Bietigheim-Bissingen: „Die Schüler sind fleißig, nett und diszipliniert“

Lehrer Karsten Kalweit inmitten seiner Schüler in China.
/privatSchon seit langer Zeit interessiert sich der Bietigheimer Karsten Kalweit für chinesische Kultur und Sprache. Der 53-Jährige betreibt auch schon seit Jahrzehnten chinesischen Kampfsport – Tai Chi, Chi Gong und Kungfu. Vor diesem Hintergrund hat er nun die Gelegenheit ergriffen, ein „berufliches Abenteuer“ im Land der Mitte zu wagen.
Seit Sommer letzten Jahres arbeitet Kalweit als Deutschlehrer in Chengdu, einer pulsierenden Metropole im Herzen Chinas. Zuvor war der ausgebildete Gymnasiallehrer seit 1999 als Beamter im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg tätig, seit 2016 ist er Oberstudienrat. Kalweit unterrichtete an verschiedenen beruflichen Gymnasien, in den letzten Jahren an einer Berufsschule in Stuttgart. Im Ausland zu arbeiten ist für ihn nicht neu. Von 2007 bis 2009 war er schon einmal als Lehrer in Brasilien.
An zwei Sprachschulen tätig
In China unterrichtet der Bietigheimer an zwei chinesischen Sprachschulen, der „Chengdu Foreign Language School“ und der „Experimental Foreign Language School“. Er führt seine Schüler zur DSD-Prüfung (Deutsches Sprachdiplom). Kalweit schätzt, dass es vielleicht 600 Schüler sind, die er Deutsch lehrt. „Da ich in allen Klassen – allerdings nur eine Stunde pro Woche – eingesetzt werde, habe ich sehr viele Schüler.“
Seine bisherigen Erfahrungen sind positiv. „Die Kollegen und die Schulleitung sowie die deutsche Fachleitung helfen mir sehr bei der Arbeit, und die chinesischen Schüler sind fleißig, nett und diszipliniert“, erzählt Kalweit. Die Arbeit mit den Jugendlichen sei eine besondere Herausforderung, aber auch eine Bereicherung.
Es sei beeindruckend zu sehen, mit welchem Eifer und welcher Begeisterung sie sich der deutschen Sprache widmeten. Durch interaktive Methoden, spannende Projekte und praxisnahe Inhalte gelinge es, das Interesse der Schüler langfristig zu wecken und ihre Sprachfähigkeiten stetig zu verbessern.
Brücken zwischen den Kulturen
Viele Absolventen der Deutschkurse entschieden sich nach ihrer Schulzeit für ein Studium oder eine berufliche Laufbahn in Deutschland, berichtet Kalweit. Die Arbeit als Deutschlehrer in Chengdu sei weit mehr als nur Sprachvermittlung. Es gehe darum, „Brücken zwischen zwei Kulturen zu bauen und jungen Menschen neue Perspektiven zu ermöglichen“.
Da er selbst sein ganzes Leben lang Fremdsprachen gelernt habe, und immer noch lerne, unterrichte er auch sehr gerne Deutsch als Fremdsprache, sagt Kalweit. Auch Chinesisch lernt der Bietigheimer seit einiger Zeit und hat mit Erfolg die Prüfungen zu HSK1 und HSK2 abgelegt. Er bereitet sich gerade auf die HSK3-Prüfung vor. „Chinesisch finde ich eine faszinierende Sprache, die allerdings für den Europäer sehr schwer zu erlernen ist“, sagt er. Man müsse bedenken, dass man komplett neu anfangen muss, Lesen und Schreiben zu lernen.
Sehnsucht nach deutschem Brot
Eher unangenehm empfinde er die chinesische Bürokratie und den Umgang mit den Behörden, so Kalweit. „Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass das in Deutschland für den Ausländer auch nicht einfach ist.“ Was er in China am meisten vermisst? „Ich vermisse natürlich meine Freunde und Familie. Davon abgesehen ist es deutsches Brot, nach dem ich mich in China oftmals sehne.“
Karsten Kalweit, der seine Stelle in China über eine Ausschreibung des Landes bekommen hat, hat einen Vertrag bis Sommer 2026. Diesen könne er aber auch noch weitere vier Jahre verlängern.