten und geheimnisvolle Figuren auf. Sie können als Sinnbilder einer Welt verstanden werden, in der sich hinter der äußeren Erscheinung tiefere Wahrheiten verbergen.
Besonders eindrucksvoll ist, wie sich in Hofers Malerei die politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Zwei Weltkriege, die nationalsozialistische Diktatur und die schwierige Neuorientierung nach 1945 prägten seine Lebenszeit. Schon früh bezog Hofer gegen die nationalsozialistische Ideologie Stellung.
Dunkle NS-Zeit
1938 wird er aufgrund seiner jüdischen Ehefrau Mathilde von der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Er lässt sich scheiden, um im November sein Modell Elisabeth Schmidt zu heiraten, während Mathilde 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau von den Nazis ermordet wird. Es ist eine Dunkelstelle in Hofers Leben.
Die Bilder aus der NS-Zeit sind dann auch die eindrücklichsten der Ausstellung. „Kassandra“ von 1936, in der antiken Mythologie die tragische Heldin, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. „Der Hungrige“ von 1936, der verzweifelt einen blanken Knochen abnagt, und die hoffnungslos dreinschauenden „Männer im Winterwald“ von 1938. All dies mündet in ein Bild mit dem Titel „Böse Nacht“ von 1946, wo man Kriegsschäden erkennt, im Vordergrund ausgemergelte Hunde und Wölfe mit rattenähnlichen Köpfen.

Eines der Werke von Maler Karl Hofer.
Martin KalbBereits 1947 beschrieb er sich als eine Art geistigen Seismografen, der drohendes Unheil frühzeitig wahrnehme. Dieser Gedanke eröffnet einen besonderen Zugang zu seinen Bildern: Sie wirken nicht nur als persönliche Darstellungen von Gefühlen, sondern ebenso als Ausdruck einer ganzen Epoche voller Unsicherheit und Umbrüche. Hofer formulierte 1955 seine künstlerische Überzeugung: „Das Zentralproblem der bildenden Kunst ist und bleibt der Mensch und das Menschliche, das ewige Drama.“ Dieser Satz könnte als Leitgedanke über der Ausstellung in Bietigheim-Bissingen stehen, die die kunsthistorische Debatte aufgreift und zwar nicht chronologisch, aber in eindrücklichen Themenbereichen aufgegliedert.
Streitbare Persönlichkeit
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Hofer eine streitbare Persönlichkeit. Als Direktor der Hochschule für Bildende Künste in Berlin beteiligte er sich intensiv an der Diskussion über die Zukunft der modernen Malerei. Während die abstrakte Kunst zunehmend als Ausdruck künstlerischer Freiheit und demokratischer Erneuerung galt, verteidigte Karl Hofer die Bedeutung der gegenständlichen Darstellung.
Neben seinen charakteristischen Figurenbildern sind auch Landschaften und Stillleben vertreten. Die Werke stammen überwiegend aus der Hofer-Kollektion der Sammlung Arthouse und werden durch bedeutende Leihgaben ergänzt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale), Schloss Achberg und der Kunsthalle Rostock. Ein umfangreicher Katalog begleitet die Ausstellung, die am heutigen Freitag, um 19 Uhr eröffnet wird.
Das Begleitprogramm
Das Begleitprogramm zur Ausstellung bietet bis Februar 2027 zahlreiche Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen. Jeden Sonntag um 11.30 Uhr finden öffentliche Führungen statt. Außerdem gibt es spezielle Angebote für Lehrkräfte, Menschen mit Demenz sowie Seniorinnen und Senioren. Ergänzt wird das Programm durch After-Work-Kurzführungen mit Aperitif, Einblicke in die Maltechnik Karl Hofers und thematische Führungen unter dem Titel „Kunst ist immer im Recht!“. Weitere Angebote sind Kuratorinnenführungen, ein Lesekreis, ein Familien-Fun-Freitag mit Kreativ-Workshop sowie eine kreative Schreibwerkstatt. Auch Führungen für Gruppen und Schulklassen können individuell vereinbart werden. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail empfohlen. itz