Saisonstart in der Fußball-Bezirksliga: Zwischen Umbruch und Kontinuität

Der höherklassig erfahrene Marcus Wenninger trainiert nun den Bezirksliga-Aufsteiger GSV Pleidelsheim. Das Team ist nahezu unverändert.
Imago/Pressefoto Rudel/Robin RudelAm Wochenende startet die Bezirksliga Enz/Murr in die neue Saison. Während es für Aufsteiger GSV Pleidelsheim und den FV Löchgau II vor allen Dingen um den Klassenerhalt geht, wird dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen II allgemein zugetraut, erneut ein Wort im Kampf um den Aufstieg mitzureden. Allerdings gab es im Sommer einen kleinen Umbruch im Team der Blau-Weißen.
GSV Pleidelsheim Sechs Jahre nach dem Abstieg in die Kreisliga A schaffte der GSV im Sommer endlich den Aufstieg in die Bezirksliga. Die Rückkehr in die Spielklasse, der sie vor dem Abstieg 2016 fast 40 Jahre lang angehörten, gelang den Pleidelsheimern eindrucksvoll: Mit 84 Punkten aus 32 Spielen und einem Torverhältnis von 144:25 sicherte sich der GSV die Meisterschaft in der Kreisliga A1. Mit Patrick Sirch, der 45 Treffer erzielte, stellten die Schwarz-Gelben zudem den Torschützenkönig der Liga.
Die Mannschaft ist weitgehend zusammengeblieben. Die Vorbereitung auf die neue Saison verlief vielversprechend. In den fünf Testspielen gegen zum Teil höherklassige Mannschaften zeigten die Pleidelsheimer durchweg gute Leistungen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Allerdings sind die Ergebnisse aus Testspielen ja Schall und Rauch. Wo wir im Vergleich zu den anderen Bezirksligisten stehen, wird sich erst noch zeigen“, sagt der neue Trainer Marcus Wenninger. „Wir sind aber auf einem guten Weg, der jedoch noch lange nicht zu Ende ist.“
Was das Saisonziel betrifft, ist Wenninger, der in der Vergangenheit bereits die Oberligisten SGV Freiberg und FC Nöttingen trainierte, realistisch: „Für uns zählt nur der Klassenerhalt, zumal ja im Extremfall die halbe Liga absteigen kann. Ich bin aber optimistisch, dass wir die Liga halten, wenn wir das auf den Platz bringen, was wir in der Vorbereitung gezeigt haben.“
Zum Saisonauftakt hat der GSV am Sonntag (15 Uhr) gegen den AKV Ludwigsburg Heimrecht. Da zu Beginn einer Saison schwer einzuschätzen ist, wie gut die Mannschaften in die Saison starten, wollen die Pleidelsheimer das Auftaktmatch unabhängig vom Gegner angehen und ihr Spiel machen. Anders als andere Mannschaften muss der GSV nur auf wenige urlaubende Spieler verzichten. „Wir freuen uns auf den Auftakt“, sagt Wenninger.
FSV 08 Bietigheim-Bissingen II Ihre bislang wohl beste Saison spielte die U23 der Nullachter in der abgelaufenen Spielzeit. Die Mannschaft des damaligen Trainers Adam Adamos gewann nicht nur den Bezirkspokal, sondern lieferte sich mit Stadtrivale NK Croatia Bietigheim ein spannendes Fernduell um den Aufstieg in die Landesliga. Am Ende reichte es nur für Platz zwei, der aber immerhin zur Teilnahme an der Relegation berechtigte. Hier scheiterten die Blau-Weißen jedoch im entscheidenden Zweitrundenmatch in der Verlängerung an Aramäer Heilbronn.
Das Gesicht der Mannschaft hat sich im Sommer deutlich verändert, was bei einer U23 nicht unüblich ist, da manchem Spieler eine Chance in der ersten Mannschaft geboten wird und Kicker aus der A-Jugend nachrücken. Zudem wurden mehrere Talente von anderen Vereinen verpflichtet.
