Tafel in Balingen
: Wird in der Adventszeit mehr gespendet?

Weihnachten – die Zeit des Gebens und der Nächstenliebe. Doch ist das wirklich so? Die Tafel in Balingen gibt einen Einblick.
Von
Alexander Reimer
Balingen
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Marktleiter Thomas Hölzel verrät, wie es gerade bei der Balinger Tafel läuft.

Alexander Reimer

Bei der Balinger Tafel herrscht weiterhin großer Andrang. Insbesondere seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs sind die Kundenzahlen drastisch gestiegen. „Wir hatten vor Kriegsbeginn rund 600 Kunden. Mittlerweile sind es knapp 1000“, sagt Tafelleiter Thomas Hölzel.

Die Bedürftigen kommen aber nicht nur aus der Ukraine. Viele Kunden sind Geflüchtete aus Syrien oder Afghanistan. Auch aus der Türkei habe man nach der Erdbeben-Katastrophe im Februar vermehrt Kunden in der Balinger Tafel, sagt der Marktleiter.

Lage hat sich etwas entspannt

Doch immerhin: Laut Hölzel habe sich die Lage mittlerweile etwas beruhigt, die Anzahl der Kunden steige nicht mehr so schnell. „Die große Spitze haben wir mittlerweile wohl überwunden“, sagt er. Die Tendenz zeige aber weiterhin nach oben.

Die Balinger Tafel ist dienstags und freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit herrscht dichtes Gedränge, der Laden ist voll. Die Helfer haben alle Hände voll zu tun. Ein düsteres Bild will Hölzel aber nicht zeichnen. Denn die insgesamt 43 Ehrenamtlichen halten den Laden mit ihrem Engagement am Laufen.

Jeder bekommt weniger

„Mehr Helfer kann man aber immer gebrauchen“, sagt Hölzel. Insbesondere Fahrer werden benötigt. Fahrer, die alle zwei Wochen dienstagmorgens die Bäckereien ansteuern, oder Fahrer, die alle vier Wochen montags und donnerstags die „große Tour“ machen, um die Lebensmittelspenden einzusammeln.

Und Spenden kann die Tafel gerade jetzt gut gebrauchen. „Aufgrund der gestiegenen Kundenzahl, bleibt für jeden weniger. Aber wir versuchen, unsere Waren gerecht zu verteilen“, so Hölzel. Die Kunden können derzeit nur noch ein Mal die Woche im Laden einkaufen und bekommen für ihren Einkauf einen festen einstündigen Zeitrahmen vorgegeben. Dadurch werden auch die Mitarbeiter im Verkauf entlastet, erklärt Hölzel.

Nicht in der Kälte warten

Zugleich wird verhindert, dass sich vor dem Eingang lange Schlangen bilden. Gerade in der kalten Jahreszeit wolle man die Menschen nicht zu lange draußen stehen lassen. Ein Aufnahmestopp, so wie er in vielen Tafelläden in den vergangenen Monaten verhängt werden musste, sei derzeit kein Thema, sagt Hölzel.

Auch wenn der Andrang weiterhin groß ist und jeder weniger bekommt: Schlecht ist die Versorgungslage deswegen noch nicht. Die Regale sind gefüllt. Auch das bevorstehende Weihnachtsfest trägt hierzu bei. „Wir spüren eine höhere Spendenbereitschaft“, so Hölzel. Sammel-Aktionen von Kirchen, Schulen und Kindergärten stoßen dieser Tage auf große Resonanz.

Benötigt werden vor allen Dingen nicht verderbliche Lebensmittel. „Nudeln werden bei Tafeln immer gebraucht“, so Hölzel. Aber auch Hygieneartikel seien eine große Hilfe. Ein Einbruch der Spenden nach den Feiertagen sei trotzdem nicht zu befürchten. Supermärkte, Lebensmittelhändler und weitere regelmäßige Spender aus der Region halten die Versorgung der Tafel aufrecht. „Wünschenswert wäre es natürlich, wenn das ganze Jahr die Spendenbereitschaft so groß wie in der Weihnachtszeit wäre“, sagt Hölzel.