Stadtentwicklungskonzept Geislingen
: So könnte die neue Ortsdurchfahrt aussehen

Die beauftragten Städtebauer schlagen zwei weitere Kreisverkehre in Geislingen vor. Mit gestalterischen Mitteln soll zum Langsamfahren angeregt werden. Daran gab es auch Kritik.
Von
Karin Mitschang
Geislingen
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  • Schluss mit der Durchfahrts-Tristesse in Geislingen: Die Illustration des Stadtbauateliers ISA schlägt viel Grün in der neuen Vorstadtstraße vor.⇥

    Schluss mit der Durchfahrts-Tristesse in Geislingen: Die Illustration des Stadtbauateliers ISA schlägt viel Grün in der neuen Vorstadtstraße vor.⇥

    ISA
  • Stadtgespräch in Geislingen: Prof. Philipp Dechow erklärt die vorgeschlagene Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt).⇥

    Stadtgespräch in Geislingen: Prof. Philipp Dechow erklärt die vorgeschlagene Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt).⇥

    Karin Mitschang
  • Bürgerinformation in Geislingen: Mitreden war angesagt.

    Bürgerinformation in Geislingen: Mitreden war angesagt.

    Karin Mitschang
  • Die Illustration demonstriert die Gestaltungsprinzipien des ISA Internationales Stadtbauatelier für die Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt) in Geislingen.

    Die Illustration demonstriert die Gestaltungsprinzipien des ISA Internationales Stadtbauatelier für die Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt) in Geislingen.

    ISA
  • Bürgerinformation in Geislingen: Prof. Richard Reschl moderierte die Veranstaltung zur Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt).

    Bürgerinformation in Geislingen: Prof. Richard Reschl moderierte die Veranstaltung zur Neugestaltung der Vorstadtstraße (Ortsdurchfahrt).

    Karin Mitschang
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Kritische Anmerkungen, aber auch viel Lob für ihre Vision für die Geislinger Ortsdurchfahrt haben die Stadtplaner am Mittwochabend in Geislingen geerntet. Zum Stadtgespräch hatte Bürgermeister Oliver Schmid eingeladen, der sich über etwa 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger freute, die ihre Meinungen äußern sollten. Schmid: „Wir stehen noch ganz am Anfang, wollen Sie alle aber frühzeitig mit ins Boot holen.“

Die Neugestaltung und Sanierung der Vorstadtstraße finde im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts und Lärmaktionsplans statt, erklärte der Schultes. Schon bisher haben sich viele Bürgerinnen und Bürger bei Veranstaltungen eingebracht und Ideen mitentwickelt.

Optische Signale

Prof. Richard Reschl und Prof. Philipp Dechow stellten die Gestaltungsprinzipien des Internationalen Stadtbauateliers (ISA) vor und zeigten auch erste Entwürfe und Illustrationen. Derzeit rege trotz 30er-Zone der Ausbau der Vorstadtstraße eher zum Schnellfahren an. Diese soll daher auf 6,50 Meter verengt und optisch an den Straßenrändern so gestaltet werden, dass sie noch enger wirkt.

Mit viel Grün, teilweiser Entsiegelung, mehreren Parkplätzen auf Rasengittersteinen und ohne Bus-Buchten soll insgesamt die Aufenthaltsqualität für Fußgänger stark erhöht werden. An der Kirche soll ein bis zu fünf Meter breiter Gehweg eingerichtet werden – erfreulich für Hochzeitsgesellschaften, hieß es. Dechow: „Bisher fällt man ja von der Treppe quasi auf die Straße.“

Kein Radweg geplant

Aufgrund mehrerer Engstellen im Verlauf der gesamten Vorstadtstraße sei ein Radweg nicht durchgehend möglich – und werde daher auch nicht vorgeschlagen. „Zerstückelt macht es keinen Sinn“, sagte Dechow. Radfahrer müssen somit theoretisch auf der Straße fahren. Als schöne „Visitenkarte“ der Gemeinde mit neu gestalteten Stadteingängen soll in Zukunft signalisiert werden: „Geislingen hat viel Schönes zu bieten. Wir wollen es aus dem Dornröschenschlaf holen.“ Mit sieben Baumgruppen und etlichen Wildblumeninseln würde auch das Mikroklima verbessert. Möglicherweise könne in Grünflächen auch Oberflächenwasser versickern.

