Unwetter im Zollernalbkreis: Orkanböen knicken Bäume und werfen Bauzäune um – Hechinger Feuerwehr rettet einen Storch

In Albstadt-Tailfingen musste ein durch eine Sturmböe umgeknickter Baum von der Feuerwehr beseitigt werden.
FW Albstadt- Orkanböen und Starkregen verursachten abends viele Einsätze im Zollernalbkreis.
- In Balingen drohte in der Bahnhofstraße ein Baugerüst zu stürzen – Absperrungen folgten.
- Hechingen meldete keine Unwettereinsätze. Abgebrochene Äste beschäftigten die Feuerwehr nicht.
- Nach Mitternacht rettete die Hechinger Feuerwehr in der Altstadt einen flugunfähigen Storch.
- Albstadt blieb weitgehend ruhig, doch in Burgfelden und Tailfingen kippten Bäume um.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Blitzeinschläge, umgestürzte Bäume, wackelige Baugerüste und umgestürzte Zäune: Orkanböen und Starkregen sorgten am späten Dienstagabend im Zollernalbkreis für zahlreiche Feuerwehr- und Polizeieinsätze.
Immerhin: Laut Polizeipräsidium Reutlingen gab es „keine Verletzten“, wie Pressesprecher Christian Wörner unserer Redaktion sagte. 40 Einsätze gab es im Bereich des Präsidiums mit den Kreisen Zollernalb, Esslingen, Tübingen und Reutlingen insgesamt – vor allem abgebrochene Äste oder umgeknickte Bäume.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am späten Dienstagabend vor unwetterartigen Gewittern und sogar vor Orkanböen gewarnt – ungewöhnlich für den Zollernalbkreis, wo Böen mit Geschwindigkeiten von 110 Stundenkilometern und mehr doch eher selten vorkommen.
Vor allem in der Innenstadt von Balingen, wo in der Bahnhofstraße ein Baugerüst einzustürzen drohte, waren großräumige Absperrungen nötig.
Hechingen kam in der Unwetternacht äußerst glimpflich davon. „Wir hatten keine Einsätze wegen des Unwetters“, sagt Frank Brecht, der Gesamtkommandant der Hechinger Feuerwehr. Einzelne vom Sturm abgeknickte Äste, wie etwa am Fasanengarten, haben die Feuerwehrleute nicht beschäftigt.

