Taylor Swift: Der erste Gottesdienst seiner Art im Zollernalbkreis – was geplant ist

Superstar Taylor Swift begeistert die Massen. Ihre Musik soll jetzt in einem Gottesdienst in Balingen gespielt werden. (Symbolfoto)
Christian Charisius/dpa- Erster Taylor-Swift-Gottesdienst in Balingen am 17. Mai 2025 um 18:30 Uhr.
- Veranstaltung in Heilig-Geist-Kirche, Thema "Love Story".
- Kombination aus Swifts Musik und biblischen Texten.
- Ziel: Junge Menschen für Glauben begeistern.
- Livemusik, dialogische Predigt und klassische Elemente.
- Armbänder als Symbol für Gemeinschaft und Offenheit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Theresa Hinz und Ulrike Erath sitzen an einem sonnigen Dienstagmittag im Pfarrbüro der Heilig-Geist-Kirche in Balingen. Auf dem Schreibtisch vor ihnen liegen rund 70 selbstgemachte Armbänder, das eine bunter als das andere. „Love Story“ steht auf den meisten geschrieben – eine Hommage an Taylor Swift, aber auch an die Liebe Gottes und die der Menschen. Am 17. Mai wollen Hinz und Erath genau diese Verbindung feiern: mit einem Gottesdienst, in dem Swifts Songs genauso Platz haben wie biblische Texte. Ein Gottesdienst, der weniger nach steifer Tradition klingt und mehr nach Popkultur – der vertraute Formen aufbricht, ohne den Glauben aus den Augen zu verlieren.
Balingen ist nicht die erste Stadt, die dieses Format wagt – doch der Mut, damit die eigenen Kirchenmauern zu durchbrechen, wächst auch auf dem Land. Der Swift-Gottesdienst ist mehr als ein Gimmick: Er ist ein Versuch, junge Menschen (wieder) für Glauben zu begeistern.
Denn die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2024 sind mehr als 650.000 Menschen in Deutschland aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten. Gerade unter jungen Erwachsenen sinkt die Bindung rapide. Die Gründe sind vielfältig – doch eines wird deutlich: Die klassischen Gottesdienste erreichen viele nicht mehr.
Swift behandle „zutiefst christliche Aspekte“ in ihrer Musik
Wie stellt man die Verbindung also wieder her? Theresa Hinz hat sich dazu in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Die junge Kirchenmusikerin suchte – und wurde innerhalb ihrer eigenen Familie fündig. Sie habe dort nämlich viele „Swifties“ und wurde im Zuge der Welttournee des Popstars auf die Musik aufmerksam. „In ihren Texten verarbeitet Taylor Swift alle möglichen Lebensphasen, Krisen und Gedanken“, erläutert Hinz. Es gehe um die Suche nach Liebe, Erfüllung und Freundschaft, um Zweifel, ums Hadern, um den Glauben. „Mittlerweile bin ich selbst ein Swiftie!“
Doch wichtig zu betonen ist auch, dass nicht Taylor Swift als Popstar im Mittelpunkt des Gottesdienstes stehen wird – sondern ihre Songtexte, ihre Musik und ihre Verbindung zum Glauben. „Die Lieder behandeln oft Fragen zu moralischer Verantwortung“, merkt Pastoralreferentin Ulrike Erath an. Die Texte würden auch zu Reflexion über Schuld und Vergebung einladen. „Das sind zutiefst christliche Aspekte, die in vielen religiösen Traditionen verankert sind“, so Erath. Taylor Swift selbst engagiere sich öffentlich unter anderem für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, stehe also für Nächstenliebe und Solidarität ein. Swift bezeichnet sich explizit als Christin.
Die wichtigsten Infos auf einen Blick
Der Taylor-Swift-Gottesdienst findet am Samstag, 17. Mai 2025, um 18.30 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche in Balingen statt. Unter dem Motto „Love Story“ erwartet die Besucherinnen und Besucher ein besonderer Abend mit Livemusik, dialogischer Predigt und einer Verbindung aus Swifts Songtexten und biblischen Inhalten.
