Neue Selbsthilfegruppe (p)DIS in Hechingen
: „Wir nehmen uns selbst als viele wahr“

Austausch, Verständnis, Gemeinsamkeit – das soll die Selbsthilfegruppe für Menschen mit (partieller) Dissoziativer Identitätsstörung fördern, die in Hechingen ins Leben gerufen wird.
Von
Andrea Maute
Hechingen
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Die Gruppentreffen werden in den Räumlichkeiten der SOPHI Zollernalb in Hechingen stattfinden.

Die Gruppentreffen werden in den Räumlichkeiten der SOPHI Zollernalb in Hechingen stattfinden.

Ernst Klett
  • In Hechingen entsteht eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit (partieller) DIS.
  • Treffen finden bei SOPHIE Zollernalb e.V., Obertorplatz 16, statt – geplant ist monatlich.
  • Ziel ist Austausch auf Augenhöhe, Aufklärung und ein geschützter Rahmen ohne Therapieersatz.
  • Teilnahme nur nach Anmeldung per WhatsApp an 015757804982 oder Mail an strider7th@gmx.de.
  • Strider betont: Vernetzung, Fusion und Integration fördern inneres Miteinander und Stabilität.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Wir sind viele, und wir teilen uns ein Leben“: Für Menschen mit einer (partiellen) Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) ist dieser Satz keine Metapher, sondern tägliche Realität. Das Leben mit einer (partiellen) DIS bedeutet meist, nach außen zu funktionieren, während im Inneren intensive Dialoge herrschen. Der Alltag ist jedoch häufig geprägt von Kontrollverlusten, Amnesien, Ängsten und Dissoziationen.

Daimon, der Sprecher von System Strider, weiß, wie sich das anfühlt. „Erstmals die eigene Symptomatik zu begreifen, bedeutet meist auch, auf ein Umfeld zu treffen, das diese Dynamiken nicht nachvollziehen kann“, erklärt er. Und das dementsprechend mit Unverständnis und Fehldeutungen reagiert.

Sich nach außen erklären und rechtfertigen zu müssen – das ist für viele Betroffene leidvolle Realität. Strider möchte ihnen deshalb einen geschützten Raum bieten, in dem gegenseitiger Respekt herrscht, der den freiwilligen Austausch fördert und in dem den Menschen vermittelt wird: Niemand muss mit seinen Erfahrungen alleine bleiben.

Austausch auf Augenhöhe

In Hechingen will er deshalb die Selbsthilfegruppe (p)DIS ins Leben rufen, die Austausch, Verständnis und Gemeinsamkeit fördert und einen sachlichen Rahmen für alle bildet, die sich selbst als viele wahrnehmen. In der Gruppe sollen sie die Möglichkeit bekommen, „Erfahrungen mit der eigenen Innenwelt auf Augenhöhe auszutauschen.“

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Über solche Erfahrungen verfügt auch der Gruppengründer, der über sich selbst sagt: „Ich habe meine Kindheit überlebt. Mit `ICH` meine ich ein System aus mehreren Persönlichkeiten. Meine Identitätsstruktur ist fragmentiert. Wir sind System `Strider`“.

Vernetzung, Fusion und Integration sind Wege zu einem inneren Miteinander und Stabilität, auch wenn es im klassischen Sinne keine „Heilung“ durch Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes gibt.

Vernetzung, Fusion und Integration sind Wege zu einem inneren Miteinander und Stabilität, auch wenn es im klassischen Sinne keine „Heilung“ durch Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes gibt.

Strider

Dass etwas nicht in Ordnung ist, habe er bei sich schon seit jeher gespürt. „Die Hinweise waren schon immer da, ich konnte sie nur nicht sehen. Es war wie ein blinder Fleck“, beschreibt er diesen Zustand. Wie bei vielen anderen Betroffenen dauerte es deshalb auch bei ihm lange, bis er ihn benennen konnte. „Erst seit einem Jahr ist klar, dass wir eine DIS haben“, berichtet Strider, der sich im Zuge der Ursachenforschung viel mit Verhaltenstherapie befasst hat.

