Inklusion: Festival im Rollstuhl – RV Bang und Lebenshilfe machen es möglich

Alexander Bartsch und Carsten Heinz von der Lebenshilfe Zollernalb wollen einen inklusiven Festivalraum schaffen.
Sophie Holzäpfel- Das RV Bang-Festival in Bisingen setzt auf Barrierefreiheit mit Podest, Rampe und inklusivem Zugang.
- 15 Rollstuhlfahrer erleben ein einzigartiges Musikerlebnis, Begleiter zahlen keinen Eintritt.
- Barrierearme Maßnahmen: Behindertengerechte Toiletten, niedrige Tresen, kurze Wege.
- Fachkräftemangel erschwert Organisation, Nachfrage übersteigt Kapazitäten.
- Ziel: Nachhaltige Inklusion und gemeinsames Feiern für alle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wummernder Bass, Gitarrensoli, eine singende, tanzenden Menge. Erste Reihe, die Band nur wenige Meter entfernt: Ein Erlebnis, das sich in das Gedächtnis der 15 Rollstuhlfahrerinnen und Fahrer eingebrannt habe, sagt Carsten Heinz von der Lebenshilfe Bisingen. „Sie waren total begeistert.“ Bereits im vergangenen Jahr haben die Lebenshilfe und das RV Bang eine besondere Kooperation auf den Weg gebracht. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht ein barrierefreier Festival-Besuch.
Dieses Jahr geht das RV Bang in die zweite Runde und mit dabei werden erneut Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung sein. „Alles ist dieses Jahr größer. Die Bühne deshalb auch höher“, gibt Festivalorganisator Alexander Bartsch zu bedenken. Aus diesem Grund hat er gemeinsam mit Heinz nach einer anderen Lösung gesucht: Ein Podest für die Rollstuhlfahrer muss her.
Mit der Rampe aufs Podest
Podest organisieren? Check. Aber wie kommen sie dort hoch? Mittels einer mobilen Rampe, die die Lebenshilfe stellt. 15 Meter lang und lediglich sechs Prozent Steigung hat das Hilfsmittel. „Zu steil sollte sie nicht sein“, sagt Heinz. Sonst werde das Hochfahren zum Kraftakt. Die Rollstuhlfahrer bekommen wie im vergangenen Jahr Tickets zu vergünstigten Preisen, die Begleitpersonen zahlen keinen Eintritt. „Das ist uns wichtig. Wir wollen, dass das Festival für alle Menschen zugänglich ist“, betont Bartsch. Das Gelände möglichst barrierefrei und inklusiv zu gestalten sei mit einem organisatorischen und finanziellen Mehraufwand verbunden, „aber der ist es uns absolut wert.“ Von der Tribüne aus haben die Besucherinnen und Besucher mit Handicap freie Sicht auf die Bühne.
Worauf müssen sie noch achten? Meterlange Kabel und Bierschläuche am Boden, schmale Eingänge, 1,40 Meter hohe Tresen – alles Hürden, mit denen Menschen im Rollstuhl bei Festivals zu kämpfen haben, gibt Bartsch zu bedenken. „Insbesondere im ländlichen Raum sind wir generell noch sehr weit weg von der Barrierefreiheit“, fügt Heinz hinzu. Es gebe große Festivals, die vormachen, was alles möglich ist: „Auch technisch gibt es heute fast nichts, was es nicht gibt.“
Der Countdown läuft
In zwei Wochen verwandelt sich das Balinger Messegelände in eine Festival-Arena. Vom 10. bis 12. Juli 2025 bringen dann insgesamt 22 Bands das Balinger Messegelände zum Beben. Mit dabei ist dieses Jahr auch die SÜDWEST PRESSE als Medienpartnerin. Die Aufregung und die Vorfreude wachsen täglich, sagt RV-Bang-Organisator Alexander Bartsch. Knapp 290 Helferinnen und Helfer sind an dem Wochenende im Einsatz. Derzeit seien sie noch dabei, die letzten Kleinigkeiten bis ins Detail zu planen, so Bartsch.
Crowdsurfing mit Rollstuhl
2019 ging ein Foto um die Welt. Darauf zu sehen: ein Musikfan im Rollstuhl, der von einer Menschenmenge getragen wird. Das Publikum des Heavy-Metal-Festivals „Resurrection Fest“ im nordspanischen Viveiro hatte ihm mit dieser Crowdsurfing-Aktion eine bessere Sicht auf die Bühne verschafft. Es gehe darum, Menschen mit Handicap nicht als einen externen Teil der Gesellschaft zu betrachten, sagt Heinz, der seit 25 Jahren in der Pflege arbeitet. „Die Hardrock und Havey-Metal-Branche ist voll mit Rollstuhlfahrern“, sagt Bartsch.
Bartsch und sein Team wollen das RV Bang nachhaltig barrierefrei machen: „Das wollen wir über die Jahre noch weiter entwickeln.“ Letztes Jahr hatten er und sein Team drei Monate Zeit für die Organisation, dieses Mal ein ganzes Jahr. Der längere Organisationszeitraum schlägt sich auch in der barrierearmen Gestaltung des Areals nieder: Neben dem Podest und der Rampe werde es behindertengerechte Toiletten, Kabelbrücken und einen niedrigen Getränkeausschank geben. Das DRK sei mit an Bord und es werde Aushänge mit einer Notfallnummer geben, so Bartsch.

Carsten Heinz schiebt einen Rollstuhlfahrer über die 15 Meter lange Rampe.
Lebenshilfe BisingenInteresse größer als Kapazität
Das Interesse der Klientinnen und Klienten sei enorm, sagt Heinz. „Es ist viel größer, als die Kapazitäten, die wir haben.“ Denn der Fachkräftemangel im sozialen und im Pflegebereich sei prekär. „Er trifft uns sehr, sehr hart.“ Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wären viele Einrichtungen aufgeschmissen. Ein Ausflug wie der zum Festival müsse gut organisiert sein, so Heinz. Die Lebenshilfe arbeitet dabei eng mit dem Familienunterstützenden Dienst (FuD) zusammen.
Neben dem Festival-Besuch selbst sei es ihm auch wichtig, kurze und barrierearme Wege auf dem Areal zu schaffen, äußert der Veranstalter. „Vom Campingplatz sind es nur ein paar Minuten zum Festivalgelände.“ Es gehe darum, eine gute Zeit zusammenzuhaben. Und zwar, betont Bartsch, alle Musikfans, die zum Festival kommen. „Wir sollten alle die Möglichkeit haben, mitten drin zu sein.“