Trotz moderner Gestaltung bleiben klassische Elemente wie das Vaterunser, der Friedensgruß und der Segen Teil des Gottesdienstes. Im Anschluss lädt die Gemeinde zu Snacks, Cocktails und Gesprächen ein. Organisiert wird der Gottesdienst von der Kirchenmusik Hl. Geist Balingen und dem Dekanat Balingen.
Trotz aller Neuerungen soll der Ablauf bewusst an klassische Gottesdienste angelehnt bleiben. „Es wird zum Beispiel trotzdem den Friedensgruß geben, das Vaterunser, den Segen – Elemente, die den meisten vertraut sind“, sagt Erath. Es gehe nicht darum, die Liturgie abzuschaffen, sondern sie mit anderen Mitteln zugänglich zu machen. Taylor Swifts Musik werde dabei nicht als Ersatz, sondern als Brücke verstanden – zwischen Lebensrealität und Glauben.
Der Gottesdienst wird in Form einer dialogischen Predigt zwischen Erath und Pastoralreferentin Ruth Buchschuster stattfinden. Erath werde zum Beispiel Impulsfragen zu Swifts Song „Lover“ an Buchschuster stellen, die wiederum die Inhalte und den Bezug zu Gott erläutern wird. Zum Song „You Are In Love“ werde man obendrauf Bilder über einen Beamer zeigen. Und die Songs selbst? Die spielt eine eigens hierfür zusammengewürfelte Band mit Theresa Hinz als Frontsängerin. „Es ist wirklich nicht so einfach, wie es klingt“, schildert die Kirchenmusikerin. Swifts Songs bestünden aus komplexen Melodien und Rhythmen, gepaart mit schnellen Texten. „Aber es ist eine Herausforderung, die wir gerne meistern.“

Diese Armbänder sollen beim Gottesdienst verteilt werden. „Love Story“ ist ein Song von Taylor Swift über Romeo und Julia – aber mit gutem Ausgang.
Lea IrionUnd übrigens: Die eingangs erwähnten, bunten Armbänder auf dem Schreibtisch sind mehr als nur Deko. Sie sind ein liebevolles Detail – und eine bewusste Anlehnung an die sogenannten „Friendship Bracelets“, die bei Taylor Swifts „Eras-Tour“ weltweit von Fans getauscht wurden. Jeder Song, jede Ära bekam ihre eigenen Farben, eigenen Botschaften. Auch in Balingen sollen diese Armbänder zum Symbol werden: für Gemeinschaft, für Offenheit – und vielleicht ja auch für eine Kirche, die sich traut, neue Wege zu gehen. Verschenkt werden die Armbänder beim Gottesdienst. Und wer mag, bringt eigene zum Verschenken mit.
Egal, ob zehn oder 100 Menschen kommen
Hinz und Erath sagen, es sei ihnen egal, wie viele Menschen am Ende des Tages kommen. Sie freuen sich über jedes einzelne Gesicht – ob es nun zehn oder 100 sind. „Das ist ja jetzt auch erstmal sowas wie ein Testballon“, betont Hinz mit einem Lächeln. Sie könne sich vorstellen, das mehrmals im Jahr zu machen, vielleicht als Serie. Die evangelische Kirche in Heidelberg jedenfalls hat damit großen Erfolg: Pop-Gottesdienste mit Musik von Pop-Größen wie Taylor Swift, Harry Styles oder Adele sind die Gottesdienste, die regelmäßig im Vorfeld ausgebucht sind – weil der Andrang so groß ist.
Die Heilig-Geist-Kirchengemeinde in Balingen will also zeigen: Popkultur und Kirche, das sind nicht zwangsläufig Gegenpole. Gleichzeitig versteht sie sich auch nicht als Trittbrettfahrerin einer Pop-Ikone. Vielmehr geht es den Veranstalterinnen darum, junge Leute wieder zum Glauben zu führen – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Augenzwinkern, einer Gitarre und vielleicht einem Armband am Handgelenk.

