Tunnel-Sanierung B463
: Das kommt auf die Balinger Teilorte zu

Der Tunnel an der B463 in Albstadt-Laufen wird ab Juli saniert. Die Sperrung sorgt für große Umleitungen. Und die treffen die Balinger Teilorte mitunter hart.
Von
Sebastian Buck
Balingen
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Eher dünn besetzt war die Sporthalle in Frommern bei der Infoveranstaltung rund um die Tunnel-Sanierung an der B463.⇥

Sebastian Buck

Dass die Sanierung des Laufener Tunnels an der B463 und die daraus resultierenden Umleitungen kein Zuckerschlecken werden, das war im Grunde allen klar. Auch den Planern selbst, wie sich nun bei der Informationsveranstaltung am Montagabend in der Turn- und Festhalle in Balingen-Frommern zeigte.

Nochmal zur Erinnerung im Schnelldurchlauf das Grundproblem: Der Laufener Tunnel ist inzwischen alt, mehr als 20 Jahre hat das Bauwerk auf dem Buckel. Die Lüftung wird erneuert, die Beleuchtung auf LED umgestellt, Rettungswege verbreitert, eine Löschwasserleitung verlegt, die IT-Technik auf den neuesten Stand gebracht und vieles mehr. „Wenn Sie daran denken, wie oft Sie in den letzten 20 Jahren einen neuen Computer gekauft haben, dann merken Sie, dass dringend Handlungsbedarf besteht“, erklärte es Jürgen Grauer dem Balinger Publikum. Der Mann vom Tübinger Regierungspräsidium ist als Projektleiter für die Arbeiten zuständig.

60 Kilometer Kabel verlegt

Um die Dimension der Arbeiten zu verstehen, hatte Grauer eine Zahl im Gepäck: 60. So viele Kilometer Kabel werden allein im Tunnel verlegt – und der ist mit 540 Metern eher kurz. Nicht nur der Tunnel steht im Blick, auch diverse Brücken und Belagsarbeiten werden erledigt. In Summe dauern die Arbeiten 16 Monate (wir berichteten).

Vier Umleitungsrouten wird es geben, zehn Monate lang wird in Laufen direkt umgeleitet, bei den restlichen sechs sind die Balinger Teilorte mal mehr, mal weniger betroffen – vor allem Zillhausen, Stockenhausen und Dürrwangen. Übel wird es bei der zwei- bis dreiwöchigen Sperrung am Anfang und am Ende der Bauzeit, wenn der gesamte Verkehr durch die Balinger Teilorte läuft – sowohl in Fahrtrichtung Sigmaringen als auch in Richtung Balingen.

In den Teilorten Balingens selbst wird deshalb so einiges umgebaut oder auch alternativ beschildert. Generell gilt während der Umleitungszeiten entlang der Strecke ein Parkverbot in den betroffenen Orten, obendrein wird großteils Tempo 30 verordnet.

90-Grad-Kurve wird zum Problem

In Zillhausen sind gleich mehrere Maßnahmen geplant. Fußgängerüberwege samt Ampeln an den Kreuzungen Pfeffinger Straße/Hochholzstraße und Hochholzstraße/Bitzestraße. In Stockenhausen sind ebenfalls zwei Änderungen angedacht: Eine Fußgängerampel auf Höhe des Rathauses zum einen und eine weitere an der Kreuzung Dürrwanger Straße/Schalksbachstraße. Überdies wird es hier noch eine Einfahrhilfe geben, also eine Ampel vor der eigentlichen Kreuzung, um dem auf die Dürrwanger Straße einbiegenden Verkehr das Leben leichter zu machen. Was hingegen nicht leicht wird, ist die 90-Grad-Kurve in Stockenhausen, wenn die Zillhauser Straße in die Dürrwanger Straße übergeht. Gerade dann, wenn sich Lastwagen gegenüberstehen werden. Aber es bleibt eben keine wirkliche Alternative – eine Ampelregelung würde den Verkehr zu sehr ausbremsen, waren sich die verantwortlichen Planer einig. Uwe Kaltenmark vom zuständigen Planungsbüro sieht dem aber gelassen entgegen: „In den Alpen begegnen sich ja auch Busse und Lastwagen. Und da funktioniert es auch irgendwie.“

Generell, so erklärte es Kaltenmark, sei eines klar: „Jeder Eingriff in die Strecke ist schlecht, weil es den Verkehrsfluss mindert.“ Aber um manche kommt man eben nicht herum, gerade bei Fußgängerquerungen diene das natürlich auch der Sicherheit.

Vorübergehend kein Geradeausfahren möglich

Im Balinger Teilort Dürrwangen ist die Lage etwas verzwickter. Hier muss nämlich während der Umleitungsphase vier – wenn in beide Richtungen über die Balinger Teilorte umgeleitet wird – eine gewisse Zeit der Anwohnerverkehr über die Wohngebiete geschickt werden, weil an der Kreuzung Ebinger Straße/Stockenhauser Straße der Geradeaus-Verkehr verboten ist. Die Ampeln in der Hauptumleitungsrichtung sollen nämlich parallel geschaltet werden, was ein Weiterfahren in die Ebinger Straße unmöglich macht. Auch Fußgängerüberwege sind hier geplant.

Nach dem ausführlichen Vortrag war die Fragerunde eröffnet. Sonderlich riesig war der Andrang in Frommern nicht. Zahlreiche Reihen blieben leer. Ein Dürrwanger Anwohner wollte wissen, wie man denn das Rechtsabbiegen von Lastern verhindern wolle, dass die nicht durch Frommern rollen, um ein paar Euro Bundesstraßen-Maut zu sparen. „Schilder sind geduldig“, wusste auch Kaltenmark um das Problem. Das werde man wohl nicht verhindern können, allerdings, das betonte dann Oberbürgermeister Dirk Abel, würden die Schilder ja zeigen, dass das Rechtsabbiegen hier „eine Ordnungswidrigkeit ist“. Man werde alles tun, „was in unserer Macht steht“, um auch Kontrollen vorzunehmen, Fehlverhalten zu ahnden. Auch Geschwindigkeitsverstöße an den Ortseinfahrten, werde man im Blick behalten, so die Antwort auf eine entsprechende Anwohnerfrage. Der Mann habe manchmal den Eindruck „am Hockenheimring“ zu sein, zumindest was die Geschwindigkeiten am Ortseingang betrifft. Die Stadt Albstadt, so erklärte es deren Finanzbürgermeister Steve Mall, werde für die 16-monatige Bauzeit einen Blitzeranhänger leasen, um so den Rasern auf die Schliche zu kommen. Das Albstädter Gefährt könne man schlecht auf Balinger Gemarkung einsetzen, allerdings habe man eigene Lösungen, versprach Dirk Abel den Zuhörern.

Radwege bleiben offen

Auch die Radwege werden als solche offengehalten, sowohl auf Balinger als auch auf Laufener Gemarkung, beruhigten die Verantwortlichen einen besorgten Dürrwanger Bürger. Michael Haasis fand als Ortsvorsteher von Streichen einen guten Abschluss: „Jeder trägt seinen Teil dazu bei.“ Fußgänger, umgeleitete Autofahrer und von der Umleitung geplagte Anwohner. Dass die Maßnahme dringend notwendig ist, daran hatte in der Frommerner Halle am Ende keiner mehr Zweifel. Baustart ist schon für den Juli geplant.

60

Kilometer Kabel werden im Laufener Tunnel während der Sanierung verlegt werden. Die Technik des 20 Jahre alten Bauwerks muss dringend erneuert werden.