Eine Veränderung gab es auch auf dem Trainerposten. Erfolgscoach Adam Adamos wechselte zur neuen Saison zum zypriotischen Meister Apollon Limassol, wo er als Co-Trainer von Alexander Zorniger engagiert wurde. Mittlerweile trennte sich der Verein nach der verpassten Champions-League-Qualifikation jedoch vom Trainerteam und damit auch von Adamos.
Neuer Trainer beim 08-Nachwuchs ist Tobias Büttner. Eine wirklich intensive Vorbereitung auf die neue Saison war für die Nullachter praktisch nicht möglich, da viele Akteure krankheits- oder urlaubsbedingt fehlten. Bereits im WFV-Pokal-Duell gegen Landesligist SV Kaisersbach, das unglücklich im Elfmeterschießen verloren wurde, standen mehrere aktuelle A-Junioren im Kader. Fast alle geplanten Testspiele mussten abgesagt werden. „Die Vorbereitung war eine Katastrophe, jetzt haben wir die Talsohle aber durchschritten“, so Büttner.
Beim Vizemeister gibt man sich zurückhaltend, wenn die Sprache auf das Saisonziel fällt. „Die Bezirksliga ist in dieser Saison schwer einzuschätzen mit den Absteigern aus der Landesliga und einem Aufsteiger FC Marbach, der sich sehr gut verstärkt hat. Wenn es gut läuft, kann meine Mannschaft eine Rolle im Kampf um den Aufstieg spielen. Das Potenzial ist da. Zunächst müssen wir aber erst gut in die Saison reinkommen. Dann schauen wir, was möglich ist“, so Büttner. Am Sonntag (15 Uhr) empfangen die Bissinger den Aufsteiger Spvgg Warmbronn. „Die Aufstiegseuphorie ist bei Warmbronn sicher noch da. Wir sind aber in der Favoritenrolle, die wir auch annehmen. Wir wollen Vollgas geben“, verspricht der 08-Coach.
FV Löchgau II Lange spielten die Löchgauer in der vergangenen Runde gegen den Abstieg. Mit Platz elf reichte es am Ende aber zum Klassenerhalt. Auch diesmal zählt für den FVL nur der Verbleib in der Bezirksliga. „Wir wollen uns im Vergleich zur Vorsaison verbessern“, gibt Fabrizio D’Amario das Saisonziel vor. Für den neuen Trainer, der die Nachfolge von Marco Grausam (zum Landesligisten SV Deckenpfronn) antritt, ist das Engagement bei den Löchgauern eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, spielte er doch von Jugend auf im Dress des FVL und war später Jugendtrainer im Verein.
Die enge Verzahnung nicht nur zwischen den aktiven Mannschaften, sondern auch mit der Jugend sind seit Langem ein Markenzeichen des Vereins. Aufgrund des weitgehend ausgeglichenen Teilnehmerfeldes der Bezirksliga und des verschärften Abstiegs könnte es lange dauern, ehe der Klassenerhalt geschafft ist. „Einigen Spielern der jungen Truppe fehlt noch die Erfahrung, aber das Potenzial ist da, und es gibt eine Gruppe erfahrener Akteure, die die Mannschaft führt“, sagt D’Amario.
Letztlich werde viel davon abhängen, wie schnell das junge Team an Erfahrung gewinnt und mit Rückschlägen umgeht. „Diese Mannschaft kann jeden schlagen, aber auch gegen jeden verlieren“, betont der Trainer.
Zum Saisonauftakt am Sonntag (15 Uhr) steht für den FVL ein Duell bei Drita Kosova Kornwestheim an. „Drita ist eine technisch sehr starke Mannschaft. Allerdings ist sie auch eine Wundertüte – gerade zu Saisonbeginn, wo möglicherweise noch viele im Urlaub sind.“