„Ich habe keine Kraft mehr“: Der Imbiss „Schwabia“ in Balingen schließt – das sind die Gründe

Mehmet Ali Nurhak und Nadine Kröner-Nurhak haben das „Schwabia“ in Balingen betrieben. Doch jetzt ist vorerst wieder Schluss.
Privat- Der Imbiss „Schwabia“ in Balingen schließt nach neun Monaten, Besitzer Mehmet Nurhak nennt Vermieterprobleme und Schulden als Gründe.
- Das Lokal bot authentische schwäbische Küche, darunter Maultaschen und Linsen mit Spätzle.
- Mehmet Nurhak und seine Frau Nadine erwarten ihr zweites Kind; Familie hat Priorität.
- Der letzte Öffnungstag ist der 29. Mai 2025.
- Privatinsolvenz wird angestrebt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mehmet Ali Nurhak hat gerade noch Kunden in seinem Laden, als die Presse anruft. „Eine Minute!“, sagt er und lacht. Es werden die letzten Kunden sein, die noch etwas in seinem Imbiss in der Oberen Kirchstraße in Balingen zu essen bekommen werden. Denn schon 24 Stunden später soll hier, im „Schwabia“, das letzte Mal das Licht angehen.
„Mir tut das alles sehr weh“, sagt Nurhak, „aber wir müssen es so machen“. Es ist noch kein Jahr her, als Nurhak zusammen mit seiner Frau Nadine Kröner-Nurhak den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und sich einen Traum erfüllte. Das „Schwabia“ war seit September 2024 bekannt für seine authentische schwäbische Hausmannskost. Auf der Speisekarte standen Klassiker wie Maultaschen, Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle, die bei den Gästen besonders beliebt waren. Darüber hinaus bot das Lokal wechselnde Tagesgerichte an, die stets frisch zubereitet wurden und die Vielfalt der schwäbischen Küche widerspiegelten.
Probleme mit Vermieter und Schulden führen zur Entscheidung
Die Entscheidung, sich auf schwäbische Spezialitäten zu konzentrieren, war bewusst gewählt und sollte eine Alternative zu den in der Region häufig vertretenen Dönerläden darstellen. Es unterstrich die kulinarische Identität des „Schwabia“ und wurde von den Gästen geschätzt – was diese dem Lokal auch in den Rezensionen dankten: Mit beinahe glatter Fünf-Sterne-Bewertung auf Google und einer vierstelligen Gefolgschaft auf Instagram hatten sich Mehmet Nurhak und Nadine Kröner-Nurhak einen Kundenstamm erarbeitet.
Er habe schon den Wunsch gehabt, weiterzumachen. Doch zwischenzeitlich seien die Probleme einfach zu groß geworden, sagt Nurhak im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Es habe viele Unstimmigkeiten mit dem Vermieter gegeben, sagt der Gastronom ganz unverblümt. Die Lüftung in seinem Laden sei seit vielen Monaten kaputt, mehrere Anfragen auf Seiten der Nurhaks seien ins Leere gelaufen. Gleichzeitig seien die Nebenkosten und die Miete erhöht worden. Auch mit dem Strom habe es Probleme gegeben und die immergleiche Zusicherung, es werde etwas dagegen getan. „Das ging sechs Monate so“, sagt Nurhak. Jetzt sei es ihm zu viel geworden.
„Meine Familie steht an erster Stelle“
Dabei habe er eigentlich sein Familienglück feiern wollen: Seine Frau Nadine ist im siebten Monat schwanger, das Paar erwartet sein zweites Kind. Aber gerade deswegen sah sich Mehmet Ali Nurhak dazu gezwungen, die Reißleine zu ziehen und sich auf seine Familie zu konzentrieren. „Ich habe keine Kraft mehr“, sagt er und ringt sich noch ein Lachen ab. Mitschuld an der Schließung seien aber auch die gestiegenen Betriebskosten, wie sie allerorts die Gastronomie plagen. Und außerdem habe er noch Schulden, die er langsam nicht mehr zahlen könne.
All das gipfelt nun in der Schließung des „Schwabia“. „Wir werden in die Privatinsolvenz gehen“, sagt Nurhak gefasst. Seine Tochter Elara besuche zwischenzeitlich den Kindergarten. Vielleicht, blickt der Gastronom voraus, werde es eines Tages ein Comeback geben, wenn auch das zweite Kind alt genug ist, um in den Kindergarten zu gehen. Vielleicht aber findet sich noch ein Nachfolger, der das „Schwabia“ im Sinne der jetzigen Betreiber weiterführt? Ausschließen will Nurhak nichts. Fest steht für ihn nur: Der 29. Mai 2025 wird vorerst der letzte Tag sein, an dem das „Schwabia“ geöffnet sein wird. Doch fürs Erste, so Nurhak, sei er mental einfach ermüdet. „Meine Familie steht an erster Stelle.“