Auf dem Weg vom Hechinger Fasanengarten in Richtung Domäne hat der Sturm größere Äste abgeknickt und eine Sitzbank knapp verfehlt. Gut, dass auf diesem beliebten Spazierweg gerade niemand unterwegs war.
Christiane StraßerUnd dennoch gab es am Mittwoch eine Stunde nach Mitternacht einen außergewöhnlichen Einsatz für Brecht und Co.: eine Tierrettung. Mitten in der Albstadt, in der Rabengasse, war ein Storch gestrandet. Anwohner meldeten um 1 Uhr, dass das Tier auf der Straße sitze und nicht mehr fliegen könne.
Eine kleine Abordnung der Hechinger Feuerwehr rückte aus und rettete den Storch. „Der Vogel hat sich problemlos einfangen lassen“, schildert Frank Brecht. „Wir haben ihn einem Storchenbeauftragten des Zollernalbkreises übergeben, der sich um das Weitere kümmert.“ Ob der Storch ins Unwetter gekommen oder durch eine Krankheit geschwächt war, weiß Brecht nicht zu sagen. Überlebt hat das Tier das Abenteuer aber – auch dank des Einsatzes der Floriansjünger.
Sturmböen knicken Bäume um
Für Albstadt kann Stadtbrandmeister Thomas Daus beruhigen. Die größte Stadt im Zollernalbkreis blieb vom Unwetter weitgehend verschont. Schon am Dienstagabend (8. September) musste die Feuerwehr gegen 22.50 Uhr zu zwei kleineren Einsätzen ausrücken. Sowohl in Burgfelden als auch in Tailfingen waren Bäume durch Sturmböen umgeknickt worden. In Tailfingen betraf es die Innenstadt bei der Hechinger Straße. Mit der Motorsäge wurden die Baumteile zersägt und beseitigt. „In Albstadt war es relativ ruhig“, vermeldete Thomas Daus für die Gesamtstadt.
Im Kirchspiel „glimpflich davongekommen“
In Bisingen wurde die Feuerwehr gegen 22.45 Uhr ins Altenpflegeheim „Haus im Park“ entsandt – gerade als das Unwetter zu toben begann. Vor Ort konnte jedoch Entwarnung gegeben werden: falscher Alarm. Weil die Floriansjünger aber schon in den Stiefeln waren, konnte sie sich an verschiedenen Baustellen in der Gemeinde darum kümmern, umgestürzte Bauzäune wieder aufzustellen und zu sichern, zum Beispiel beim Lidl, beim Kindergarten und in der Bahnhofstraße. An der Verbindungsstraße zwischen Bisingen und Wessingen hatte der Sturm zudem einen Baum entwurzelt. Bis Mitternacht waren die Feuerwehrleute im Einsatz. „Insgesamt sind wir aber glimpflich davongekommen“, sagt Kommandant Marc Mayer.
Baucontainer umgestürzt? Nur ein Dixi-Klo!
Das gilt auch für das benachbarte Grosselfingen. Dort wurde die Feuerwehr während des Gewitters in Marsch gesetzt, weil in der Bruderschaftsstraße ein Baucontainer umgestürzt sein sollte. Vor Ort stellte sich heraus, dass lediglich das Dixi-Klo einer Baustelle umgekippt war. „Das war in fünf Minuten wieder aufgestellt“, schildert Kommandant Rainer Knoll den wenig spektakulären Einsatz.
Der Sturm im Schlichemtal und Kleiner Heuberg
Der Kleine Heuberg und das Schlichemtal blieben größtenteils verschont. Die Feuerwehren der Gesamtstädte Rosenfeld und Geislingen mussten nicht ausrücken. Lediglich umherliegende Äste mussten beseitigt werden. Auch die Freiwillige Feuerwehr Schömberg kam ohne Einsatz aus.
Anders sieht es jedoch in Hausen am Tann aus. Die örtliche Feuerwehr war bereits in der Nacht alarmiert worden und musste eine Tanne abtransportieren, die über der Straße am Ortsausgang Richtung Tieringen lag. Der Verkehr konnte gut geregelt werden und wurde kaum beeinträchtigt. Außerdem hing in der Hofstadtgasse ein Ast über der Straße, der abgesägt und entfernt wurde.
„Wirklich schade um den Baum, er war sehr markant“, kommentiert Stefan Buhmann einen Sturmschaden, der heute Morgen um 6.30 Uhr gemeldet wurde. Eine der Linden am Friedhof hat das Unwetter nicht überstanden. Sie gehörte zu dem Ensemble, zu dem vor zwei Jahren ein Bürgerentscheid abgehalten wurde. Gefällt wurde sie damals nicht, dafür aber gepflegt. Kommandant Joachim Dreher berichtet: „Der Baum war innen morsch und wurde vom Wind umgeknickt.“ Zehn Einsatzkräfte sind bis jetzt mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Drehleiter Meßstetten half dabei, in Mitleidenschaft gezogene Äste des benachbarten Baums zu entfernen.

Eine der Linden am Friedhof in Hausen am Tann fiel dem Sturm zum Opfer. Sie war als Naturdenkmal geschützt.
Stefan BuhmannIn Haigerloch hat es den Tennisclub Stetten kalt erwischt. Zwei vor einigen Tagen für die 36. Tennis-Stadtmeisterschaften aufgebauten Bewirtungszelte wurden von den plötzlich auftretenden Umwetter aus der Verankerung im Boden gerissen und auf den Kopf gestellt. Die Kraft des gegen 23 Uhr einsetzenden Böen war so stark, dass beide Zelte– eines hatte sich der Tennisclub vom örtlichen Fischereiverein ausgeliehen, das andere selbst erst vor Kurzem angeschafft – dem ersten Eindruck nach Totalschaden sind.
Dem Hilferuf von Vereinschef Uwe Pfeffer waren am Tag nach dem Unwetter viele Vereinsmitglieder gefolgt, um das Chaos zu beseitigen. Damit der Tennisclub für die bevorstehenden vier Turniertage nicht völlig ohne Zelt dasteht, sprang der Stettener Schützenverein als Retter in der Not ein und half mit seinem Zelt aus. Das wurde am Mittwochabend aufgebaut.

Völlig zerstört vom Unwetter wurden zwei Festzelte, die der TC Stetten für die Ausrichtung der bevorstehenden Haigerlocher Tennis-Stadtmeisterschaften aufgebaut hatte.
Thomas KostAbgesehen von einzelnen umgestürzten Bäumen, beispielsweise auf dem Weg am Sägewerk in der Stettener Salinestraße vorbei zum Auenweiher des Fischereivereins Stetten, verlief das kurze aber heftige Unwetter im Stadtgebiet eher glimpflich. Die Feuerwehr rückte jedenfalls nicht aus. „Es gab keine Alarmierung für uns“, erklärten die beiden stellvertretenden Gesamtfeuerwehrkommdanten Rainer Volm und Thomas Klingel.
