Mostbesen Engstlatt
: „Außer Schnee hatten wir schon alles“

Die Gäste sitzen dicht an dicht: Der Mostbesen in Engstlatt kommt trotz frischer Witterung ohne Heizgeräte aus. Bis Freitag ist allerhand geboten.
Von
Volker Schweizer
Balingen
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Prosit mit Most statt Bierfassanstich: Musikvereins-Vorsitzender Eugen Renz (links) und Ortsvorsteher Klaus Jetter gaben den Startschuss für das siebentägige Fest.

Prosit mit Most statt Bierfassanstich: Musikvereins-Vorsitzender Eugen Renz (links) und Ortsvorsteher Klaus Jetter gaben den Startschuss für das siebentägige Fest.

Volker Schweizer

Ungewöhnlich früh dieses Jahr ist der Herbst hereingezogen. Und deshalb ist das Wetter wieder gerade in aller Munde. Die Engstlatter haderten am Wochenende nicht mit Petrus‘ Launen, sie und ihre Gäste kamen – gut ausgestattet mit dicker Jacke oder warmen Pullover – in den Mostbesen des Musikvereins, um dicht an dicht zu feiern, deftig zu essen und vor allem von den alkoholischen Schätzen der Streuobstwiesen zu kosten. Sogar Glühmost gab es, der Temperaturen angemessen. Heizgeräte brauchte es aber auch deswegen keine.

Voraus zog, wie es mittlerweile schon Brauch ist, zum Auftakt am Samstagabend ein klingendes Umzügle durch die Caspar-Nagel- und die Hechinger Straße. Auf dem Festgelände beim Bauhof angekommen, erklang unter der Leitung von Dirigent Jürgen Schnitzler unter anderem die „Schöne Serenade“. Vorsitzender Eugen Renz brachte zum Ausdruck, dass er auf ein friedliches Fest hoffe – ohne Streit, Security, Absperrgitter und Einlasskontrollen. Wer zu tief ins Glas geschaut habe, solle das „Mostbähnle“ nutzen, rief Ortsvorsteher Klaus Jetter den Besuchern zu. Darunter waren auch viele Heselwanger, was laut Ortsvorsteher von „guter Nachbarschaft“ zeuge.

Einst fegte ein Orkan über Engstlatt

Die Gastgeber sind mittlerweile eingespielt – für den Aufbau brauchten sie gerademal sechs Stunden – und ließen sich von Temperaturen, die am ersten Abend gerade mal die Zehn-Grad-Marke kratzten, nicht aus der Ruhe bringen. „Außer Schnee hatten wir schon alles“, scherzte Eugen Renz mit Blick gen Himmel. In den Vorjahren gewitterte und schüttete es schon wie wild, einmal wütete sogar ein Orkan über Engstlatt.

Was das Essen und die Getränke angeht, macht das Team, das auch dieses Jahr aus mehr als 40 Helfern  besteht, keine Kompromisse. Da kann es noch so heiß oder kalt sein, die Speisekarte ist immer die gleiche. Selbst bei Temperaturen jenseits der 30 Grad kommen Kassler mit Sauerkraut und Bratwürste auf den Tisch. Weintrinker sitzen auch dieses Jahr auf dem Trockenen. Schließlich ist das Fest mit Mostbesen überschrieben, die Auswahl dementsprechend groß. Der Obstwein wird in einem Krug serviert, die hochprozentigen Sachen, wie zum Beispiel die „Heiße Witwe“ und die „Birna Colada“, im Schnapsglas. Außerdem im Angebot: der „Twister“, ein Cocktail aus Most, Orangensaft und Aperol, und ein Mixgetränk, das sich „Rosa Rauch“ nennt und aus Most, Soda, Vodka, Sekt und Grenadine besteht. Wer trotz vollem Magen noch Lust auf was Süßes verspürt, kann sich eine „Heiße Musikerliebe“ gönnen – ein Vanilleeis mit Beeren.

Bunte musikalische Unterhaltung

Das Obst für den Most stammt von Bäumen, die allesamt in Engstlatt stehen. Die Musikerinnen und Musiker sammelten mit Erlaubnis vieler Wiesenbesitzer Äpfel, Birnen und Co. ein und brachten die wertvolle Fracht in eine Mosterei nach Owingen. Herausgekommen sind gut 2000 Liter. Das Musikergetränk machte bei der alljährigen Mostprämierung des Albvereins Engstlatt den ersten Platz, zum allerersten Mal.

Wer dem launigen Treiben noch einen Besuch abstatten möchte, hat dazu noch Zeit. Der Mostbesen endet erst am Freitag, hat täglich von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Wenn die Wetterprognosen stimmen, können die Gäste ab Mitte der Woche im Freien sitzen. An musikalischer Unterhaltung mangelt es an allen Tagen nicht. Das Duo „Arnold und Peter“ lädt am Montag, zum Besensingen ein, beim Heimatabend am Dienstag, 17. September, tritt ein weiteres Mal die „Original Engstlatter Besenmusik“ auf. Am Mittwoch, 18. September, kommt mit Jens Neher, Gerd und Ralf Edelmann, Adrian Hummel, Karl Helble und Rüdi Merz die „Plettenberg Stammtischmusig“ in den Besen. Eine Premiere gibt es am Donnerstag, 19. September: Simon Wild aus Pliezhausen gibt sein Debüt. Mit der steirischen Harmonika mischt der junge Mann schon seit einigen Jahren die Volksmusik-Charts auf. In der ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“ wurde er „Vize-Sommerhitkönig“. Der Besen endet – zum ersten Mal – mit einer Oldienacht. Für den Kehraus am 20. September hat der Musikverein die Band „Lieder á la Carte“ verpflichtet.

2000

Liter Most haben die eingesammelten Äpfel und Birnen von den Engstlatter Streuobstwiesen hergegeben. Jetzt wird das Getränk beim Mostbesen verköstigt.