Neue Antidiskriminierungsstelle des Zollernalbkreises
: "Diskriminierung ist oft leise und subtil – aber immer verletzend"

In der Antidiskriminierungsstelle des Zollernalbkreises gibt es nicht nur Hilfe für Betroffene. Die Mitarbeiterinnen möchten auch aufklären.
Von
Andrea Maute
Balingen
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Selina Nna, Anna Dörenkamp und Annelie Sanyang konnten bei der Eröffnung zahlreiche Gäste begrüßen.

Selina Nna, Anna Dörenkamp und Annelie Sanyang konnten bei der Eröffnung zahlreiche Gäste begrüßen.

Andrea Maute
  • Neue Antidiskriminierungsstelle in Balingen eröffnet.
  • Selina Nna, Anna Dörenkamp und Annelie Sanyang begrüßen Gäste.
  • Diskriminierung ist oft subtil, aber immer verletzend.
  • Beratung kostenlos, anonym, für Kinder und Erwachsene.
  • Austausch in geschützten Räumen für Betroffene.
  • Finanzierung der Stelle noch unsicher.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen: Rund 10.800 Menschen haben sich laut des entsprechenden Berichts im Jahr 2023 an das Beratungsteam der unabhängigen Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewendet. Dies markiert nicht nur einen Anstieg um 22 Prozent zum Vorjahr. Es ist auch ein Rekordhoch.

„Fast jeder Mensch kann früher oder später Diskriminierung erfahren“, sagt die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman. Ähnlich formulieren es Selina Nna, Anna Dörenkamp, und Annelie Sanyang vom Verein für Antidiskriminierungsarbeit im Zollernalbkreis: „Diskriminierung betrifft uns alle.“ Umso wichtiger sei es, sich „gemeinsam gegen Diskriminierung und für Vielfalt und Gleichberechtigung einzusetzen.“

Der Zollernalbkreis hat dies getan und signalisiert mit der neuen Antidiskriminierungsstelle: Wir schauen nicht weg, sondern setzen ein klares Zeichen.

Schritt zu einer respektvollen Gesellschaft

Wie Sozialdezernent Georg Link bei der Eröffnungsfeier betonte, ist dies „ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer offenen, respektvollen und vielfältigen Gesellschaft.“ Gemeinsam wolle man ein Umfeld fördern, in dem sich alle sicher und willkommen fühlen. Passend zu diesem Gedanken überreichte er den Mitarbeiterinnen Selina Nna, Anna Dörenkamp und Annelie Sanyang, denen er „viel Mut und Zuversicht“ für ihre Arbeit wünschte, unter anderem eine Blumenmischung, die unter dem Motto „Mitmachen, Vielfalt erleben“ die aktive Teilhabe an der Verbesserung der Lebensqualität für Insekten und Menschen fördert.

Auch Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia, der eigens für die Eröffnung seinen Urlaub unterbrochen hatte, ließ es sich nicht nehmen, dem „Frauenpower-Team“ zu gratulieren. „Dies ist ein besonderer Tag für Balingen und den Zollernalbkreis“, betonte er, denn nun gebe es auch hier „einen sicheren Hafen“ für betroffene Menschen.

Diese können in der Richard-Strauß-Straße 5 künftig Beratung in Anspruch nehmen, die kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym ist und sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene wendet.

Mit „Somewhere over the Rainbow“ eröffnete Sängerin Juandalynn Abernathy die Feier.

Mit „Somewhere over the Rainbow“ eröffnete Sängerin Juandalynn Abernathy die Feier.

Andrea Maute

Um den Menschen die Hemmschwelle zu nehmen, hier Hilfe zu suchen, war es den Mitarbeiterinnen wichtig zu vermitteln, wie die Beratung abläuft. „Wir hören ihnen zu, nehmen ihre Erfahrungen ernst und schätzen die Situation ein“, ließen sie wissen. Gemeinsam werden nicht nur Lösungsansätze erarbeitet. Die Hilfesuchenden erhalten auch Informationen über ihre Rechte.

Anlaufstelle ist die neue Einrichtung für alle, die benachteiligt, abgewertet oder ausgegrenzt werden – etwa durch rassistische Zuschreibung, Herkunft, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Alter. Sich ihnen anzunehmen, ist jedoch nur eine Facette der Arbeit. Großgeschrieben wird ferner auch die Sensibilisierung.

Diese ist ein präventives Angebot, das sich an alle Interessierten, Gruppen und Organisationen wendet – sei es an Mitarbeitende von Bildungseinrichtungen, Firmen und Behörden oder an Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen. Denn Diskriminierung – das ist nicht immer das Offensichtliche, Brachiale. „Oft ist sie auch leise und subtil. Aber immer verletzend“, machte Annelie Sanyang deutlich.

Das Leid der Betroffenen

Wie tiefgreifend die Verletzungen sein können, die sie zufügt, vermittelte den Anwesenden Loo Krein. Als junge, queere Frau mit Migrationshintergrund und einer Mutter, die kein Deutsch spricht, weiß sie um das Ausgeschlossensein und das Leid. „Gefühle, Träume, Wünsche und Ängste sprechen keine Sprache“, sagte sie am Ende ihres bewegenden, emotionalen Grußwortes.

Um die Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu stärken, um ihnen zu helfen, selbstbewusst damit umzugehen, ist es auch wichtig, dass eine Möglichkeit zum Austausch besteht. In der Antidiskriminierungsstelle des Zollernalbkreises können Betroffene bei regelmäßigen Treffen in geschützten Räumen zusammenkommen und sich gegenseitig dabei helfen, ihre Erfahrungen und Gefühle besser zu verstehen.

Die finanzielle Zukunft der Stelle ist indes noch nicht gesichert. Ohne sie, machte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes BW, Dr. Nina Guérin, deutlich, würde der Landkreis jedoch viel verlieren.

Die Antidiskriminierungsstelle des Zollernalbkreises: hier gibt es Rat und Hilfe

Die Mitarbeiterinnen der Antidiskriminierungsstelle in der Richard-Strauß-Straße 5 (Eingang 2) in Balingen sind per E-Mail an info@adiz-ev.de und unter der Telefonnummer (0160) 2 01 95 99 zu erreichen.

Mehr Informationen findet man auch online unter www.adiz-ev.de.