Von den Philippinen nach Hausen am Tann
: Wie Salvacion Dengler sich ein neues Leben aufbaute

Salvacion Dengler wird heute 60 Jahre alt. Sie blickt zurück auf ein bewegtes Leben: Die Jugend auf den Philippinen erlebt, doch erwachsen geworden in Deutschland.
Von
Jennifer Dillmann
Hausen am Tann
Jetzt in der App anhören
Salvation Dengler kommt gebürtig von den Philippinen, lebt aber inzwischen schon seit Jahrzehnten in Hausen am Tann, wo sie erfolgreich ein Kosmetikstudio führt.

Das Geburtstagskind Salvacion Dengler kommt gebürtig von den Philippinen, lebt aber inzwischen schon seit Jahrzehnten in Hausen am Tann, wo sie erfolgreich ein Kosmetikstudio führt.

Jennifer Dillmann
  • Salvacion Dengler, geboren 1965 auf den Philippinen, lebt seit Jahrzehnten in Hausen am Tann.
  • Sie führt erfolgreich ein Kosmetikstudio und hat zwei Kinder.
  • Nach einer Scheidung baute sie sich mit Fleiß und Kreativität ein neues Leben auf.
  • Ihr Unternehmen bietet verschiedene Dienstleistungen wie Fußpflege und Permanent-Make-up.
  • Ihr Motto: "Ehrlichkeit und Fleiß bringen dich weit im Leben."

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Salvation – das bedeutet auf Deutsch übersetzt Erlösung oder auch Rettung. Und wenn man so zurückblickt auf das Leben der Filipina, dann könnte man sagen, dass sie ihr eigener Retter war. Am 8. Februar 1965 wurde Salvacion Baran in Carcar, was in der philippinischen Provinz Cebu liegt, geboren. Von insgesamt neun Kindern lag sie in der Mitte.

Aufwachsen im Dschungel

Gebettet in ein Tal direkt am Fluss stand ihr Häuschen im Dschungel, der nächste Nachbar kilometerweit entfernt. „Wir waren doch viele Kinder, aber unsere Eltern waren immer fleißig, damit wir nicht hungern und ordentlich aussehen“, erinnert sie sich zurück, doch macht keinen Hehl darum, dass nicht alles eitel Sonnenschein war: „Jeder von uns hatte eine Aufgabe im Haushalt und wer nicht hört, hat den Gürtel gespürt.“

Moderne Spiele gab es nicht. Stattdessen schaukelten sie auf Ästen oder schwangen hollywoodmäßig an Lianen. Eines Tages brachte ihre Mutter eine Puppe mit nach Hause, „aber das war nur Deko, sonst würde sie dreckig werden.“ Alle Kinder auf eine Privatschule zu schicken, war kein leichtes Unterfangen, daher startete das Berufsleben von Salvacion Baran bereits nach der zehnten Klasse, um die Eltern zu unterstützen. Mit 20 Jahren lebte sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester 40 Kilometer von Carcar entfernt. Das sieben Jahre jüngere Mädchen kümmerte sich um den Haushalt. Salvacion hingegen arbeitete tagsüber im pharmazeutischen Bereich und ging anschließend zur Abendschule.

Letzte Chance auf eine Heirat

Schon damals träumte sie davon, ins Ausland zu gehen. Daher war ihr der Collegeabschluss gar nicht allzu wichtig. Schließlich machte ihre Tante ihr ein Jobangebot, wo sie erstmals in einem Kosmetikstudio arbeitete und die Schule verließ. Aus einer Zeitungsannonce ergab sie die erste Brieffreundschaft mit einem Amerikaner und ab und zu schlichen sich Tagträume ein. Sie war inzwischen 27 Jahre alt und noch immer nicht verheiratet. Spätestens mit 30 Jahren würde sie auf den Philippinen keinen Ehemann mehr finden, so das damalige Gesellschaftsbild.

Durch eine Cousine aus Deutschland kam eine Freundschaft mit einem Deutschen zustande. Sie schrieben sich Briefe, verschickten Fotos, telefonierten. „Wenn ein Mann lieb ist, kann man auch lernen, ihn zu lieben“, so ihre Einstellung. Als er sie erstmals auf den Philippinen besuchte, machte er ihr auch direkt den Heiratsantrag.

35 Hühner zur Hochzeit geschlachtet

Eine Kuh, sechs Schweine, sieben Ziegen und 35 Hühner – wegen des Alters ihres Zukünftigen – wurden zur Feier des Tages geschlachtet. Es war außerdem eine Doppelhochzeit, da auch eine ihrer Schwestern heiratete. „Es kamen Gäste, die wir gar nicht kannten“, blickt sie vergnügt zurück. „Hauptsache man kann essen und vor allem, weil man gehört hat, dass es eine Hochzeit mit einem Ausländer ist.“

Doch schnell ergaben sich Probleme. Kulturelle Unterschiede standen im Weg, der Charakter entpuppte sich anders als in Briefen dargestellt und die Kommunikation auf Englisch war auch nicht immer einfach. Bereits nach drei Monaten nahm sie ihren ersten Job in einem Blumenladen in Deutschland an, wenig später wurde sie schwanger. Die Streitereien nahmen jedoch zu, sodass kein Weg an der Scheidung vorbei führte und sie schließlich mit Kleinkind alleine in einer Einzimmerwohnung landete und sich mit einem Nebenjob über Wasser hielt.

