Pflege- und Gesundheitskonferenz in Balingen: Die Gesundheit der Zukunft

Im Digital Health Truck konnten verschiedene Gesundheitsanwendungen ausprobiert werden.
Andrea Maute- Digitalisierung Hauptthema der Pflege- und Gesundheitskonferenz.
- Elektronische Patientenakte (ePA) ab 2025 für alle Versicherten.
- ePA bietet lebenslange Übersicht über Gesundheitsdokumente.
- Krankenkassen und Behörden haben keinen Zugriff auf ePA.
- Digital Health Truck präsentierte smarte Medizinprodukte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ob elektronische Patientenakte (ePA) oder Gesundheits-App: Begriffe wie diese begegnen uns im Alltag immer häufiger, werfen allerdings auch viele Fragen auf. Vor allem erstere ist momentan in aller Munde, denn im Jahr 2025 soll sie jeder gesetzlich Versicherte, der keinen Widerspruch leistet, erhalten. Was von der elektronischen Patientenakte zu erwarten ist und wie sie funktioniert – darauf ging in seinem Vortrag der Digital-Health-Experte Jörg Schiemann ein.
Ganz neu, so machte er zu Beginn deutlich, ist die ePA allerdings nicht, denn erhältlich ist sie bereits seit 2021. „Wenn sie die Versicherten nutzen wollten, mussten sie bislang allerdings aktiv zustimmen beziehungsweise tätig werden“, erklärte der Experte.
2025 kommt die ePA für alle
1,5 Millionen Menschen, so zeigen es aktuelle Zahlen, haben sich seit dem Start eine solche Patientenakte angelegt. Zu wenig, befindet das Bundesministerium für Gesundheit. Uns so kommt sie 2025 nun automatisch für alle Versicherten – es sei denn, sie leisten Widerspruch.
Auf den Punkt gebracht, ist die ePA das zentrale Element der vernetzten Gesundheitsversorgung. „Sie bietet eine lebenslange Übersicht über alle wichtigen Dokumente“, erläuterte Jörg Schiemann. Verpflichtet, die Akte zu befüllen, seien Ärzte und Psychotherapeuten, wobei die Zugriffsberechtigung nur für Institutionen (Praxen, Krankenhäuser, Apotheken), nicht aber für den einzelnen Arzt gelte. Keinen lesenden Zugriff hätten Krankenkassen, Behörden und IT-Dienstleister.
Angst, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, müssten die Versicherten indes nicht haben. „Sie entscheiden, was drinsteht und wer Zugriff hat.“ Auch könne der Versicherte Dokumente verbergen oder löschen; zum Beispiel, wenn er nicht möchte, dass bestimmte Krankheiten wie etwa HIV aufgeführt sind. Hier gebe es allerdings ein Aber, machte der Experte deutlich. Denn trotz eines direkten Widerspruchs könnte die Krankheit etwa anhand der Medikamentenliste erkannt werden.
Ungewollte Wechselwirkungen vermeiden
Apropos Medikamentenliste: Ein wichtiger Aspekt der elektronischen Patientenakte ist, dass durch sie ungewollte Wechselwirkungen von Arzneimitteln künftig bestmöglich vermieden werden.
Ein Zugriff auf die Akte sei nur im Kontext einer aktuellen Behandlung möglich und erlaubt, erklärte Jörg Schiemann. Nachgewiesen werde eine aktuelle Behandlung durch das Stecken der elektronischen Gesundheitskarte beim Arzt. „Praxen und Krankenhäuser bekommen dann automatisch 90 Tage Zugriff auf die ePA.“

Digital-Health-Experte Jörg Schiemann.
Andrea MauteWo finden Versicherte die ePA ihrer Krankenkasse? Zum einen auf der entsprechenden Webseite, zum anderen aber auch im App-Store und auf der zentralen gematik-Webseite.
Für alle, die kein Smartphone besitzen, sei der Zugriff auf die Akte auch über Desktop/Laptop möglich. In ausgewählten Apotheken gebe es außerdem entsprechende Terminals. „Die neu eingerichteten Ombudsstellen der Krankenkassen helfen den Versicherten gerne weiter und beraten sie zu diesem Thema“, ließ der Experte wissen.
Die Digitalisierung – sie vereinfacht, wie Landrat Günther-Martin Pauli hervorhob, Geschäftsvorgänge und ermöglicht mehr Bürgerservice. Im Bereich Gesundheit kann insbesondere der ländliche Raum von ihr profitieren.
Digital Health Truck macht Station beim Landratsamt
„Digitale Technologien sind da. Sie müssen nur umgesetzt und genutzt werden“, betonte Richard Händel von der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg. Er stellte bei der Konferenz den Digital Health Truck vor; ein Fahrzeug, das Ausstellungsstücke und technische Entwicklungen zur digitalen Gesundheit zu den Bürgern bringt.
Im Truck, der auf dem Hof vor dem Landratsamt Station machte, sind zum Beispiel smarte Medizinprodukte für den Heimgebrauch wie 1-Kanal-EKG, Blutdruckmessgeräte und Fieberthermometer, aber auch VR-Brillen und Telemedizin-Rucksäcke enthalten. Alle Interessierten hatten die Möglichkeit, die verschiedenen Gesundheitsanwendungen direkt vor Ort auszuprobieren. Beratung zu verschiedenen Gesundheitsthemen boten außerdem AOK, DAK, Pflegestützpunkt Zollernalb und VHS an.
Der Zeitplan für die Einführung der ePA
Am 15. Januar 2025 startet die ePA für alle. Zunächst wird sie dabei vier bis sechs Wochen lang in zwei Modellregionen getestet.
Ab Anfang März 2025 ist sie dann für alle deutschlandweit nutzbar.
Im digitalen Medikationsprozess sollen ab Mitte 2025 die Medikationsliste, der elektronische Medikationsplan und Informationen zur Arzneimitteltherapiesicherheit zusammengeführt werden.
Weitere Informationen gibt es unter www.bundesgesundheitsministerium.de/elektronische-patientenakte.
