Besigheim: 1913 erste Planungen, 1951 Bau der heutigen Neckarbrücke

Jochen Bode, Fachbereichsleiter Wasserstraße, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alten Pläne und Fotos im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Stuttgart im Bülow-Tower zu archivieren.
/Gabriele SzczegulskiEine Brücke zu planen und letztendlich zu bauen dauert immer eine lange Zeit und bis zuletzt werden Veränderungen und Anpassungen notwendig“, sagt Jochen Bode, der Fachbereichsleiter Wasserstraße beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSV). Und erst recht, wenn ein Fluss eine andere Laufbahn bekommen soll, wie es in Besigheim vor dem Bau der jetzigen Neckarbrücke 1951 der Fall war. Gerade in den 1950er-Jahren sollte der Neckar zur Wasserschifffahrtsstraße ausgebaut werden, eine Schleuse nach der anderen wurde gebaut – in Besigheim, aber auch in Hessigheim. Die Mundelsheimer Neckarschleife entstand. Die Strecke von Gemmrigheim bis Marbach wurde am 24. Mai 1954 feierlich mit einem Schiffskorso eröffnet.
Aber schon Ende des 19. Jahrhunderts, so Bode, gab es Pläne, den Neckar bei Besigheim umzuleiten und eine neue Brücke, eine Staustufe und ein Wehr zu bauen, um ihn schiffbar zu machen. Erste nachweisliche Pläne zur Verlegung des Neckars stammen aus dem Jahr 1913. Zwei Weltkriege verhinderten das Vorhaben, das aber immer wieder neu geplant wurde, auch während des Dritten Reichs. „Es gibt für keinen anderen Neckarabschnitt und für keine andere Staustufe so viele Pläne wie für den Besigheimer Teil, wir haben im Schifffahrtsamt unzählige davon“, sagt Bode. Der Leiter des Fachbereichs Wasserstraße ist nicht nur für heutige Bauwerke auf dem Neckar zuständig, sondern hat auch ein Faible für die Historie der Wasserstraße Neckar.
Im Sitz der WSV in Stuttgart, im Bülowturm, finden sich unzählige Fotos, Pläne und auch äußerst detaillierte Dokumentationen des Baus in mehreren, mit Schreibmaschine getippten Bänden des damaligen Stuttgarter Regierungsbaudirektors Otto Welt. Er schrieb damit eine Baugeschichte der derzeitigen Neckarbrücke und ihrer Teile.
Mit dem jetzigen Neubau der Neckarbrücke sei der damalige Bau nicht zu vergleichen, alleine von den technischen Möglichkeiten, so Bode. „Es ist dringend notwendig, die Besigheimer Neckarbrücke neu zu bauen, denn alle ihre Reserven sind aufgebraucht, da darf jetzt nichts mehr passieren“, verweist Bode auf die vor Kurzem erfolgte Öffnung der Neckarbrücke trotz massiver Schäden. Ab 2031 ist der Neubau vorerst geplant – „wir hoffen, dass es schneller geht“. 1951 allerdings handelte es sich um einen kompletten Neubau auf einer neu zu bildenden Flussstrecke.
Der Bau der Brücke, des Wehrs und der Staustufe Besigheim war in den 1950ern eine Folge der Umlegung des Laufs des Neckars, weil die Wasserstraße, die immer wichtiger für den Transport von Gütern wurde, zu eng und zu kurvig war. Die vor der eigentlichen Brücke liegende Staustufe und das Wehr unterhalb der Brücke mit den Pfeilern sowie das Kraftwerk werden auch bei einem Neubau der Brücke erhalten, so Bode.
Der Neckar war schon immer eine der wichtigsten Wasserstraßen, aber mit Beginn der Industrialisierung wurde er als Transportweg unersetzlich. In Besigheim machte er eine enge Schlaufe in seinem natürliche Lauf, weiß Bode, und eine Verlängerung führte unterhalb der Altstadt zur alten Besigheimer-Bremer Farbenfabrik, dort wurde er gestaut.
Die damalige Brücke über den Neckar lag ein ganzes Stück weiter am oberen Flusslauf, sie wurde 1926 gebaut und ersetzte eine Holzbrücke (die BZ berichtete). Die alte Schlaufe des Neckars wurde zugeschüttet, einige Jahre blieb noch der Arm zur Farbenfabrik, Neckarle genannt, bis auch dieser zugeschüttet wurde. Heute befindet sich auf dem damals Wert genannten Gebiet unterhalb der Altstadt das innerstädtische Industriegebiet. Für den Bau von Staustufen, um den Neckar zur Großschifffahrtsstraße von Mannheim bis Plochingen auszubauen und Laufwasserkraftwerke zu bauen und zu betreiben, wurde schon 1921 die Neckar AG gegründet. Heute betreibt sie 26 Wasserkraftwerke am Neckar, eines in Besigheim.
Mammutbauwerk von 1951 bis 1954
Schon 1892 taten sich die sogenannten Uferstaaten Württemberg, Baden, Hessen und die Stadt Stuttgart zusammen, um den Neckar schiffbar zu machen. 1913 wurden dann die ersten Pläne für eine breitere Wasserstraße in Besigheim gemacht. Später wurde die Notwendigkeit eines Wehrs, das Besigheim vor Hochwasser bewahrte, immer wichtiger. Es gab bis 1954, als das Wehr in Betrieb genommen wurde, einige schwere Hochwasser, die die Altstadt fluteten. Die Brücke war als Wehrstraßenbrücke ausgezeichnet – dass sie einmal für den Autoverkehr eine so wichtige Rolle spielt, sodass es fast zu einem Verkehrskollaps kommt, wenn sie, wie kürzlich, voll gesperrt ist, daran dachte damals niemand.
Der Bau der Staustufe, des Wehrs und der Brücke war ein Mammutbauwerk und fast ein Bau für die Ewigkeit. Vor Kurzem erst wurde die linke Kammer der Schleuse vom Wasserstraßenneubauamt modernisiert. Die Antriebe und die Elektrotechnik stammen noch aus der Erbauungszeit.