Bietigheim-Bissingen
: Als der Zuckerhase noch 1,20 Mark pro Pfund kostete

Auch vor 100 Jahren drehte sich an Ostern alles um Hasen, Eier und Geschenke. Vielerorts wurde am Ostermontag Tanzmusik angeboten.
Von
Uwe Mollenkopf
Bietigheim-Bissingen
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Werbeanzeige für Süßes vor Ostern 1925 im Enz- und Metterboten.

/BZ-Archiv

Osterangebote, Ostergrüße, Osterhasen und natürlich Ostereier – die Werbung war auch vor 100 Jahren schon gut auf Ostern eingestellt. 1925 fiel der Ostersonntag auf den 12. April – und ab Ende März wurde Ostern zu einem dominierenden Thema in den Anzeigen des Enz- und Metterboten, der Vorgängerzeitung der Bietigheimer Zeitung. Ein Rückblick.

„Osterhasen und Oster-Eier. Grosse Auswahl! Billigste Preise“ – so lockte eine Zeitungsanzeige der Filiale der Gustav Lichdi AG in Bietigheim vor dem Osterfest. Lichdi verlangte für seine Hasen eine Mark pro Pfund. Aber auch Chr. König in der Hauptstraße warb mit den „besten und billigsten“ Osterhasen.

Hasen in rot und gelb

Bei Karl Schuppert in Bietigheim waren die Zuckerhasen für 1,20 Mark das Pfund zu haben. Für den gleichen Preis gab es Zuckerhasen, rot und gelb, bei Martha Röser in der Mühlstraße 5. Laut einer Tabelle der Deutschen Bundesbank entspricht eine Reichsmark von 1925 der Kaufkraft von 4,60 Euro des Jahres 2024. Damit hätte das Pfund Zuckerhasen nach heutiger Währung damals 5,52 Euro gekostet – eine Summe, für die man heutzutage wohl nur noch einen Mini-Hasen bekommt. Röser hatte darüber hinaus auch Rahmkaramellhasen, Krokant-Eier sowie Schokoladehasen und -eier im Angebot, ebenso gab es bei Schuppert neben den Zuckerhasen noch Schokoladehasen und -eier.

Osterhasen und -eier waren also damals schon beliebt, wobei die aus Rübenzucker hergestellten Zuckerhasen offenbar noch begehrter waren als ihre Kollegen aus Schokolade. Jedenfalls werden sie in den Anzeigen zuerst genannt. Mit Humor versuchte es Paul Schildbach in der Bahnhofstraße 68 in Bietigheim in seiner Anzeige: „Osterhasen aus Zucker und Schokolade habe ich nicht, dagegen vorzügliche Delikatess-Wurstwaren“, hieß es darin.

Die Werbung bezog sich darüber hinaus auch aufs Backen für die Festtage. So wurde die Feinkostmargarine „Schwan im Blauband“ beworben, weil damit der Osterkuchen besonders gut gelinge. Preis: 50 Pfennig das halbe Pfund. Backartikel für Ostern wie Weißmehl, Sand- und Staubzucker sowie Eierfarben hatte Carl Schneider aus Bietigheim im Sortiment.

Dass 1925 ein Jahr war, in dem sich in der Weimarer Republik nach den vorangegangenen Krisen die Wirtschaft wieder erholte und sich die Menschen auch wieder mehr leisten konnten, spiegelt sich auch in den Anzeigen wider. So warb in Bietigheim Leopold Irion mit Ostergeschenken „für die lieben Kleinen“ und empfahl Sandschäufelchen, Eimer oder Gießkännchen.

Ostergeschenke für die Erwachsenen gab es im Geschäft von Albert Grimm (ebenfalls in Bietigheim), der unter anderem Damen- und Herrenwäsche, Taschentücher, Socken und Schürzen anbot. Wer neue Schuhe kaufen wollte, war bei Christian Rösch in Bissingen richtig, der in seinem Schuhgeschäft „zum Osterfest“ Sportschuhe der Marke „Mara“ anpries.

Feldkocher für Osterwanderung

Die Osterzeit wurde zugleich für Freizeitaktivitäten genutzt. Das konnten Spaziergänge sein, auf die die Händler natürlich auch vorbereitet waren. Leopold Irion bot „zu Osterwanderungen“ unter anderem Feldkocher, Feldflaschen, Trinkbecher, Butterdosen oder Eierbehälter an.

Nach der Wanderung warteten Einkehrmöglichkeiten, zum Beispiel im Gasthauses Hirsch in Großingersheim. Mit „Oster-Gruß!“ war die Anzeige von Gustav Strohhäcker, dem dortigen Wirt, betitelt, der den Viertelliter Rotwein zum Preis von 30 Pfennigen offerierte. Alkoholisches anderer Art gab es in der Liederhalle in Bissingen, in der L. Müller über die Feiertage ein „prima Doppel-Märzenbock“ und „Wulles Friedrichsbräu“, das letztere mit dem Zusatz „übertrifft Pilsener“, ausschenkte. In Großsachsenheim sah man das mit dem Bier wohl anders, hier wurde vom Gastwirt Schüle am Bahnhof „prima, echtes Pilsner Bier“ über die Feiertage angeboten.

Platzkonzert auf dem Marktplatz

Auch an kulturellen Veranstaltungen über die Osterzeit fehlte es damals nicht. Am Karfreitagabend veranstaltete der Sängerkranz Bietigheim ein Konzert in der Stadtkirche, das auch noch einen guten Zweck hatte: Der Reinertrag – der Eintritt kostete 1,20 Mark – war zur Unterstützung der „Ortsarmen“ gedacht. Der Enz- und Metterbote vermeldete hinterher eine „äußerst zahlreiche Zuhörerschaft“. Am Ostersonntag gab die Stadtkapelle auf dem Marktplatz ein – ebenfalls gut besuchtes – Platzkonzert und am Ostermontag im Postsaal ein Frühjahrskonzert.

Forst als Ausflugsziel

Vielerorts durfte am Ostermontag getanzt werden: Zum Beispiel gab es in Bissingen ab 15 Uhr Tanzmusik in der Turnhalle, in Metterzimmern wurde „große Tanzmusik“ im Schwanen geboten, und in Großingersheim lud Karl Betzner zur Tanz-Unterhaltung in die Gaststätte Rose ein. Bereits am Ostersonntag unternahm die Sportvereinigung Bissingen einen Ausflug nach Markgröningen, wo es ebenfalls Musik gab und ein Freundschaftsspiel stattfand.

Das Wetter über die Feiertage spielte 1925 weitgehend mit: Vormittags regnete es am Ostersonntag noch, nachmittags wurde es besser, und am Ostermontag genossen Alt und Jung „die herrliche Frühlingsluft“, so der Enz- und Metterbote. Laut der Zeitung war besonders der Bietigheimer Forst das Ziel vieler Spaziergänger. „Auch auswärtige Vereine und Einzelpersonen genossen in großer Zahl bei ihrem Ausfluge die stärkende Luft dieses Waldes und den interessanten Fernblick vom Fürstenstand aus“, hieß es dazu. Für junge Wanderer als angenehm habe sich die in der Turnhalle eingerichtete Jugendherberge erwiesen, die ausgiebig in Anspruch genommen wurde.