450-Megahertz-Netz in Baden-Württemberg
: Neues Funknetz für den Notfall

Das bundesweite 450-Megahertz-Netz bekommt auch im Kreis Ludwigsburg zwei Standorte. Es soll zum Beispiel bei Stromausfällen für eine sichere Kommunikation und Reorganisation sorgen.
Von
Mathias Schmid
Ludwigsburg
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Das Equipment für das 450MHz-Funknetz wird beispielsweise auf vorhandenen oder neuen Funkmasten platziert.⇥

Netze BW

Ein neues Funknetz – das hört sich erst mal nach keiner besonders attraktiven Zukunftstechnologie an. Doch genau wegen der zunehmenden Digitalisierung – und nicht zuletzt wegen der Energiewende – sieht die Bundesnetzagentur die Notwendigkeit, ein neues bundesweites Funknetz aufzubauen. Dieses 450-Megahertz-(MHz)-Funknetz soll eine schnelle, unabhängige und sichere Kommunikation im Ernstfall ermöglichen, zum Beispiel bei einem Stromausfall. Standorte gibt es auch im Kreis Ludwigsburg.

Um kleinere und größere Ausfälle des Netzes künftig schnell beheben zu können, wird das neue 450-MHz-Funknetz aufgebaut. Die Betreiber kritischer Infrastrukturen und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben erhalten so verlässliche Datenwege für Daten- und Sprachanwendungen.

Den Auftrag für die bundesweite Versorgung hat „450connect“, ein Zusammenschluss von Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft, erhalten hat. Zu dem Konglomerat gehört auch Netze BW, das in Baden-Württemberg mit dem Aufbau beauftragt ist.

Schon nächsts Jahr verfügbar

In Baden-Württemberg soll das neue Netz in ersten Regionen bereits im kommenden Jahr zur Verfügung stehen, bis Ende 2023 dann fast im ganzen Land. Bundesweit ist die Inbetriebnahme bis Ende 2024 geplant. „Das Netz ist unglaublich wertvoll, wenn es mal steht“, sagt Dr. Pascal Kuhn, Leiter Strategie, Breitband- und Infrastruktur bei Netze BW. In Baden-Württemberg sollen es rund 170 Standorte geben. Im Schnitt liegen 15 Kilometer zwischen den einzelnen Standorten.

Zwei Standorte soll es im Kreis Ludwigsburg geben. Der eine ist in Hohenhaslach und wurde dort jüngst im Gemeinderat vorgestellt (siehe Infobox). Zum zweiten Standort will und kann Netze BW nichts sagen, auch „weil es sich um kritische Infrastruktur handelt“. Kritische Infrastrukturen, dazu gehören die Strom-, Gas- oder Wasserversorgung. „Infolge der Energiewende mit Millionen dezentral und unregelmäßig einspeisender erneuerbarer Energien und einer notwendigen Digitalisierung werden unsere kritischen Infrastrukturen deutlich komplexer und anfälliger“, schreibt die „450connect“-GmbH.

Beispielsweise führe schon ein relativ kurzer Stromausfall zu gravierenden Auswirkungen: Ein Großteil unserer Alltagsgeräte funktioniert nicht. Züge und Bahnen stehen still, Flugzeuge bleiben am Boden. Herkömmliche Telekommunikationsnetze fallen nach kurzer Zeit ebenfalls aus. Die Folgen: Die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln wird zur Herausforderung. Nach wenigen Tagen fallen die lebenserhaltenden Geräte in Krankenhäusern aus. Die Arbeit von Polizei und Feuerwehren ist massiv beeinträchtigt.

Das vom öffentlichen Mobilfunknetz unabhängige 450-MHz-Netz ist an allen Sendestandorten als auch im Kernnetz mit Notstromanlagen abgesichert und biete daher eine sehr hohe Systemverfügbarkeit. Im Vergleich zu öffentlichen Mobilfunknetzen reichen für das 450 MHz-Netz wenige Funkstandorte für eine flächendeckende Versorgung aus. Die eher niedrige Frequenz dringt zudem gut in Keller und Täler ein.

Das Netz nimmt einen relativ kleinen Bereich im niedrigen Frequenzspektrum ein. Im Vergleich werden nur wenige Daten übertragen. Zum Vergleich: Wlan liegt zwischen 2400 und 5000 MHz, der Mobilfunk zwischen 800 und 3600 MHz. Fernsehen zwischen 470 und 690 MHz und Radio bei 88-108 MHz.

www.450connect.de