Bietigheim-Bissingen: Das Ziel: Wachstum und Verjüngung – ein Verein für alle

Dieter Friedrich ist der neue Vorsitzende des Vereins Aktive Senioren Bietigheim-Bissingen. Für den Verein wünscht er sich mehr Wachstum und jüngere Mitglieder.
/Oliver BürkleViele Nächte saß Dieter Friedrich während der Pandemie vor dem Computer. Gerade, als die ersten Impfungen möglich waren und man sich selbst Termine organisieren musste. „Das war ein Unding. Viele Ältere konnten online keinen Termin ausmachen, also habe ich das gemacht und saß pünktlich um 0 Uhr an drei verschiedenen Rechnern, um Termine für unsere Senioren auszumachen“, erinnert sich Friedrich. Bei den Aktiven Senioren war er damals in der Fotogruppe aktiv. Nachdem er neben den Terminen auch noch die Fahrten zu den Impfzentren mitorganisierte, sagte ihm Renate Wendt, die damalige Vorsitzende der Aktiven Senioren Bietigheim-Bissingen: „Jetzt kannst du eigentlich auch im Vorstand mitmachen.“
Gesagt, getan, Friedrich wurde Vorstandsmitglied im Verein und seit Ende Januar nun auch der gewählte Vorsitzende und löste damit die langjährige Vorsitzende Renate Wendt ab. Für den 75-Jährigen ist ehrenamtliches Engagement sehr wichtig: „Ich hatte bisher wirklich ein interessantes, tolles Leben und habe viel erlebt. Jetzt ist es einfach an der Zeit, etwas zurückzugeben. Jeder sollte irgendwann einmal sich sozial engagieren.“
Viel gereist
Durch seine Arbeit als Ingenieur unter anderem bei der Firma Dürr, kam Friedrich auch viel in der Welt herum. „Auf meinen Reisen habe ich viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und dabei auch gelernt wie unterschiedlich man miteinander umgehen muss.“ Gerade diese Erfahrung sei jetzt in der Vereinsarbeit von Vorteil. Momentan ist der 75-Jährige dabei die Aufgaben in der Vereinsorganisation zu verteilen. „Mindestens zwei Leute sollten sich in einem Gebiet auskennen. Wir haben mittlerweile eine Vereinsverwaltungssoftware, die bereits ganz gut angelaufen ist.“ Rund 1200 Termine gilt es bei den Aktiven Senioren zu organisieren. Von Bewegungsangeboten über Kreativkurse bis hin zu Unterhaltung bietet der Verein ein vielseitiges Programm.
Gerade für Menschen, die mit dem Beginn des Ruhestands in ein Loch fallen, möchte der Verein eine Anlaufstelle sein. „Wenn man lange alleine zu Hause ist, verlieren viele ältere Menschen die Kontaktfähigkeit“, erklärt der neue Vorsitzende. Deshalb setze er sich grundsätzlich immer zu den Leuten, die neu zum Bürgertreff in das Café im Enzpavillon kommen.
Der 75-Jährige ist selbst nie in ein Loch gefallen, denn nach dem Ruhestand bei Dürr, arbeitete er noch projektbezogen selbstständig für verschiedene Firmen als Ingenieur weiter. Auch seine Familie engagiert sich: Seine Frau ist im Vorstand des Clubs der Frau und seine Tochter begann vor kurzem ein Psychologiestudium. Die vier Enkel waren alle bereits für ein Auslandsjahr in Schottland. „Wir probieren immer wieder etwas Neues aus“, so Friedrich.
500 Mitglieder sind das Ziel
Ziele für die Aktiven Senioren hat der neue Vorsitzende natürlich auch: Der Verein soll sich wieder verjüngen – mehr Mitglieder um die 60 Jahre wären wünschenswert und auch die Zahl der Mitglieder soll wieder steigen. Derzeit liege die Zahl bei 470 Mitgliedern. Das nächste Ziel sei die 500. „Die Ideen für den Verein müssen von unten heraus, von den Mitgliedern kommen“, betont Friedrich. Er möchte alles dafür tun, dass sich die Mitglieder im Verein wohlfühlen. Er betont, dass das Angebot für jeden offen ist: „Ins Café können auch Mütter mit ihren Kindern kommen und wer kein Geld hat, kann sich auch mit einem Glas Leitungswasser an den Tisch setzen und sich unterhalten oder die Spiele ausprobieren.“
Aktive Bürger
Einen Verein für alle, das wünscht sich Friedrich. Hinderlich aus seiner Sicht ist dabei lediglich der Name: „’Senioren’ ist mittlerweile ein eher negativ behafteter Begriff. Eigentlich wäre ‚Aktive Bürger’ viel passender“, sagt Friedrich. Doch auch seine Vorgängerin habe diesen Namensvorschlag nicht umsetzen können. Deshalb soll der Verein auch durch öffentliche Feste bekannter werden und so mehr Menschen einbinden. Am 1. Mai wird es zum ersten Mal einen Maientanz im Enzpavillon geben. „Wir haben uns umgehorcht. Ein Tanz in den Mai war vielen zu spät. Jetzt gibt es eine Tanzveranstaltung von 15 bis 20 Uhr, die offen ist für jeden. Wir haben ein Musiktrio engagiert“, erzählt Friedrich.
Er selbst nutzt das Angebot des Vereins auch und geht regelmäßig in das Gedächtnistraining. Wie lange er den Vorsitz übernehmen möchte, das werde man dann sehen. „Ich bin 75, eigentlich muss ich jetzt schon den Nachfolger suchen“, sagt er und lacht. Doch auch dank des Vereins sei er ja aktiv und fit.