Bietigheim-Bissingen: Deeper Learning: Die Sinnhaftigkeit des Lernens

„Deeper Learning“ soll der Schülerschaft eine neue Lernmethode vermitteln.
/Felix Kästle/dpaMan muss sich die Zeit selbst einteilen und selbst aktiv werden. Das ist am Anfang gar nicht so einfach, aber in unserer heutigen Zeit so wichtig für die Schüler“, erklärt Nicole Stockmann, Schulleiterin des Ellentalgymnasiums I. Seit diesem Schuljahr gibt es die Möglichkeit Schülerinnen und Schüler nach einem neuen Lehrkonzept im Rahmen von Projektarbeiten zu unterrichten. „Deeper Learning heißt die neue Form der Wissensvermittlung. Mit dem neuen Konzept sollen Kreativität und Kooperation gefördert werden und den Schülerinnen und Schülern nicht nur Lerninhalte zum „Auswendiglernen“ gegeben werden.
Drei Phasen
Das Arbeiten beim „Deeper Learning“ ist in drei Phasen aufgeteilt: In der Qualifizierungsphase wird den Schülerinnen und Schülern erst einmal bereitgestellt, was sie an fundiertem Fachwissen brauchen, zum Beispiel über eine Online-Plattform mit verschiedenen Materialien oder auch eine kleine Unterrichtseinheit.
In der zweiten Phase arbeiten die Schülerinnen und Schüler dann selbstverantwortlich, organisieren sich in Gruppen und bereiten die „authentische Leistung“ vor, ein konkretes Ziel, das am Ende des „Deeper Learning“ Prozesses steht und die dritte Phase des Konzepts ist.
„Der Geografiekurs hat im Dezember zum Beispiel für den Adventskalender Escape-Rooms erarbeitet, die die Schüler dann auch lösen konnten. Zuletzt gab es eine Klimakonferenz, die die Schülerinnen und Schüler selbst erarbeitet haben“, erzählt Stockmann. Dabei gehört zum Lernprozess nicht nur, dass man sich Fachwissen zum Thema Klimawandel aneignet, sondern, dass man zum Beispiel auch beim Hausmeister einen Konferenzraum vormerken muss und die Gäste rechtzeitig einlädt. Dabei gehe es auch um die Sinnhaftigkeit des Lernens, denn lediglich viel Grundwissen anzusammeln, sei eben nicht alles. Häufig hatten auch Vertreter der Landesschülermitverwaltung (SMV) kritsiert, dass den Absolventen praktisches Wissen für den Alltag fehle.
Durch das neue Konzept entstehen auch für die Lehrkräfte neue Möglichkeiten: „Man kann zum Beispiel auch mal beobachten wie sich die Schülerinnen und Schüler in so einem Lernprozess verhalten und kommt leichter persönlich mit ihnen in Kontakt um sie zu begleiten. Diese Zeit hat man im normalen Unterricht eher nicht“, erklärt die Schulleiterin. Die Ellentalgymnasien sind Teil eines Netzwerkes der Boschstiftung, in dem acht Schulen mit verschiedenen Projekten das „Deeper Learning“-Konzept ausprobieren können. Vor Kurzem fand ein Vortrag der Professorin Anne Sliwka von der Universität Heidelberg statt, die eine der führenden Expertinnen für „Deeper Learning“ ist. Im Livestream wurde dem Kollegium das Konzept erklärt.
Klein anfangen
„Wir laden offen dazu ein, es auszuprobieren. Allerdings ist es auch kein muss, denn die Vorbereitungen für ,Deeper Learning’-Projekte sind sehr umfangreich. Deshalb rate ich dieses erst einmal im Kleinen anzufangen“, so Stockmann. Gerade beim „Deeper Learning“ biete es sich an, Fächerübergreifend zu arbeiten, doch gerade das kann bei der Planung und Vorbereitung auch sehr herausfordernd sein. „Es ist nicht nur ein Lernprozess für unsere Schülerinnen und Schüler, auch wir Lehrkräfte müssen lernen, dass man loslassen muss, nicht alles kontrollieren kann und Vertrauen in die Arbeit der Schülerinnen und Schüler haben“, betont Stockmann.
Momentan finde das „Deeper Learning“ nur in der Oberstufe statt, doch die Schulleiterin kann sich vorstellen, dass das Konzept auch für die 8. und 9. Klassen interessant wäre. „Manche Dinge sind später leichter, wenn man sie im jüngeren Alter eingeübt hat.“
Projekte im kommenden Jahr
Derzeit können die Lehrkräfte überlegen, ob das neue Konzept im kommenden Schuljahr bei ihnen in den Unterricht passt. Hilfestellung gibt es dann auch von den Lehrkräften, die bereits das „Deeper Learning“ im Unterricht ausprobiert haben.
„Es ist wichtig, Räume zu schaffen für Dinge, die sich nicht einfach googeln lassen. Ich bin gespannt, was im kommenden Schuljahr alles für Projekte entstehen werden“, blickt Stockmann in die Zukunft. Positive Rückmeldungen gab es bereits zu den bisherigen „Deeper Learning“-Projekten: „In den Einzelgesprächen mit den Schülerinnen und Schülern kam bereits die Rückmeldung, dass der schönste Moment des Schuljahrs, die Arbeit am Escape Room gewesen sei“, sagt Stockmann. Natürlich werde diese Lehrmethode nicht den Regelunterricht ersetzen könne, aber es sei wichtig, dass man auch immer wieder andere Formen ausprobiere, so die Schulleiterin.