Tierleid in Balingen
: Etliche Tauben verdursten und verhungern qualvoll

Tierschützer sind entsetzt, schockiert – und einfach nur traurig: In Balingen soll eine Firma Solarpanels in dem Wissen verschlossen haben, dass sich darunter noch zahlreiche Taubenküken befinden.
Von
Andrea Maute
Balingen
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Für sie kam jede Hilfe zu spät.

Für viele Tauben kam jede Hilfe zu spät.

Verein Stadttauben Hechingen
  • In Balingen wurden bei PV-Arbeiten Tauben unter Paneelen eingeschlossen – viele starben.
  • Der Verein Stadttauben Hechingen berichtet von Küken, die verdursteten und verhungerten.
  • Nach Freigabe durch das Veterinäramt retteten Tierschützer elf Küken und gaben Elektrolyte.
  • Die Firma habe das Fiepen ignoriert, so der Verein; eine Anzeige und Baustopp sind Thema.
  • Das Veterinäramt prüft mögliche Pflichtverstöße und verweist auf Verantwortung von Bauherrn und Firmen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Christine Maier vom Verein Stadttauben Hechingen über den Vorfall berichtet, ist ihr die Erschütterung auch einen Tag danach noch anzuhören. Denn das, was sie und ihre Vereinskollegen am Sonntag in Balingen zu sehen bekamen, sei für alle nur schwer zu verkraften. „So viele tote Tauben“, sagt sie mit Blick auf die Situation, die die Tierschützer vor Ort erwartete und betont: „Ich bin entsetzt, wenn ich diese Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit sehe.“

Was sich dort in einem Balinger Wohngebiet zugetragen hat, darüber hat Christine Maier in den sozialen Medien informiert. „Zutiefst erschüttert sind wir über das skrupellose Vorgehen einer Firma, die Solarpaneele verschließt in dem Wissen, dass etliche Küken unter den Paneelen nicht mehr von ihren Eltern versorgt werden können und elendig verdursten und verhungern“, schreibt sie auf der Facebookseite des Vereins. Auf den Post haben Stand Montagnachmittag rund 6900 Menschen reagiert, es gab 700 Kommentare und er wurde mehr als tausendmal geteilt.

„Das Fiepen war nicht zu überhören“

Dass den Mitarbeitern der Firma die Folgen ihres Tuns bewusst waren und sie den Tod der Tiere billigend in Kauf genommen haben, daran gibt es für die Tierschützerin keinen Zweifel. „Das Fiepen war nicht zu überhören. Das können alle vor Ort bestätigen“, macht sie deutlich. Die traurigen Folgen hat der Verein fotografisch dokumentiert.

Es sind Bilder, die betroffen machen. Sie zeigen Tauben, die vergeblich versucht haben, sich durch die Absperrgitter zu drücken; Jungtiere, die von den Eltern nicht mehr versorgt werden konnten. Sie alle sind letztlich qualvoll gestorben.

„Ein paar Küken konnten wir, nachdem uns das Veterinäramt die Freigabe zum Einschreiten erteilt hatte, sichern. Sie waren völlig dehydriert. An weitere kamen wir nicht ran“, berichtet Christine Maier über die Rettungsaktion am vergangenen Sonntag, die auch polizeilich begleitet wurde.

Zu wissen, dass es noch viele weitere Tiere gebe, die unverzüglich Hilfe benötigen und diese nicht erreichen zu können, gehe mit einem Gefühl der Ohnmacht einher. „Man wird fast verrückt“, bekennt die Tierschützerin. Gleichwohl sei man in so einer Situation sofort „im Rettungsmodus“, um noch möglichst viele vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Bei elf Küken ist dies den Helfern gelungen. Den geretteten Tauben wurden sofort Elektrolyte verabreicht. Sie dürfen nun in Sicherheit wieder zu Kräften kommen.

Die Absperrung wurde zur tödlichen Falle.

Die Absperrung wurde zur tödlichen Falle.

Verein Stadttauben Hechingen

Besonders bitter ist für Christine Maier, dass die anderen einen sinnlosen Tod gestorben sind. „Hätte uns die Firma im Vorfeld informiert, hätten wir das verhindern können“, betont sie und führt als positives Beispiel das Jakobushaus in Balingen an, das die Tierschützer rechtzeitig hinzugezogen habe.

An alle Firmen könne sie deshalb nur appellieren, „mit den Tierschutzvereinen zusammenzuarbeiten“ und dadurch Leben zu retten.

Im Fall in Balingen sei ein Baustopp verhängt worden. Zudem sehe die Firma einer Anzeige entgegen, da der Verdacht eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz im Raum stehe.

Elf Küken konnte der Verein lebend befreien.

Elf Küken konnte der Verein lebend befreien.

Verein Stadttauben Hechingen

Was gibt den Mitgliedern den Antrieb, trotz allem immer weiterzumachen und nicht zu verzweifeln? Es sind Menschen wie der aufmerksame Bürger, der das Fiepen der Tiere nicht ignoriert und es gemeldet hat; Menschen, die Empathie zeigen und sich für die Lebewesen einsetzen, die keine Lobby haben. „Denn nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, führt Christine Maier vor Augen.

Veterinäramt nimmt Stellung

Stellung nimmt in dieser Angelegenheit auch das Amt für Veterinärwesen des Landratsamts Zollernalbkreises. Dieses habe am Sonntag, 26. Juli 2026, erstmalig die Nachricht erreicht, „dass aufgrund von baulichen Maßnahmen an einer Photovoltaikanlage auf mehreren Gebäuden Tauben bzw. Taubenküken eingeschlossen worden sein sollen. Im Folgenden war das Veterinäramt im Rahmen seiner Zuständigkeit fachlich involviert“, teilt der Pressesprecher mit und erklärt weiter: „Beim Verschließen von Photovoltaikanlagen dürfen grundsätzlich keine Tauben (oder andere Tiere) derart eingeschlossen werden, dass es zu Schäden kommt. Die Verantwortung liegt hier beim Bauherrn und den ausführenden Fachfirmen. Diese stehen bei dem aktuellen Geschehen nach Kenntnis des Veterinäramtes in engem Austausch mit dem Ziel der schnellstmöglichen Herstellung tierschutzkonformer Zustände.“

Ob es in angesprochenem Fall zu Verletzungen von Sorgfaltspflichten gekommen ist, sei Gegenstand derzeitiger Bewertungen. „Aufgrund des laufenden Verfahrens können hierzu keine weiteren Auskünfte erteilt werden“, wird mitgeteilt.