Zecken: Wie häufig FSME und Borreliose im Zollernalbkreis vorkommen
Wenn die Frühlingssonne die winterblassen Menschen wieder nach draußen lockt, hockt da im hohen Gras, im nächsten Busch oder im Unterholz vielleicht auch ein Spinnentier, das ziemlich unbeliebt ist. Mit Beginn der warmen Jahreszeiten werden auch Zecken wieder aktiv. Beißen sie zu, ist das erstmal im Normalfall wenig schmerzhaft. Ein Zeckenbiss kann aber schlimme Folgen haben. Der Zollernalbkreis gehört weiterhin zum Hochrisikogebiet für die Übertragung von FSME-Viren, wie das Robert-Koch-Institut aktuell wieder bestätigt hat. FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis.
Eine Infektion fühlt sich in den meisten Fällen an wie eine Grippe mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindelgefühl. In vielen Fällen ist es damit auch getan und die Erkrankung heilt von selbst wieder aus. Allerdings kann sie manchmal auch zu einer gefährlichen Hirnhautentzündung führen.
Mai bis Oktober sind besonders risikoreiche Monate
Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen findet laut RKI übrigens in den Monaten Mai bis Oktober statt. Üblicherweise trete die höchste Fallzahl im Juni auf, dies bestätige sich auch für die im Jahr 2022 übermittelten FSME-Fälle. Im Oktober gab es einen für den Herbst typischen, weniger ausgeprägten zweiten Peak. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit insgesamt 546 FSME-Erkrankungen übermittelt. Dies entspricht einer Zunahme von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. 179 davon entfielen auf Baden-Württemberg.
Im Zollernalbkreis sind nicht sehr viele Fälle aufgetreten. Laut dem Gesundheitsamt des Kreises gab es 2020 insgesamt 25 Fälle, 2021 traten 16 Fälle der durch Zeckenbisse hervorgerufenen Hirnhautentzündung auf. 2022 waren es 18. Trotzdem empfehlen die Experten eine Impfung gegen das Virus, vor allem für diejenigen, die in einem Hochrisikogebiet leben und viel draußen sind. Im Bereich Neckar-Alb sind 20,5 Prozent der Menschen geimpft, in Baden-Württemberg sind es 18,2 Prozent.
Fast 400 Borreliose-Fälle
Doch nicht nur FSME ist gefährlich, auch die häufiger vorkommenden Borreliose-Bakterien können schlimme und langwierige Infektionen verursachen. „Im Vergleich zu ganz Baden-Württemberg sind die Zahlen im Zollernalbkreis überdurchschnittlich gestiegen“, sagt André Bücheler, Leiter des AOK-Kundencenters Balingen. Zum Vergleich: 2016 wurden 343 Borreliose-Infektionen registriert, 2020 waren es 418 Fälle, 2021 dann 398. Die Zahlen vom vergangenen Jahr liegen noch nicht vor. „Damit sind gegenüber 2020 die Fälle zwar wieder gesunken, dennoch bleibt die Zunahmen im Zollernalbkreis im Trend über dem Landesschnitt“, erklärt Bücheler. Der Unterschied könne daran liegen, dass das Vorkommen von Borrelien in Zecken kleinräumig sehr stark schwanke und bis zu 30 Prozent betragen könne. Das heißt, bis zu jede dritte Zecke könnte in bestimmten Gebieten Borreliose übertragen. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, aber Vorsichtsmaßnahmen.
Zecke schnell entfernen
„Um nicht an einer Borreliose zu erkranken, ist es entscheidend, die Zecke schnellstmöglich mit einer Zeckenpinzette oder -karte zu entfernen“, erklärt Bücheler. Denn die Borrelien befinden sich im Darm des Parasiten, weshalb die Zecke längere Zeit saugen muss, bevor die Bakterien übertragen werden. Nach mehr als zwölf Stunden steigt das Infektionsrisiko. „Entfernt man die Zecke frühzeitig, ist das Übertragungsrisiko dagegen sehr gering.“
Am häufigsten erkranken Zeckenopfer allerdings an der Wanderröte. Sie tritt einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich auf. „Die deutlich ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand“, sagt Bücheler. Der rote Ring wandere dann allmählich nach außen.
Allerdings trete dieses typische optische Erkennungsmerkmal nur bei etwa jedem zweiten Erkrankten auf. „Deshalb ist es wichtig, auch dann den Arzt aufzusuchen, wenn es innerhalb von etwa sechs Wochen nach dem Zeckenstich zu grippeähnlichen Beschwerden wie zum Beispiel Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Müdigkeit kommt“, so Bücheler. Die Erkrankung könne mit Antibiotika wirkungsvoll therapiert werden.
Eine AOK-Auswertung zeigt übrigens, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Das Infektionsrisiko steigt mit zunehmendem Alter und erreicht in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen ihren Höchststand.
AOK-Experte André Bücheler rät zu einem umsichtigen Verhalten: „Wer Zeckenbisse möglichst vermeiden möchte, sollte die richtige Kleidung wählen. Dazu gehören geschlossene Schuhe, hohe Strümpfe oder lange Hosen.“ Im Anschluss an einen Aufenthalt im Freien sollte man den ganzen Körper sorgfältig nach Zecken absuchen. Das gelte im Besonderen auch für Kinder, die im Freien gespielt haben. „Bevorzugte Stichstellen sind etwa der Haaransatz, hinter den Ohren, der Hals, die Achselhöhlen, Ellenbeuge, der Bauchnabel, Intimbereich oder die Kniekehlen.“


