Strasser-Areal in Balingen
: Paukenschlag für die Stadt! Warum nun doch nicht gebaut wird

Es war ein kommunalpolitischer Kraftakt, dann schien eine Lösung gefunden – und jetzt ist alles auf Anfang: Die Stadt Balingen teilt mit, woran das Konzept für das Strasser-Areal gescheitert ist.
Von
swp
Balingen
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Das Strasser-Areal ist -anders als ursprünglich angekündigt- kein Punkt auf der Tagesordnung bei der letzten Sitzung vor Weihnachten.

Alles wieder offen in Sachen Strasser-Areal: Das Vorhaben für das Filetstück der Eyachstadt ist geplatzt. „Es wird völlig neu entschieden werden“, bestätigt Stadtsprecher Dennis Schmidt am Freitagabend.

Cornelius Eyckeler (Archivbild von 2025)
  • Das Bauprojekt Strasser-Areal in Balingen wird nicht umgesetzt; Konzept scheiterte an Kosten und Förderungen.
  • Wohnbaugenossenschaft Balingen zog sich nach Gesprächen mit Interessenten zurück.
  • Geplante Gewerbeflächen für Biomarkt, Bistro und Bäckerei wirtschaftlich nicht darstellbar.
  • Bürgerentscheid und Gemeinderat beschäftigten sich intensiv mit der Zukunft des Areals.
  • Stadt sieht Chance, neue Nutzungen für das Areal gemeinsam mit Bürgerschaft zu entwickeln.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Nachricht gleicht einem Paukenschlag: Das ursprünglich geplante Nutzungskonzept für das heiß diskutierte Strasser-Areal in der Balinger Innenstadt kann nicht umgesetzt werden. Die Wohnbaugenossenschaft Balingen, die das Projekt gemeinsam mit den Münchner Architekten von „nbundm“ entwickelt hat, zieht die Reißleine. Grund sind die gestiegenen Baukosten und fehlende Fördermöglichkeiten. Das Geld fehlt schlicht an allen Ecken und Enden. Dennis Schmidt bestätigte unserer Redaktion am Freitagabend, dass erst einmal nicht gebaut wird. „Ob man darf, kann, muss, wird man sehen – dazu gibt und gab es viele Ansichten.“  Wichtig: „Es wird völlig neu entschieden werden.“

Preise lassen Geschäftsmodelle nicht zu

Vorgesehen war unter anderem eine erdgeschossige Gewerbeeinrichtung mit rund 500 Quadratmetern Fläche für einen Biomarkt mit angeschlossenem Biobistro und Bäckerei. Die Wohnbaugenossenschaft habe in den vergangenen Monaten intensiv an dem Projekt gearbeitet und zahlreiche Gespräche und Verhandlungen mit möglichen Interessenten für die Erdgeschosszonen geführt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Matthias Aigner, geschäftsführender Vorstand der Wohnbaugenossenschaft, berichtet: „Leider müssen wir nach Monaten intensiver Gespräche feststellen, dass aufgrund der allgemeinen Baukonjunktur das Projekt derzeit für viele gewerbliche Interessenten wirtschaftlich nicht darstellbar ist.“ Er führt weiter aus: „Neben einem lokalen Biomarkt wurden auch Gespräche mit einem überregionalen Biomarkt, mehreren Physiotherapien und Ärzten, sowie mit Gastronomen geführt. Leider lassen die jeweiligen Geschäftsmodelle der Gewerbetreibenden die baukonjunkturell benötigten Preise, egal ob zur Miete oder zum Kauf, nicht zu.“

So hätte das Strasser-Areal aussehen können. Doch jetzt kommt alles anders.

So hätte das Strasser-Areal aussehen können. Doch jetzt kommt alles anders.

Visualisierung: Wohnbaugenossenschaft Balingen eG

Aigner betonte, dass bislang lediglich von einer Steuerberatungskanzlei – allerdings nicht für das Erdgeschoss – sowie von Wohnungsnutzern konkrete Interessensbekundungen eingegangen seien. Das entspreche jedoch nicht dem ursprünglich von der Jury festgelegten Konzept.

Strasser-Areal beschäftigt die Bürger

Das gescheiterte Projekt zeigt beispielhaft, wie herausfordernd die aktuelle Bauwirtschaft ist. Explosionsartig gestiegene Kosten, fehlende Fördermöglichkeiten und die angespannte Konjunktur machen es derzeit nicht nur in Balingen schwer, größere Bauprojekte erfolgreich umzusetzen.

Die Zukunft des Strasser-Areals hat den Balinger Gemeinderat und die Bürger im vergangenen Jahr intensiv beschäftigt. Es gab sogar einen umstrittenen Bürgerentscheid. Vor diesem Hintergrund könne die Entscheidung gegen das Konzept auch als Chance verstanden werden, heißt es im Schreiben der Stadtverwaltung. „Als Möglichkeit, zusammen mit Gemeinderat und Bürgerschaft neue und alternative Nutzungen zu denken.“

Der städtische Gebäudebestand ist in die Jahre gekommen, die Kosten für den Sanierungsbedarf schätzt die Stadtverwaltung im hohen zweistelligen Millionenbereich. Vor dem Hintergrund der finanziellen Schieflage, in der sich die Stadt befindet, sei die Zusammenlegung öffentlicher Einrichtungen wie Mediothek, Jugendmusikschule, Volkshochschule, Wissenswerkstatt und Jugendkunstschule denkbar für das Strasser-Areal.