Talent im Land
: Helfen als Lebensaufgabe – Lucien Smarsly aus Bickelsberg ist Stipendiat

Feuerwehr, Rotes Kreuz, Landesjugendbeirat – und trotzdem ein Abitur mit der Traumnote 1,0: Der Bickelsberger Lucien Smarsly verbindet außergewöhnliches Engagement mit Spitzenleistungen. Ein Stipendium hilft ihm dabei, seinen großen Traum zu verfolgen.
Von
red
Rosenfeld-Bickelsberg
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Lucien Smarsly hat an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen ein Abi mit der Note 1,0 abgelegt.

Lucien Smarsly hat an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen ein Abi mit der Note 1,0 abgelegt.

Lena Mösl
  • Der 19-jährige Lucien Smarsly verbindet Ehrenamt bei Feuerwehr und DRK mit Bestnoten.
  • Er machte an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen ein Abitur mit der Note 1,0.
  • Seit der 7. Klasse aktiv, leitet er heute eine Gruppe beim Jugendrotkreuz und hilft im DRK.
  • Talent im Land förderte ihn mit 200 Euro monatlich und bot Beratung sowie Workshops.
  • Ab August startet er ein FSJ im DRK-Rettungsdienst in Rottweil – danach plant er Medizin in Tübingen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An der Garderobe hängen schwarze und rote Uniformjacken. Die schwarzen trägt Lucien Smarsly bei der Freiwilligen Feuerwehr, die roten beim Deutschen Roten Kreuz. Der 19-Jährige aus dem beschaulichen Bickelsberg im Zollernalbkreis ist stark engagiert und: Er ist Stipendiat von Talent im Land und hat im Juli sein Abitur abgelegt.

Trotz seines umfangreichen ehrenamtlichen Engagements bei der Freiwilligen Feuerwehr und beim Deutschen Roten Kreuz hat Lucien Smarsly an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen ein Abi mit der Note 1,0 abgelegt. Nun genießt er in seinen freien Stunden erst mal die Ruhe im Heimatort Bickelsberg, den er wegen seiner gelebten Gemeinschaft schätzt. Noch fühlt sich sein neuer Lebensabschnitt ungewohnt an. „Irgendwie fehlt was“, sagt er, „aber gleichzeitig bin ich glücklich und aufgeregt, was jetzt kommt.“

Mitglied bei der Feuerwehr und dem DRK

Bereits seit der 7. Klasse engagiert sich der heute 19-Jährige bei der Feuerwehr Bickelsberg. Zudem ist er heute Gruppenleiter beim Jugendrotkreuz und Mitglied der Bereitschaft des DRKs. Dem Abiturienten ist es ein Anliegen, Kindern wichtiges Wissen auf den Lebensweg mitzugeben: „Wenn ich sehe, wie ein neunjähriges Kind beim Jugendrotkreuz einen perfekten Verband anlegt, dann gibt es für mich nichts Schöneres.“

Von Smarslys Begabung und Engagement war auch die Jury des Stipendienprogramms Talent im Land (TiL) beeindruckt. Im September 2023 wurde er als Stipendiat aufgenommen und erhielt fortan eine monatliche Förderung von 200 Euro sowie Zugang zu persönlicher Beratung und vielfältigen Workshops.

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Er kommt aus einer Familie, in der das Geld knapper ist und in der er früh selbstständig werden musste, sagt der Bickelsberger. „Ohne die Förderung von TiL hätte ich es viel schwerer gehabt“, sagt er. Die finanzielle Unterstützung habe ihm die Freiheit gebracht, als Schüler nicht jobben zu müssen, sondern lernen und seinen Ehrenämtern nachgehen zu können.

Gleichzeitig blieb Raum für die kleinen Dinge des Alltags wie etwa ein neues Buch kaufen oder Döner mit Freunden essen zu können. Bei TiL schätzte Lucien Smarsly zudem den Austausch mit gleichgesinnten, engagierten, jungen Menschen, die – wie er – auf dem Weg zum Abitur soziale Hürden überwinden mussten. Nicht zuletzt war der technikaffine junge Mann in der Gruppe ein gefragter Ansprechpartner bei Problemen mit Laptops oder Tablets.

Das Stipendienprogramm Talent im Land

Das Stipendienprogramm Talent im Land unterstützt begabte Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, die aufgrund ihrer Biografie oder ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben, auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife. Finanzielle Förderung, ein begleitendes Seminarprogramm und individuelle Beratung helfen den Jugendlichen dabei, die eigenen Begabungen zu entfalten. Gefördert werden junge Menschen, die in Baden-Württemberg in die Schule gehen und mindestens die 7. Klasse besuchen, gute schulische Leistungen und außerschulische Talente aufweisen, motiviert sind, sich engagieren und das Abitur oder die Fachhochschulreife anstreben.

Gegen die Wehrpflicht

Seit 2025 hat der Bickelsberger zusätzlich ein neues Ehrenamt. Er vertritt im Landesjugendbeirat die Interessen junger Menschen, berät die Landesregierung und fördert die Jugendbeteiligung. „Ich gehe Politikerinnen und Politikern professionell auf die Nerven“, sagt er lächelnd. Unter anderem spricht er sich gegen die Wehrpflicht aus und fordert ein Vetorecht für Jugendliche in jugendpolitischen Fragen. „Und was ist jugendpolitisch? Alles. Alles wird uns irgendwann mal betreffen“, fasst er die Zuständigkeiten weit. „Es kann nicht sein, dass über unseren Kopf hinweg entschieden wird, was wir später ausbaden müssen.“

Von August an beginnt der 19-Jährige ein FSJ beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes in Rottweil im Bereich des Krankentransportes und absolviert zeitgleich die Ausbildung zum Rettungshelfer: „Diese Fähigkeiten kann ich später im Ehrenamt nutzen.“ Anschließend will er an der Universität Tübingen Medizin studieren. Auch dann möchte er für das Rote Kreuz und die Feuerwehr da sein. Die Jacken an der Garderobe werden also weiter gebraucht.