Jubiläum in Dormettingen: 300 Jahre Kirche St. Matthäus

Pfarrer Uwe Stier (links) und der aus Dormettingen stammende Pater Franz Pfaff zelebrierten vor dem Erntedankaltar das feierliche Hochamt. (nachhonorieren)
Volker SchweizerNach 300 Jahren und zehn Tagen nach der Segnung durch den Konstanzer Weihbischof rückte das Dormettinger Gotteshaus am Sonntag wieder – zumindest für eineinhalb Stunden – in das Geschichtsbewusstsein des Dorfes. In einem mit Gesang, Orgelklang und festlichen Weisen gestalteten Hochamt erinnerten sich die Gläubigen an ihre Vorfahren und deren Mühen, gleichzeitig wurde aber auch der Wunsch geäußert, dass sich die Kirche allgemein mehr nach den heutigen Bedürfnissen orientiert.
Einem waschechten Dormettinger, dem über 80-jährigen Pater Franz Pfaff, war es vorbehalten, die Ansprache zu halten. Er kennt St. Matthäus in- und auswendig, hat er doch als Junge viele Jahre ministriert und als Aushilfsseelsorger in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Messen gelesen, Taufen vorgenommen, Hochzeitspaare getraut und Requiem gefeiert. Auch jetzt, in der pfarrerlosen Zeit, sind seine Mitbürger dankbar, dass „d’Franz“ das Kirchenleben mit am Laufen hält.
Mit reiner Muskelkraft
Unterstützung für seinen Blick in die Geschichte holte sich Pfaff beim ebenfalls aus Dormettingen stammenden Pfarrer Willi Weckenmann. Der Kirchenbau erstreckte sich über elf Jahre. Baukräne und Bagger gab es damals noch nicht. Mit Muskelkraft und einfachen Werkzeugen gingen die Dormettinger zu Werke.
Das Turminnere, das bis heute nicht verputzt ist, besteht aus groben und unbehauenen Steinen; die Steine wurden wohl auf dem Plettenberg gebrochen und dann mit Ochsenkarren ins Dorf gebracht. „Das war alles harte Knochenarbeit“, betonte Franz Pfaff. Trotzdem hätten sich die Vorfahren nicht lumpen lassen und eine schöne und geräumige Kirche gebaut.
Umbauten und Renovierungen gab es in der Vergangenheit immer wieder. Unter anderem erinnerte Pfaff an den Abbau der Kanzel und den Abriss der Empore im sogenannten „Chörle“ im Jahr 1964. Früher sei man sonntags zweimal in die Kirche gegangen – zuerst zur Beichte und zur Kommunion, die nur nüchtern empfangen werden durfte, und um 10 Uhr zum Hochamt.
Der Pater freut sich sichtlich
Die geschichtliche Entwicklung zeige, freute sich der Pater sichtlich, dass die Gemeinde immer mit ihrer Kirche verbunden gewesen sei und man alles dafür getan habe, um zeitgemäß beten zu können. Der Grundsatz von früher, Gott ist erhaben, gelte heute nicht mehr. Deshalb feiere man den Kirchengeburtstag in Freundschaft mit dem Vater.
Pfarrer Uwe Stier, der Administrator für die Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal, der mit Franz Pfaff den Gottesdienst zelebrierte, betonte, dass St. Matthäus als Ort, „an dem man Gott ganz nah ist“, aus Dormettingen nicht mehr wegzudenken sei. Er forderte die Christen auf, den Weg mit Jesus weiter voranzugehen, um eins zu werden mit ihm und dem Vater im Himmel.
Musikalische Vielfalt
Wie es sich für ein katholisches Hochfest gehört, wurde mit den Kirchenfahnen und viel Weihrauch zum Altar geschritten. Der Musikverein unter der Leitung von Musikdirektor Thomas Michelfeit, Organist Wolfgange Jenter sowie der Kirchenchor trug mit Dirigent Josef Hutt musizierten zur 300-Jahr-Feier. Mit von der Partie war die Kinderkirche, die, angeleitet von Daniela Edelmann, Karin Koch und Fabienne Scherer, vor dem Erntedankaltar sangen und die Fürbitten vortrugen.
„Die Kinderkirche macht Hoffnung für die nächsten 300 Jahre“, meinte die Kirchengemeinderatsvorsitzende Ute Brenner. Sie riet den Verantwortlichen, die Zukunft im Blick zu haben. Lobend erwähnte Brenner die Arbeit von Uwe Stier. Mit ihm gewinne die Kirche Herzen und Seelen. In Dormettingen werde seit jeher die Gemeinschaft gelebt. Und deshalb würden die Kirchengemeinde und die Feuerwehr, die auf eine 150-jährige Geschichte blicke, gleichzeitig feiern.
Die meisten Kirchenbesucher machten sich denn auch nach dem 12-Uhr-Glockenschlag auf den Weg zum Magazin, wo bereits das Mittagessen wartete, der Musikverein abermals spielte und der Kindergarten ein Programm für die kleinen Besucher bot.
Kirchgang
Zwei Mal – nicht nur ein Mal – ging es in früheren Zeiten sonntags in die Kirche: zuerst zur Beichte und Kommunion, die nur nüchtern empfangen werden durfte, dann zum Hochamt.