Stadtgeschichte Balingen: Seit 50 Jahren eine Große Kreisstadt

Der Marktplatz ist das Zentrum der Großen Kreisstadt Balingen, die seit nunmehr 50 Jahren besteht. Ihre Geschichte ist bewegt.⇥
Sebastian BuckAm 1. Januar 1974 wurde die Kreisstadt des damals neugebildeten Zollernalbkreises zur Großen Kreisstadt erklärt und reihte sich damit in den Reigen der Großen Kreisstädte ein. Balingens Stadtarchivarin Nicole Scheletz hat den Weg der Erhebung zur Großen Kreisstadt zusammengefasst und stellt dar, dass der verliehene Titel weitaus mehr als nur eine äußerlich geänderte Bezeichnung bedeutet.
Schon immer eine Amtsstadt
Rückblickend war die Stadt Balingen schon immer eine Amtsstadt, erklärt die Stadtarchivarin. Als sie im Jahre 1255 zur Stadt erhoben wurde, war sie Sitz der Schalksburgherrschaft. Auch als Balingen und die umliegenden Gemeinden württembergisch wurden, blieb der Sitz der Obervögte in Balingen. Nach den Obervögten kamen im Jahr 1759 die Oberamtmänner und danach die Landräte und Landkreise – immer ist Balingen Sitz der zugehörigen Einheit auf Kreisebene geblieben.
Die Erklärung zur Großen Kreisstadt stellt in Balingens Stadtgeschichte ein Ereignis dar, das die bisherige kleinstädtische Entwicklung zu einem gewissen Abschluss brachte. Bedeutend für die Entwicklung zur Großen Kreisstadt war die Amtszeit von Albert Hagenbuch. Als Hagenbuch im Jahr 1955 das Amt des Bürgermeisters antrat, hatte die Stadt mit steigendem Bevölkerungszuwachs zu kämpfen. Von 1946 bis 1955 stieg die Einwohnerzahl um mehr als 60 Prozent auf 10 800 Einwohner. Balingen drohte förmlich aus allen Nähten zu platzen. Jedoch spricht dies für Balingens Anziehungskraft und Ausstrahlungskraft als wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt, erklärt Scheletz.
Freiwillige Eingemeindung
Anschließend folgte die Gemeindereform, die Hagenbuch mit Tatkraft und Engagement bewerkstelligte. Die einst selbstständigen Gemeinden entschieden sich, mit der Stadt gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Durch die freiwilligen Eingemeindungen von Streichen, Ostdorf, Endingen, Erzingen, Zillhausen und Engstlatt zur Stadt Balingen zählte sie im Jahre 1973 mehr als 20 000 Einwohner. Damit erfüllte die Kreisstadt die geforderte Voraussetzung, um zur Großen Kreisstadt erhoben zu werden. Das Gelingen der Eingemeindungsreform war maßgeblich Albert Hagenbuchs Verdienst, der vorerst die sechs genannten Gemeinden zur Großen Kreisstadt zusammenschloss. Die Eingemeindungen von Frommern und Weilstetten standen hingegen noch aus und erwiesen sich als besonders schwer. Unter Würdigung der Leistungskraft der Verwaltung, der zentralörtlichen Funktion und der räumlichen Lage zwischen dem mittleren Neckarraum und dem Gebiet um Villingen-Schwenningen, ist Balingen durch Beschluss der Landesregierung vom 11. Dezember 1973 auf den 1. Januar 1974 zur Großen Kreisstadt erklärt worden, wie aus den Akten des Stadtarchivs zu entnehmen ist. Ab nun zählte die Stadt Balingen zu den zwölf „Großen Kreisstädten“ des Regierungsbezirks Tübingen, und Albert Hagenbuch wurde zum allerersten Oberbürgermeister der neu zusammengefügten Stadt Balingen ernannt.
Für die Stadt Balingen war diese formale Erhebung ein bedeutsames Ereignis, das ihr den Rang innerhalb der Städte und Gemeinden des Landes zuwies und ihr obendrein neue Rechte verlieh.
Denn zuvor war die Stadt Balingen unter den Städten und Gemeinden des Landes rechtlich gesehen eine unter vielen. „Allerdings wird mit der Erklärung zur Großen Kreisstadt auch ihre lange, zielstrebige und fortschrittliche Aufwärtsentwicklung anerkannt“, betont Stadtarchivarin Nicole Scheletz abschließend.
Anlässlich des Stadtjubiläums wird es im Rahmen des Bürgertreffs am 13. Januar eine Gesprächsrunde zum Thema „Die Bedeutung kommunalpolitischer Entscheidungen für den Erfolg von Balingen“ geben, die von Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia moderiert wird.