Uria-Hof in Ostdorf: Der lange Kampf ums Tierwohl

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Andreas Schwarz MdL (rechts) und Landrat Günther-Martin Pauli überzeugen sich von der tierfreundlichen Haltung der Rinder auf dem Uria-Hof.
Andrea Maute„Alle reden von Tierwohl. Aber wehe, du machst es“, sagt Ernst Hermann Maier beim Hofbesuch des Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Andreas Schwarz MdL. „Seit Jahrzehnten sind wir bemüht, Tiere so zu halten, wie es sich der Verbraucher wünscht. Doch jeder Fortschritt wird im Keim erstickt“, kritisiert der Landwirt.
Dass der seit vielen Jahren schwelende Streit mit den Behörden nicht sein müsste - dieser Meinung ist auch Landrat Günther-Martin Pauli. Fest macht sich die Auseinandersetzung unter anderem am sogenannten Ohrmarkenkonflikt. Statt den Rindern Ohrmarken einzustanzen, setzt man auf dem Uria-Hof nämlich auf eine schmerzfreie Chip-Kennzeichnung. Der Mikrochip wird den Tieren bei der Geburt (immer linksseitig neben der Schwanzwurzel) implantiert und verbleibt dort, bis er bei der Schlachtung wieder entnommen wird.
2012 hat der Landrat dem Betrieb eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die jedoch vom Regierungspräsidium 2013 außer Kraft gesetzt wurde. Die Subventionen wurden komplett gestrichen, doch ihre Prinzipien - die hat Familie Maier trotzdem nicht aufgegeben. „Mich hat ihr Konzept überzeugt“, betont auch Günther-Martin Pauli und stellt eine Frage in den Raum, die allen in der Runde auf den Nägeln brennt: Wieso muss unnötige Quälerei sein, wenn es auch anders gehen kann?
Wie es anders geht - darüber informiert sich bei seinem Besuch Andreas Schwarz, der sich das Uria-Konzept von Ernst Hermann Maier und dessen Tochter Annette Maier erklären lässt. „Wir haben einen geschlossenen Betrieb und kaufen keine Tiere zu“, berichtet Annette Maier. „Alle unsere Rinder werden hier geboren und sterben hier“, bringt es Ernst Hermann Maier auf den Punkt. Im Sinne des Tierwohls endet auch ihr Leben - in gewohnter Umgebung durch Weideschuss.
Auf diese Methode wird im Familienbetrieb schon seit langem gesetzt. 1995 hat Ernst Hermann Maier die sogenannte mobile Schlachtbox erfunden, die ein tierschonendes Schlachten ohne Stress und Angst ermöglicht. Die Rinder werden – während sie fressen oder ruhen – auf der heimischen Weide durch einen Schuss in den Kopf betäubt. Nach Kontrolle der Vitalzeichen werden sie mittels Seilwinde in die Schlachtbox gebracht, wo sie durch Blutentzug den Tod finden. Der Kugelschuss sei in einer EU-Verordnung ohne Einschränkungen für alle Arten von Schlachttieren zugelassen. Aber deutsche Verwaltungsbeamte hätten dieses Recht eingeschränkt, macht der Landwirt deutlich.
Das digitale Tool funktioniert bestens
Zurück zum Ohrmarkenkonflikt und zur Frage, ob bei einem Betrieb, der gar nicht am Viehverkehr teilnimmt, eine Kennzeichnung überhaupt Sinn macht. Wie Annette Maier erklärt, ist eine solche seit der BSE-Krise (die Rinderkrankheit, die im Jahr 2000 ganz Europa beunruhigte) Pflicht, um eine Rückverfolgung zu gewährleisten. Bei Uria ist diese sichergestellt - nur eben nicht durch Ohrmarken, sondern durch Mikrochips.

Das Auslesen des Mikrochips, mit dem die Tiere gekennzeichnet sind, klappt völlig problemlos.
Andrea MauteWie gut dieses Verfahren funktioniert, davon kann sich Andreas Schwarz, der von Landrat Pauli und Konrad Wiget (Grüne) begleitet wird, an diesem Tag auf der Weide ein Bild machen. Dort demonstriert Annette Müller, wie sich die Daten jedes Tieres mittels Lesegerät problemlos auslesen lassen. Und auch Andreas Schwarz darf mal ran. Die Rinder sind dabei völlig entspannt und bekommen von der Prozedur, die mit einem Handgriff erledigt ist, gar nichts mit. Dementsprechend klar fällt auch die Meinung des Landtagsabgeordneten aus: „Wenn man das über ein digitales Tool macht, ist es für die ganze Landwirtschaft besser.“
Kampf um eine tierfreundliche Rinderhaltung dauert an
Obwohl eine EU-Verordnung seit 2021 nun die Identifizierung von Rindern per Mikrochip in geschlossenen Betrieben wie dem Uria-Hof erlaubt, „werden uns weiter Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt Ernst Hermann Maier. Der Kampf um eine tierfreundliche Rinderhaltung - er dauert an.
Auf einen an Ministerpräsident Winfried Kretschmann geschriebenen Brief habe er „leider keine Antwort erhalten“, berichtet der Landwirt. Und sein per Einschreiben ans Ministerium gesendeter Brief an Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sei zurückgekommen. „Solche Dinge passieren immer wieder“, beklagt Ernst Hermann Maier. „Es scheint ein dickes Brett zu sein“, befindet am Ende auch Andreas Schwarz, der die Briefe aus Ostdorf nun in die Landeshauptstadt bringen wird.
Die Rinder des Uria-Hofs in Ostdorf
Rund 330 Rinder gehören zum Uria-Hof der Familie Maier. Die Tiere leben im Herdenverbund, der seine Sozialstrukturen selbst regelt und bewegen sich frei auf einer großen, abwechslungsreichen Weidefläche. Sie dürfen ihre Hörner, durch die sie an heißen Tagen überschüssige Körperwärme abgeben können, behalten.