  • In einem Haus mitten im Dschungel von Carcar hat Salvation Dengler, geb. Baran, gelebt. Von der verwilderten Natur von 1970 ist heute nicht mehr viel übrig. Inzwischen steht dort eine Stadt inklusive Einkaufszentrum.

    In einem Haus mitten im Dschungel von Carcar hat Salvation Dengler, geb. Baran, gelebt. Von der verwilderten Natur von 1970 ist heute nicht mehr viel übrig. Inzwischen steht dort eine Stadt inklusive Einkaufszentrum.

    Salvation Dengler
  • Insgesamt neun Geschwister waren es in der Familie Baran. Der jüngste Bruder Tomme steckt 1979 noch im Bauch von Mama Mercedes, daneben der Vater Remigio.

    Insgesamt neun Geschwister waren es in der Familie Baran. Der jüngste Bruder Tomme steckt 1979 noch im Bauch von Mama Mercedes, daneben der Vater Remigio.

    Salvation Dengler
  • Auf dem Markt 1986 verkaufte Oma Macaria Baran Klamotten. Diese erwarb sie vom Deutschen Roten Kreuz. In einem Sack befanden sich verschiedene Kleidungsstücke, die sie erst nach Erwerb einsehen konnte.

    Auf dem Markt 1986 verkaufte Oma Macaria Baran Klamotten. Diese erwarb sie vom Deutschen Roten Kreuz. In einem Sack befanden sich verschiedene Kleidungsstücke, die sie erst nach Erwerb einsehen konnte.

    Salvation Dengler
  • Philippinische Highschool-Schüler durchliefen 1985 ein militärisches Ausbildungsprogramm namens CAT mit wöchentlichen Einheiten. Salvation Dengler wurde auserwählt, nicht daran teilzunehmen, sondern als Lady im weißen Outfit einfach nur anwesend zu sein und schön auszusehen.

    Philippinische Highschool-Schüler durchliefen 1985 ein militärisches Ausbildungsprogramm namens CAT mit wöchentlichen Einheiten. Salvation Dengler wurde auserwählt, nicht daran teilzunehmen, sondern als Lady im weißen Outfit einfach nur anwesend zu sein und schön auszusehen.

    Salvation Dengler
  • In der 10. Klasse führte Salvation Dengler (in rot) im Rahmen einer Schulveranstaltung gemeinsam mit anderen einen Tanz auf.

    In der 10. Klasse führte Salvation Dengler (in rot) im Rahmen einer Schulveranstaltung gemeinsam mit anderen einen Tanz auf.

    Salvation Dengler
1 / 5

Die zweite Ehe hielt 18 Jahre, nicht nur zwei. Hier kam auch die Geburt ihres zweiten Kindes zustande und der Umzug von Nürtingen nach Hausen am Tann. Die Filipina war schon immer fleißig, das sprach sich schnell herum. Während der Mann arbeiten war, renovierte sie das Haus größtenteils selbst. „Auf den Philippinen habe ich sowas nicht gemacht und hier habe ich alles selbst gemacht, wie ein Mann. Da bin ich stolz darauf.“ Vom Haushaltsgeld zwackte sie etwas für sich ab, um sich schließlich mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen. Mit 44 Jahren konnte sie sich endlich ihren Führerschein leisten sowie das Zertifikat als Fußpflegerin.

Selbst ist die Frau

Ihr Steuerberater zeigte zunächst wenig Zuversicht und meinte: „Sie sind eine Ausländerin und wohnen in einem kleinen Dorf, das wird nicht funktionieren.“ Salvacion ließ sich jedoch nicht aufhalten und baute ihr eigenes Kosmetikstudio auf. „Die Leute haben gesehen, dass ich auf dem Gerüst geklettert bin. Ich glaube, deswegen funktioniert mein Geschäft. Die Leute reden. Sie wussten, dass ich fleißig bin. Gott hat mir geholfen“, ist sie sich sicher. Inzwischen umfasst ihr Unternehmen verschiedenste Dienstleistungen, wie etwa Fußpflege, Wimpernverlängerung, Permanent-Make-up, Laserbehandlungen und Microneedling.

Auch wenn es „Mimis Studio“ heißt, ist ihr Name nach der dritten Ehe Salvation Dengler, Abkürzung Salvi. Viele nennen sie jedoch Mimi, dabei kam die Inspiration dafür von ihrer Babysitterin aus der Kindheit, die „Mimi Mimi“ sang, während sie die Wiege bewegte. „Mein Prinzip ist: Du kommst weit im Leben, wenn du ehrlich bist und fleißig und ich muss Spaß haben an dem, was ich tue.“

„Gott ist in meinem Herzen“

Obwohl eine Strafe in ihrer Kindheit war, eine halbe Stunde lang vor dem Altar zu knien, hat sie ihren Glauben nie verloren. „Ich bete jeden Tag, das ist meine Führung. Aber ich glaube nicht an eine Statue, Gott ist in meinem Herzen“, erklärt sie und schaut auf das Erlebte zurück: „Inzwischen hat sich der Dschungel von damals zu einer City entwickelt. Ich habe nie bereut, nach Deutschland gekommen zu sein.“