Wiedereröffnung der Balinger Tafel: Ein neuer Geist erfüllt die Räume

Freuen sich über die Wiedereröffnung der Balinger Tafel: Bürgermeister Ermilio Verrengia, Lina Notter (3. Vorsitzende Domiziel), Peter Blechmann, Erwin Feucht und Nathalie Hahn (von links).
Andrea Maute- Die Balinger Tafel wurde feierlich wiedereröffnet – im Fokus steht ein neuer Gemeinschaftsgeist.
- Förderverein und Ehrenamtliche meisterten Krisen wie Corona und organisierten Notkisten.
- Trägerschaft wechselte zum 1. Januar 2025; später übernahm das Domiziel Sozialkaufhaus.
- Erwin Feucht ist seit dem 1. März 2026 Marktleiter, Technik und Software wurden erneuert.
- Trotz Motorschaden lief die Versorgung weiter. Der Bürgermeister sprach von einem „sicheren Hafen“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Veränderung beginnt im Herzen, sagt man. Und so waren es, wie Nathalie Hahn und Peter Blechmann in ihrer Rede anlässlich der Wiedereröffnung der Balinger Tafel vor Augen führten, nicht in erster Linie die neu gestalteten Räume, nicht die neue Farbe und die neue Technik, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen. Was es stattdessen war, war nicht sicht-, wohl aber spürbar: der „Geist des Aufbruchs und des Miteinanders.“ Ein Geist, der, so Nathalie Hahn, die schöne Botschaft vermittle: „Die Tafel Balingen hat Zukunft!“
Es sind Worte, die hoffnungsvoll stimmen. Ist sie doch in der Eyachstadt mittlerweile nicht nur eine Institution, sondern spielt in Zeiten, in denen Menschen zunehmend auf Unterstützung angewiesen sind, eine immer größere Rolle.
Doch auch die Tafel – und mit ihr der ebenfalls im Jahr 2008 gegründete Förderverein Balinger Tafel – mussten schon schwieriges Fahrwasser durchkreuzen.

Zahlreiche Gäste - Ehrenamtliche, Sponsoren, Vertreter der Kirchen, Politik und Verwaltung - waren zur Feier gekommen.
Andrea MauteVerantwortung für den Förderverein tragen seit 2015 Nathalie Hahn und Peter Blechmann. „Damals standen wir vor keiner leichten Aufgabe. Der Verein musste praktisch neu aufgebaut werden“, berichtete Peter Blechmann. Schon seinerzeit setzten die Verantwortlichen allerdings auf ein Motto, dem sie bis heute treu bleiben: Nicht lange diskutieren, sondern anpacken!
Und so gelang es, durch „viel Herzblut, Beharrlichkeit und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit“, Schritt für Schritt wieder einen leistungsfähigen Förderverein aufzustellen.
Gemeinsam stark
Ein erster „Meilenstein“ war schon ein Jahr später erreicht, als innerhalb weniger Wochen der Umzug in die Olgastraße organisiert und umgesetzt wurde. Rund 80.000 Euro habe der Förderverein insgesamt investiert; eine Summe, hinter der viele Spender, Unternehmen und Menschen stünden, die aus vollem Herzen sagten: „Ja – diese Balinger Tafel braucht eine Zukunft!“
Bei der Eröffnung am 1. Oktober 2016 blickten dementsprechend alle optimistisch in die Zukunft – nicht ahnend, dass schon wenige Jahre später eine Pandemie alles auf den Prüfstand stellen sollte.
Corona traf die Tafel ins Mark. „Von heute auf morgen mussten wir schließen“, erinnerte sich Nathalie Hahn und brachte das auf dem Punkt, was über allem schwebte: „Hunger macht keine Pause, Armut kennt keinen Lockdown. Und die Kunden brauchten uns gerade jetzt.“
Gemeinsam mit dem Sozialkaufhaus stellte der Förderverein deshalb eine „Notkisten-Aktion“ auf die Beine, bei der sich zeigte, dass das, was man sich auf die Fahnen geschrieben hatte, keine leeren Worte waren. „Plötzlich fuhren Pfadfinder, Handballer des HBW und viele weitere Freiwillige Woche für Woche durch Balingen und Umgebung und brachten Lebensmittel kostenlos direkt zu den Menschen nach Hause.“ Gelebte Solidarität, auf die man zu Recht stolz sein dürfe.

Lukas Homscheidt und Dagmar Hirschpek sorgten für das leibliche Wohl der Gäste. Das Buffet wurde mit Lebensmitteln aus der Tafel zubereitet.
Andrea MauteGleichwohl seien die Herausforderungen auch nach dem Wechsel der Trägerschaft – zum 1. Januar 2025 übernahmen die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Balingen und die Geschäftsführung der Diakonischen Bezirksstelle Balingen – nicht kleiner geworden. „Über Monate fehlte eine Marktleitung und immer mehr Verantwortung blieb an unseren Ehrenamtlichen hängen“, schilderte Nathalie Hahn die Situation. Auch wenn diese alle durchgehalten hätten, sei Ende 2025 klar gewesen: „So kann es nicht weitergehen.“
Ein sicherer Hafen
An diesem Wendepunkt habe der Förderverein einen Vorschlag des Domiziel Sozialkaufhauses Zollernalb überbracht, das anbot, die Tafel zum 1. Januar 2026 in alleiniger Verantwortung zu übernehmen. Die Zustimmung kam nur wenige Tage später – „und plötzlich blieb kaum noch Zeit“, der Jahreswechsel stand schon vor der Tür.
Was dann folgte, beschrieb Peter Blechmann als wahren „Kraftakt.“ Ein erster großer Lichtblick war indes die erfolgreiche Suche nach einem neuen Marktleiter. „Mit Erwin Feucht konnte zum 1. März 2026 genau der richtige Mann für diese Aufgabe gewonnen werden“, ließ er wissen. Doch die Liste der Aufgaben war noch lang: Mehr Lebensmittel beschaffen, mehr Abholtouren organisieren, neue Fahrer gewinnen. Und last but not least wurde – gemäß dem Motto „wenn wir schon neu anfangen, dann richtig“ – auch noch eine neue Verwaltungssoftware eingeführt und die komplette Computertechnik erneuert.
Ein Rückschlag sei der Motorschaden des wichtigsten Abholfahrzeugs gewesen. Doch erneut durfte man erfahren, was eine starke Gemeinschaft ausmacht. „Innerhalb kürzester Zeit stand ein Ersatzfahrzeug bereit. Und die Versorgung unserer Kundinnen und Kunden musste keinen einzigen Tag unterbrochen werden.“

Blick in die neu gestalteten Räume der Balinger Tafel. Hier können alle Berechtigten in freundlicher und einladender Atmosphäre einkaufen.
Andrea MauteIn diesem Sinne galt der Dank der Verantwortlichen dem Marktleiter, den Ehrenamtlichen und Sponsoren sowie den Vertretern der Kirchen, Politik und Verwaltung, die zur Wiedereröffnung gekommen waren.
„Die schönste Farbe, die die Tafel heute trägt, ist nicht das Grün an den Wänden, sondern das Herzblut der Menschen, die sie jeden Tag mit Leben erfüllen“, hob Nathalie Hahn hervor.
Auch Bürgermeister Ermilio Verrengia fand lobende Worte. „Sie haben hier einen Ort der Hoffnung, einen sicheren Hafen geschaffen.“ Dies zeuge von Menschlichkeit, die in der heutigen Gesellschaft leider zunehmend verloren gehe.