Mehrwert-Tour der SÜDWEST PRESSE
: Wie Paul Lukhaub seine Bienen als Team versteht

Was bedeutet es, Bienen wesensgemäß zu halten? Bei der Mehrwert-Tour der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb gab Imker Paul Lukhaub Antworten – und ließ die Gäste an der Fischermühle in Rosenfeld tief in das Leben eines Bienenvolks eintauchen.
Von
Lea Irion
Rosenfeld
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Imker Paul Lukhaub im Hintergrund – und ein Teil seines Bienenvolks im Vordergrund.

Imker Paul Lukhaub im Hintergrund – und ein Teil seines Bienenvolks im Vordergrund.

Lea Irion
  • Imker Paul Lukhaub hält Bienen wesensgemäß und arbeitet seit 20 Jahren mit ihnen zusammen.
  • Bei der SWP-Mehrwerttour in Rosenfeld gab er Einblicke in artgerechte Bienenhaltung.
  • Lukhaub vermehrt Stöcke nach Schwarmtrieb und verzichtet auf Absperrgitter im Bienenstock.
  • Mellifera e. V. fördert naturnahe Imkerei und bietet Erlebnisse wie eine Bienenwachskugel.
  • SWP-Mehrwerttouren zeigen regionale Schätze und verbinden Menschen mit ihrer Region.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Paul Lukhaub ist ein lockerer Typ, der einen schon mal aufhorchen lässt, wenn er erzählt, dass er seit 20 Jahren mit Bienen zusammenarbeitet – obwohl er erst 29 ist. Und ja, eine „Zusammenarbeit“ ist es durchaus, denn Lukhaub ist keiner, der den Bienen blindlings ihren Honig raubt, den Königinnen die Flügel stutzt oder die Tiere sonst wie quält. Nein, er versteht sich in gewisser Weise als Teammitglied seiner Bienenvölker, von denen er bisweilen um die 100 unterhält. Sechs davon sind ihm dieses Jahr abhandengekommen, was durchaus passieren kann, wenn man die Bienen wesensgemäß ausschwärmen lässt. Doch von vorn.

Lukhaub, seit diesem Jahr Mellifera-Imker an der Fischermühle in Rosenfeld, referierte am Dienstagnachmittag vor 40 Leserinnen und Lesern der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb über seine Beziehung zu Bienen und die naturnahe Haltung der Tiere. Möglich machte es die Mehrwert-Tour unserer Zeitung, die im gesamten Verbreitungsgebiet immer wieder Orte und Schätze der Region vorstellt und für unsere Leserschaft erlebbar macht – also einen echten Mehrwert bietet. Diesmal ging es dank einer Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Zollernalbkreis zu Mellifera e. V. in Rosenfeld.

Was hinter den „Mehrwert-Touren“ steckt

Die Mehrwert-Touren der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb laden Abonnentinnen und Abonnenten seit 2018 zu besonderen Erlebnissen in der Region Neckar-Alb ein – von kulinarischen Schätzen über Kulturstätten bis zu innovativen Betrieben. Seit 2025 gibt es die Reihe auch im Zollernalbkreis, in Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG).

Ziel ist es, Nähe zu schaffen: zur Region, zu den Menschen – und zur Zeitung. Den Auftakt im Zollernalbkreis machte ein Besuch bei Mellifera in Rosenfeld mit spannenden Einblicken in die Welt der Bienen.

Und so kam es, dass Paul Lukhaub am frühen Dienstagnachmittag unter einem heimischen Apfelbaum stand und einem interessierten Publikum von seinem Wirken erzählte. Wie kam der Mensch eigentlich zur Biene? Woher stammt das Wachs der Honigwaben? Und welche Rolle spielt die gefürchtete Wachsmotte? Lukhaub beantwortete all diese Fragen – und unterschied dabei klar zwischen „artgerechter“ und „wesensgemäßer“ Bienenhaltung.