Eine der gravierendsten Traumafolgestörungen

Um die Zusammenhänge zu begreifen, muss man bis in die frühe Kindheit zurückgehen. „Ein Kleinkind bildet bis zum Alter von etwa fünf Jahren ein Selbst aus vielen getrennten Zuständen heraus. Es ist der Prozess, aus Geräuschen, Bildern, Gerüchen, Berührungen und Bewegungen ein kohärentes Selbst zu bilden: ein Ich-Gefühl.“ Integration entstehe erst allmählich. Werde dieser Prozess durch Traumata gestört, greife beim Menschen ein Schutzmechanismus. „Das Gehirn speichert die belastenden Erfahrungen und zugehörigen Selbstzustände ab, ohne sie zu verarbeiten oder zu integrieren.“

Die (p)DIS sei „eine der gravierendsten Traumafolgestörungen überhaupt“ und basiere für gewöhnlich auf schwerster Kindesmisshandlung, „häufig unter lange anhaltenden lebensfeindlichen Bedingungen innerhalb der eigenen Familie oder des näheren Umfelds.“ Trotzdem verspüre die oder der Betroffene Scham, Schuldgefühle und Zweifel, die dem Umfeld jedoch meist verborgen blieben. „Die Alltagsmaskerade funktioniert sehr gut. Doch im Inneren vollziehen sich intensive Dialoge und Konflikte“, weiß der Gruppengründer.

Da DIS ein sehr komplexes Krankheitsbild ist, sei es schwierig, sie zu diagnostizieren. Die Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern wie ADHS, Bipolare Störung oder Borderline falle nicht selten selbst Fachleuten schwer. Erschwerend hinzu komme, dass sich die Suche nach einem Therapieplatz oft als hohe Hürde erweise.

Umso wichtiger sei die Hilfe zur Selbsthilfe; der geschützte Raum, in dem jede und jeder selbst bestimmt, was sie oder er mit den anderen teilen will und in dem das, was besprochen wird, auch dort bleibt.

Aufklärungsarbeit leisten

Die Gruppe soll jedoch nicht nur Anlaufstelle sein. Da immer auch die Angehörigen mit im Boot sind, möchte Strider gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten. So könnte er sich etwa vorstellen, separate Treffen als Informationsveranstaltungen zu gestalten und dazu eventuell Fachreferenten einzuladen.

Austausch, das Knüpfen von sozialen Kontakten und Aufklärung sollen also Hand in Hand gehen. „Denn was wir erlebt und daraus gelernt haben, soll nicht umsonst gewesen sein“, betont er.

Vernetzung, Fusion und Integration – für den Gruppengründer sind das Wege zu einem inneren Miteinander und Stabilität – auch wenn es, wie er deutlich macht, „im klassischen Sinne keine `Heilung` durch Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes gibt.“

„Wir stellen keine Diagnosen, wir machen kein Coaching. Diese Gruppe ersetzt keine Therapie“, stellt er klar. Sehr wohl vermittle sie allerdings die heilsame Erfahrung: Ich bin nicht alleine. „Und das zu wissen, kann sehr befreiend sein.“

Die Selbsthilfegruppe (p)DIS

Die Gruppentreffen finden in Hechingen in den Räumlichkeiten der SOPHIE Zollernalb e.V., Obertorplatz 16, statt.

Geplant ist, die Treffen einmal monatlich zu veranstalten.

Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Diese kann per WhatsApp an Strider, Tel. 015757804982, oder unter der Mail-Adresse strider7th@gmx.de erfolgen.

Ansprechpartner für die Selbsthilfegruppen im Raum Neckar-Alb ist die Kontakt- und Informationsveranstaltung für gesundheitsbezogene Selbsthilfe der AOK Neckar-Alb (KIGS).