Autorennen Ludwigsburg: Bei den schmerzhaften Details wird es ganz still im Saal

Am 20. März dieses Jahres starben zwei unschuldige Frauen bei einem Autounfall in Ludwigsburg.
KS-Images.de/Andreas RometschErst wurde es ganz still im Gerichtssaal, als das Video über die beiden Bildschirme des Gerichtssaals flimmerte. Die Ex-Freundin eines Angeklagten hat vom Beifahrersitz aus die rasend schnelle Fahrt durch eine Unterführung am Bahnhof in Ludwigsburg am Abend des 20. März dieses Jahres aufgenommen, kurz bevor das Unglück geschah. Die Hinterbliebenen schauten nicht weg, doch dann kam Unruhe auf. „Für sie ist es Teil des Verarbeitungsprozesses, sie werden alle 20 Verhandlungstage dabei sein“, erklärte Anwalt Faith Zingal, der eine Gruppe der Nebenkläger vertritt, „und sie wollen verstehen, was genau passiert ist.“
Verabredung zum Beschleunigungsrennen
Die Staatsanwaltschaft wirft drei angeklagten türkischen Staatsbürgern im Alter von 32, 35 und 25 Jahren zweifachen Mord und versuchten Mord vor, weil sie bei ihrem Autorennen zwei 22 und 23 Jahre alte Frauen töteten. Die beiden Brüder und ihr junger Cousin verabredeten sich demnach zu einem „Beschleunigungsrennen“ und rasten mit bis zu 150 Stundenkilometern in ihren hochmotorisierten Mercedes mehrmals durch 50er-Zonen in Ludwigsburg. Schließlich prallte ein Mercedes auf den Kleinwagen der Frauen, die gerade eine Tankstelle verließen.
Zuvor schon war die Atmosphäre zunehmend angespannt, als die Zeugin und Urheberin des Videos von dem Abend berichtete. Mehr als drei Stunden lang befragten sie allein die Mitglieder der Kammer und zeigten sich wenig erfreut, dass die 27-Jährige einerseits konkret und detailgenau berichtete, an entscheidenden Punkten im Ablauf jedoch Erinnerungslücken für sich reklamierte. Ein Raunen und einzelne Bemerkungen machten die Runde, als sie, sichtlich bemüht, ihren Ex-Freund und Mitangeklagten so wenig wie möglich zu belasten, davon berichtete, wie man sich unmittelbar nach dem Zusammenprall um den Wagen des Unfallfahrers herum sammelte, ihn herauszog, und dann zusammen rauchte. Den Tod der beiden Frauen erwähnte sie mit keinem Wort.
„Der hat meine Freundin umgebracht“
Als dieser Angeklagte während der Vernehmung der Zeugin plötzlich eine Hand aufs Herz legte und etwas in Richtung eines jungen Mannes im Zuschauerraum murmelte, rief dieser empört und verzweifelt aus: „Der soll mich nicht anschauen und mit mir reden, der hat meine Freundin umgebracht.“ Ruhig ermahnte ihn der Vorsitzende Richter, Norbert Winkelmann, in einem persönlichen Gespräch, sich nicht provozieren zu lassen.
Mit etlichen herbeigeeilten Verwandten der drei Unglücksfahrer begab man sich auf Anweisung eines Seelsorgers am Unfallort zur Moschee, berichtete die Zeugin weiter. Dort zeigten Überwachungsbilder, dass der Cousin, dem die Staatsanwaltschaft auch Fahrerflucht vorwirft, andere Kleidung trägt. Eine Angehörige der Opfer starrte auf die Bilder mit den Verwandten der Täter, sah die Uhrzeit und sagte kaum hörbar: „Die waren schon in der Moschee, da haben wir es noch nicht einmal gewusst.“