Sowohl an der Kirche, als auch bei Kleider Müller im Osten schlagen die Planer einen Kreisverkehr vor. „Das hat zum einen einen verkehrsberuhigenden Effekt, und zum anderen fließt er aber auch besser“, meinte Dechow. Er zitierte Untersuchungen, nach denen bei Tempo 30 sogar mehr Fahrzeuge durch eine Straße geschleust werden als bei Tempo 50. An der Kirche sei ein großer Kreisverkehr mit 26 Metern Durchmesser geplant, erklärte Stadtbaumeister Markus Buck. „Das ist durch den Abriss der Scheune dort möglich.“

Auch wenn später die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Ortsdurchfahrt wieder aufgehoben würde, wäre die neu gestaltete Straße dafür gewappnet. Busse kämen problemlos bei der Breite von 6,50 Metern aneinander vorbei, betonten die Experten. Wenn es Probleme gibt, müssten die Fahrzeuge auch mal auf den Gehweg ausweichen. „Ich sehe jetzt schon ihre Blumeninseln kaputt“, witzelte ein Zuhörer.

Mehrere Geislinger jüngeren Semesters kritisierten, dass die Bus-Buchten entfallen sollen. „Wir haben doch jetzt schon so viel Rückstau bis zum Ortsausgang.“ Ohne eine Ortsumfahrung werde es nach der Veränderung noch schlimmer. Die Stadtplaner sagten, dass man eben Autofahrern das Durchfahren in Geislingen auch nicht mehr schmackhaft machen wolle. Mittlerweile sei das Halten der Busse auf der Straße üblich und werde auch beispielsweise in Stuttgart so geplant. Vorteil sei, dass der Bus selbst schneller vorankomme, weil er unmittelbar weiter könne.

Regierungspräsident kommt

Der Bürgermeister fügte hinzu, dass der Verkehr zur Autobahn nicht durch Geislingen gehen sollte. Er habe schon von mehreren Unternehmern erfahren, dass sie im Zuge der Neugestaltung in Geislingen investieren wollten, unter anderem am östlichen Kreisel. In wenigen Wochen wolle sich der Regierungspräsident Klaus Tappeser vor Ort ein Bild von der Landstraße machen, die teils „katastrophal“ aussehe.

Planer und Verwaltung nahmen einiges an Lob und Verbesserungsvorschlägen mit auf den Weg. Etwa den, die Haltestelle, an der viele Schüler aussteigen, von der Kirche in Richtung Schlossplatz zu verlegen. Oder den, statt reparaturanfälligen Pflasters andere Beläge zu erwägen. Moderator Reschl betonte, die Umstellung sei für alle Verkehrsteilnehmer ein Lernprozess. Man könne nach dem ersten Abschnitt im Westen auch Dinge verändern und im weiteren Bau anpassen.

Ersten Bauabschnitt im Herbst beauftragen

Mittel aus dem Landessanierungsprogramm sollen Land und Stadt bei der Umsetzung der Neugestaltung der Ortsdurchfahrt in der Vorstadtstraße zur Verfügung stehen. Ein erster Bauabschnitt soll von der St.-Ulrich-Kirche bis zur Abzweigung der Konrad-Adenauer-Straße reichen.

Der am 9. Juni neu gewählte Gemeinderat soll voraussichtlich nach den Sommerferien über den Umbau entscheiden. Die Anwohner in der Vorstadtstraße, die von den Planern schon eine Woche zuvor über die geplante Gestaltung informiert wurden, müssen nach Baustart (Termin steht noch nicht fest) mit neun Monaten Bauzeit rechnen, hieß es beim Stadtgespräch.