Besigheim: Kommunikation total

Sieben Frauen der Besigheimer Theaterbühne zeigen viele mögliche Facetten der Kommunikation, die auch mal schief gehen.
/Martin KalbMeine Tante hat mir ein Chalet vererbt.“ „Und, wo wohnt sie jetzt?“, ist nur einer der zahlreichen skurrilen Dialoge, die im Gewölbekeller des Besigheimer Steinhauses in „Kommunikation total“ zum Besten gegeben werden – ein Theaterstück von Thorsten Böhner, das bereits bei der Hauptprobe grenzenloses Vergnügen verspricht.
Sieben Frauen der Besigheimer Theaterbühne haben das Stück eingeübt und zeigen „viele mögliche Facetten der Kommunikation, die auch mal schief gehen“, wie Regisseur Silas Körner verkündet. Denn „Kommunikation total“ ist kein klassisches Theaterstück mit durchgehender Handlung, sondern setzt sich aus verschiedenen komödiantischen Sketchen zusammen.
„Ich bin jetzt lesbisch, das war ich schon mal mit 20“, erklärt eine junge Mutter ihrer Freundin, mit der sie im Laufe des Abends schwatzend durch die Jahrzehnte wandert, ohne wahrzunehmen, wie das Leben an ihr vorbeiläuft.
Doch auch die coolen Typen Kai (Hannah Neuner) und Oli (Nelly Schwarz) werden in ihrer Einsilbigkeit zum Thema: „Wie gehts?“ „Und selbst?“ „Auch“. Sie wirken echt, überzeugend, aus dem Leben gegriffen.
Individuelle Charaktere
Alle Akteure sind in einheitliches schlichtes Schwarz gekleidet. Erst ihre zusätzliche Kleidung, ihre jeweiligen Accessoires und ihr Verhalten lassen die einzelnen Persönlichkeiten, ihre individuellen Charaktere entstehen.
Letztlich sieht sich der Zuschauer selbst in Situationen wieder, die er kennt: Das Wartezimmer beim Arzt; das Anstarren der Handys, die gelangweilten Blicke der einen, der Wunsch zu reden der anderen. Die Menschen am Bahnsteig; gestresst, aufdringlich, übergriffig oder desinteressiert. Tierfreunde finden sich in einer Tierarztpraxis wieder, in der die Katze neben dem Hund und der Fisch neben der Maus im Wartezimmer ausharren, während sich die Tierhalter austauschen: „Liegt die Scholle auf dem Teller, war der Angler wieder schneller“, erklärt die Katzenfreundin (Claudia Scheday) der Frau mit dem kranken Fisch. Drehen sich die Gespräche zunächst um die Patienten, ist bald nicht mehr klar ersichtlich, ob es sich dabei um Tiere oder Kinder handelt. Die Situation eskaliert, die Besitzerin (Levke Bürger) des Labradoodle tobt, die Maus muss reanimiert werden und der Tierarzt ist tot.
Oft mit Doppeldeutigkeit
Situationen erhalten bei genauerer Betrachtung oftmals eine Doppeldeutigkeit, wie die Therapiestunde der handysüchtigen Patienten zeigt. „Sie riechen nach Handy“, beklagt sich der Chef bei seiner suchtkranken Mitarbeiterin (Pauline Peckhart). Apps werden auf dem Schwarzmarkt verhökert und auf Partys illegal „reingezogen“. Jürgen (Julia Joos) fährt ein imaginäres Auto und fürchtet den dubiosen Tramper, den sie mitgenommen hat, während Helen Pirgel für die entsprechenden Hintergrundgeräusche sorgt. Die Fahrt zum „Bermuda-Dreieck für Autos“ wird zur „Highway to hell“.
Es sind witzige Szenen, das Lachen ist garantiert. Und dennoch gibt es häufig einen ernsthaften Kontext. Das Baby der suchtkranken Mutter, die krebskranke Frau, die beim Speeddating verzweifelt, der Tod der Urenkel. Es ist eine schräge Handlung und doch realistisch. Nicht zuletzt deshalb, weil die einzelnen Rollen absolut überzeugend gespielt werden. In dieser Episodenkomödie gibt es nichts Fremdes, Ungewohntes. Sie ist eine Karikatur, ein ironisches Widerspiegeln unserer Gesellschaft. „Wenn man möchte, kann man durchaus tiefergehende Hintergründe entdecken – aber man kann sich auch einfach nur amüsieren“, so Kröger. Beim Einüben des Stückes hatten sich manche Dinge von selbst entwickelt. „Gerade in der Tierarztpraxis hatten wir jede Menge Freiraum, den wir entsprechend genutzt haben“, schmunzelt der Regisseur vielversprechend. Von Vorteil sei es dabei gewesen, dass alle Mitglieder des Ensembles selbst schon einmal Regie geführt hatten und wussten, worauf es ankommt.