Prüfen, ob ein Volk ausschwärmen will

„Ich vermehre meine Völker nur nach Schwarmtrieb“, gab der junge Imker zu verstehen. Das bedeutet, dass Lukhaub bei der Kontrolle darauf achtet, ob er „Weiselzellen“ im Stock vorfindet. Das würde nämlich bedeuten, dass sich die bisherige Königin mitsamt ihres Bienenvolks darauf vorbereitet, den Stock zu verlassen und das Volk gewissermaßen zu teilen, sodass das „alte“ Volk anderswo ansiedelt, und das „junge“ Volk mit neuer Königin zurückbleibt – und mehr Platz zum Leben bekommt. Neue Königinnen bildet das Bienenvolk nur in „Weiselzellen“ – daher ist es für Imker wie Paul Lukhaub recht simpel, diesen Trieb zu erkennen. Sofern er sich denn zu erkennen gibt.

„Am meisten stechen sie mich in die Fingerkuppen“, sagt Paul Lukhaub.

„Am meisten stechen sie mich in die Fingerkuppen“, sagt Paul Lukhaub.

Lea Irion

„Wenn ein Volk dazu bereit ist, helfe ich gerne“, erzählte Lukhaub, „und wenn nicht – dann eben nicht“. Es käme schon auch vor, dass ihm mal ein Volk entwischt – denn das ausschwärmende Volk sucht sich nach Abgang natürlich eine neue Bleibe, und der Imker möchte das neue Volk nicht verlieren. Aber dieses Jahr war es nun so, dass er sechs seiner 100 Völker verlor, oder eines so unerreichbar für ihn war, dass Lukhaub nicht Leib und Leben fürs Klettern in eine meterhohe Baumkrone riskieren wollte. Also habe er sie ziehen lassen.

Es ist nur eine von vielen Richtlinien, die der Anbauverband Demeter für die wesensgemäße Haltung von Bienen vorschreibt. Mellifera geht dabei noch einen Schritt weiter – etwa dadurch, dass die Imker auf Absperrgitter in den Stöcken verzichten. Wozu? „Das Gitter soll die Königin und die Drohnen davon abhalten, zum Honigvorrat zu gelangen“, erläuterte Lukhaub. Das unterbindet, dass sich das Brutnest in die Honigräume ausdehnt, was bei der Honigernte hilfreich sein kann – auch zugunsten des Volkes. Mellifera hat sich dagegen entschieden. Freier und gewissermaßen „wilder“ sollen die Tiere dadurch leben können.

Nick Leukhardt (Mitte) zeigte den Leserinnen und Lesern der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb unter anderem die Behausungen der Bienen. Im Hintergrund: das Hüttchen mit der großen Wachskugel.

Nick Leukhardt (Mitte) zeigte den Leserinnen und Lesern der SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb unter anderem die Behausungen der Bienen. Im Hintergrund: das Hüttchen mit der großen Wachskugel.

Lea Irion

Und während Paul Lukhaub neben einer Streuobstwiese noch einen Stock öffnete und seinem Publikum – ganz im Stile eines Imkers ohne Schutzkleidung – eine bienenbesetzte Wabenwand zeigte, referierte Nick Leukhardt vorm Hauptsitz von Mellifera unter anderem noch über die Geschichte des gemeinnützigen Vereins. Leukhardt verwaltet die Pressearbeit, seit fünf Jahren ist er an Bord. Die Idylle um die Rosenfelder Fischermühle wolle er nicht mehr missen. Und er verriet noch einen Geheimtipp: Direkt nebenan stünde ein unscheinbares Häuschen, in dem eine überdimensionale Kugel aus (sehr gut riechendem) Bienenwachs ruht. Wer hineinschlüpft, kann sich für einen Moment fühlen wie eine junge Königin in ihrer Zelle. Ein Erlebnis, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der SWP-Mehrwert-Tour sicher nicht so schnell vergessen werden.