Stadtwerke Balingen
: Viele Herausforderungen – so will der Eigenbetrieb raus aus den roten Zahlen

Äußere Einflüsse wie die Energiekrise und falsche Entscheidungen zwingen die Stadtwerke Balingen nun zum Handeln. Markus Streich spricht von einem anspruchsvollen Weg.
Von
red/ce
Balingen
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Gebäude der Stadtwerke Balingen

Den Stadtwerken Balingen stehen zahlreiche Herausforderungen bevor.

Stadtwerke Balingen
  • Stadtwerke Balingen rutschen ins Minus – Energiekrise und Fehlentscheidungen belasten.
  • Jahresabschluss 2023: minus 1,2 Mio. Euro; zuvor 2022 Gewinn von 300.000 Euro.
  • Prognose: 2024 minus 3,5 Mio., 2025 minus 3,9 Mio., 2026 etwa minus 2,3 Mio.
  • Investitionen werden priorisiert, Fokus auf Strom-, Wasser-, Wärmenetze und digitale Infrastruktur.
  • Keine Entlassungen geplant, Stellen nur bei Wegfall geprüft; Abschlüsse bis Jahresende geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit mehr als 60 Jahren sorgen die Mitarbeitenden der Stadtwerke Balingen dafür, dass Strom und Wasser fließen und die Menschen im Stadtgebiet mit Energie versorgt werden – „eine anspruchsvolle Aufgabe, die durch einschneidende weltweite Ereignisse immer herausfordernder wird“, schreiben die Stadtwerke in einer Mitteilung. Das habe auch die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt. „Um sich fit für die Zukunft zu machen, stellen sich die Stadtwerke gezielt auf die veränderten Verhältnisse ein.“

Die Energiekrise, neue gesetzliche Anforderungen, steigende Kosten sowie die Energie- und Wärmewende stellen Stadtwerke im ganzen Land vor große Herausforderungen. Das betrifft auch die Stadtwerke Balingen.

Russischer Angriffskrieg führte zu Gaspreisanstieg

Die Branche reagiert laut Stadtwerken sensibel auf das Weltgeschehen. „So führten etwa die Reaktionen auf den russischen Angriffskrieg zu einem Gaspreisanstieg von ca. 19 Euro/MWh im Januar 2021 auf ca. 315 Euro/MWh im Sommer 2021.“

Die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie nahm ab, der Bedarf an erneuerbaren Energien wuchs, wodurch für Netzbetreiber weitere Pflichtaufgaben entstehen: Unter anderem müssen laut Mitteilung die Stromnetze zügig ausgebaut werden, denn fast 21 Prozent des Strombedarfs in Balingen werden bereits auch hier durch Wasser, Biogas und Fotovoltaik erzeugt.

Äußere Einflüsse wie diese haben sich in den letzten zehn Jahren gehäuft und die Bedingungen verändert. „Die in diesem schwierigen Umfeld getroffenen strategischen Entscheidungen haben sich rückblickend leider als nicht erfolgreich erwiesen“, räumt der Eigenbetrieb ein.

Noch immer fehlen Jahresabschlüsse

Deshalb musste der Stadtwerkeausschuss in seiner Sitzung am Mittwochabend nach einem positiven Jahresabschluss 2022 mit einem Gewinnüberschuss von 300.000 Euro für das Jahr 2023 einen negativen Jahresabschluss mit minus 1,2 Millionen Euro feststellen.

Für die Jahre 2024 bis 2026 liegen Prognosen vor: Beim Jahresabschluss 2024 ist mit einem Jahresfehlbetrag von 3,5 Millionen Euro zu rechnen, für 2025 mit 3,9 Millionen Euro. Da sich die negative Entwicklung bis ins laufende Wirtschaftsjahr zieht, wurde dem Gremium in der Sitzung  zusätzlich ein geänderter Wirtschaftsplan vorgelegt.

Dieser aktualisierte Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 berücksichtigt die veränderten Rahmenbedingungen. „Zwar wird derzeit ein Jahresfehlbetrag von rund 2,3 Mio. Euro erwartet – die wirtschaftliche Entwicklung wurde inzwischen aber bereits stabilisiert, das Defizit damit deutlich reduziert“, heißt es. In einem Gespräch mit unserer Redaktion kündigte Stadtwerkechef Markus Streich an, bis Ende des Jahres die Abschlüsse unter Dach und Fach haben zu wollen.

Investitionen werden konsequent priorisiert

Die Stadtwerke haben laut eigenen Angaben verschiedene strategische Maßnahmen in die Wege geleitet. Investitionen werden demnach konsequent priorisiert: „Investiert wird weiterhin dort, wo es für eine sichere Versorgung und die Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke notwendig ist, also besonders in die Strom-, Wasser- und Wärmenetze sowie in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Tarife und Geschäftsbereiche werden weiterentwickelt.“

Maßnahmen werden auch im Bereich der internen Organisation und beim Personaletat ergriffen. Entlassungen aufgrund der wirtschaftlichen Lage werde es aber nicht geben, heißt es. Freiwerdende Stellen – zum Beispiel durch Renteneintritt oder Kündigung – werden aber auf ihre unbedingte Notwendigkeit überprüft.

„Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, können wir nicht verändern – unsere Antwort darauf schon“, wird Werkleiter Streich zitiert. „Der Weg, der vor uns liegt, ist anspruchsvoll. Gerade deshalb übernehmen wir Verantwortung, schaffen Klarheit und treffen die notwendigen Entscheidungen. Das heißt, wir krempeln die Ärmel hoch und packen unser Ziel an: die Stadtwerke wirtschaftlich stärken und weiterhin die Bevölkerung und die Unternehmen in Balingen verlässlich versorgen.“