Asperg
: Hohenasperg: Neue Ideen und alte Grabplatten

Der Förderverein plant Geschichtsvermittlung mittels QR-Codes. Noch wartet man aber auf die Freigabe. Währenddessen gibt es Funde aus den Kasematten.
Von
Uwe Mollenkopf
Ludwigsburg
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Dr. Harald Drös vor einer der entdeckten Grabplatten. Diejenige von 1543 enthält ein Wappen.

/Uwe Mollenkopf

Wir kämpfen seit 28 Jahren“, sagt Friedrich Müller, der Vorsitzende des Fördervereins Hohenasperg. Und zwar mit den verschiedenen Behörden, die auf der einstigen Festung, die jetzt ein Justizvollzugskrankenhaus beherbergt, bei Veränderungen mitreden. Bemühungen des Fördervereins, den Hohenasperg für die Besucher attraktiver zu gestalten und touristisch zu erschließen, würden durch Sicherheitsbelange behindert, ob durch das Amt für Vermögen und Bau oder das Justizministerium. So hängt auch das jüngste Projekt des Vereins, das am Mittwoch vor Ort der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, noch in der Warteschleife.

Idee: Zwölf bis 14 Infosäulen

Die Idee besteht in einem virtuellen Informationssystem, durch das die Besucher mittels QR-Code Kurzfilme zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten abrufen können. An den Wochenenden gebe es ein Angebot an öffentlichen Führungen und Kostümführungen (siehe Infokasten), sagt Müller. Das reiche aber nicht aus, um auch die Vielzahl an Besuchern unter der Woche spannend und unterhaltsam zu informieren. Das Konzept des Vereins besteht in zwölf bis 14 Infosäulen, die einheitlich farblich gekennzeichnet sind. Diese sollen unter anderem am Löwentor, an der Kanone, am Arsenalbau oder am äußeren Torturm aufgestellt werden.

Das Konzept sei beim zuständigen Amt für Vermögen und Bau längst eingereicht worden, sagt Müller, seit einem Jahr warte man nun auf die Zusage, die Infosäulen installieren zu dürfen. Es habe Anmerkungen des Amts wegen der beabsichtigten grünen Farbe gegeben, und Nachfragen seitens des Vereins. Doch die erhoffte Freigabe blieb bisher aus. Vor Kurzem habe man nun erfahren, dass die zuständige Mitarbeiterin in Mutterschutz sei.

Die Kosten beziffert der Vereinsvorsitzende auf 30.000 Euro. Das sei noch nicht durchfinanziert, man habe aber vor, mit drei bis fünf Infosäulen zu starten – wenn es denn grünes Licht gibt.

Auch im Sinne der Stadt

Warten hat auf dem „Demokratenbuckel“, wie der Berg auch genannt wird, aber Tradition. Die Gedenkstätte „Hohenasperg, ein deutsches Gefängnis“ habe zehn Jahre auf ihre Realisierung warten müssen, das Brückle über den Wallgraben und die öffentliche Toilette hätten erst nach über 20 Jahren intensiver Bemühungen durch den Förderverein realisiert werden können, so Müller. Auch das Infocenter habe erst nach großen Widerständen 2012 eingeweiht werden können.

Unterstützt wird der Förderverein von der Stadt. Dieser kämpfe „auch in unserem Sinne“ um jeden Zentimeter, der dazu dienen könne, den Hohenasperg wieder erlebbarer zu machen, sagt Bürgermeister Christian Eiberger. Er lobte den Verein für seine „neuen und guten Ideen“. Auch die Stadt selbst sei in ein Projekt involviert, um den Keltenradweg, der auf dem Hohenasperg beginnt und bis Ditzingen geht, zum Keltenweg aufzuwerten. Mehr will Eiberger dazu aber noch nicht verraten, Details würden noch vor der Sommerpause bekannt gegeben.

Dass der seit der Keltenzeit besiedelte Berg auch immer noch gut für neue Funde ist, zeigt der Fall von zwei Grabplatten aus dem 16. Jahrhundert, die im vergangenen Jahr entdeckt wurden. Sie sind in den unterirdischen Gewölben, den Kasematten, in die Wand eingebaut, teilweise auch beschnitten, in einer dunklen Ecke, der man zuvor nicht viel Beachtung schenkte – bis der Heimatforscher und Führer Herbert Paul die Sache ins Rollen brachte. Nachdem er mit einer Gruppe einige „Schnellschüsse“ darüber angestellt hatte, was wohl die Schrift auf den Platten bedeute, schaltete er Dr. Harald Drös von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Forschungsstelle Deutsche Inschriften, ein. Dieser ist ausgewiesener Experte für die Inschriften im Land, sein Institut erforscht und dokumentiert diese landesweit. Mit dem Landkreis Ludwigsburg sei man schon seit 1986 durch gewesen, so Drös, für Asperg stammten die ältesten Inschriften aus dem Jahr 1591. Das gilt nun nicht mehr: Auf den beiden Grabplatten steht als Sterbedatum der Toten Oktober 1535 beziehungsweise 23. Mai 1543.

Älteste Asperger Inschriften

Wie Drös entziffert hat, wurde die ältere der beiden Platten für den „Keller“ – damals die Bezeichnung für einen fürstlichen Verwaltungsbeamten – Konrad Dolmetsch – angefertigt. Er stammte aus Markgröningen und nahm 1522 am Landtag in Stuttgart teil. Für wen die Grabplatte von 1543 war, die ein Wappen mit Pflugschar und vermutlich Messer enthält, ist nicht mehr leserlich. Herbert Paul vermutet, dass beides „Keller“ waren.

Wie die Grabplatten in die Kasematten kamen, die angelegt wurden, als nach 1534 der ganze Berg, auf dem sich zuvor die Stadt Asperg befand, zur Festung umgebaut wurde, ist unklar. Fest steht aber, dass sie dort bleiben werden, wo sie sind, denn laut Drös sind sie nicht so attraktiv, dass man sie in ein Museum bringen müsse. Klappt es irgendwann mit dem virtuellen Informationssystem, könnte man dann per QR-Code Infos über sie erhalten.

Mit Hauptmann Beyhl durch die Festungsanlage

Mit seiner Lage und seiner Geschichte gibt es auf dem Hohenasperg viel zu entdecken. Dazu bietet die Stadt Asperg öffentliche Führungen an, die in Kürze wieder beginnen. Auftakt ist am 30. April mit einer Führung über den früheren Gefangenenfriedhof.

In der Uniform des Offiziers der Torwache Friedrich Wilhelm Beyhl führt Marius Hubel ab dem 4. Mai Besucher durch die Kasematten entlang des Festungswalls und in den Schubartturms. Seine Themen sind das Gefängnis und die Garnison, die Geschichte von Freiheitskämpfern und in Ungnade gefallene Günstlinge der Herzöge. Die Führung wird vom Förderverein angeboten. Mehr Informationen zu allen Führungen in Asperg gibt es auf der Internetseite der Stadt: www.asperg.de.

Vom 1. bis 4. Mai veranstaltet die Schubart-Stube erstmals die Hohenasperger Maitage. Es gibt unter anderem Live-Musik mit „Dicke Fische“ (1. Mai ab 15 Uhr), Frühschoppen, Spezialitäten vom Grill und am 4. Mai Kinder- und Familienführungen.