Höhenfreibad Streichen: Baden mit Fröschen ist längst passé
Das Wasser glitzert verführerisch in der Morgensonne. Ein Sprung ins kühle Nass wäre jetzt verlockend. Noch tummeln sich im Höhenfreibad in Streichen zu dieser frühen Stunde allerdings keine Badegäste. Die Zeit, bis das idyllisch gelegene Freibad im höchstgelegenen Balinger Stadtteil seine Pforten öffnet, nutzt Thomas Beck für Vorbereitungen. Er ist Mitglied der DLRG Streichen, die das „Bädle“ seit vielen Jahren ehrenamtlich betreut. Wobei der Begriff ehrenamtlich in diesem Fall zu kurz gegriffen ist.
Dass es für die Mitglieder eine Herzensangelegenheit ist, ist deutlich zu sehen. Auf der top gepflegten Anlage übernimmt die örtliche DLRG-Gruppe nicht nur die Aufsicht am Beckenrand. Auch das Mähen der großen Liegewiese und der Betrieb des Kiosks liegt in ihren Händen. Nicht zuletzt betreut der Verein die Minigolf-Anlage beim Freibad; viel Arbeit, um den Gästen einen schönen, entspannten Sommer zu ermöglichen.
Als Feuerlöschteich angelegt
Der Wunsch, diesen im Freibad vor der eigenen Haustür verbringen zu können, war indes schon vor Jahrzehnten vorhanden. Wie er schließlich Wirklichkeit wurde, ist nicht nur einem glücklichen Zufall, sondern vor allem jeder Menge Einfallsreichtum zu verdanken.
Ausgangspunkt waren die zahlreichen Möbelfabriken, die früher in Frommern und Streichen angesiedelt waren. „Bis in die 80er Jahre waren in diesem Industriezweig rund 3000 Beschäftigte tätig“, berichtet der Streichener Ortsvorsteher Rüdiger Haasis. Da es öfter zu Bränden kam und es an Löschwasser mangelte, reifte schließlich der Entschluss, in Streichen einen Feuerlöschteich zu bauen. Die Intention: Im Brandfall könnte das Wasser durch den Büttenbach abgeleitet werden und bis nach Frommern für Löschwasser sorgen.
Pföcke kurzerhand versetzt
Gesagt, getan. Die Vorbereitungen wurden getroffen, der Aushub vermessen und die Pflöcke eingeschlagen. Nun ist ein Feuerlöschteich natürlich kein Schwimmbad, aber eben jenes schwebte dem damaligen Bürgermeister Walter Hetzel und einigen Gemeinderäten vor. Was also tun, um die einmalige Chance auf ein Freibad in Streichen sprichwörtlich nicht verstreichen zu lassen?
Findig wie der Bürgermeister und seine Gemeinderäte waren, heckten sie einen Plan aus: In der Nacht vor Beginn der Aushubarbeiten wurden die Pflöcke klammheimlich in einem größeren Abstand neu eingeschlagen, sodass sich die Fläche des geplanten Feuerlöschteichs deutlich vergrößerte. Dieser wurde komplett ausgemauert – und Streichen hatte im Jahre 1957 sein Freibad. Ungewöhnlich waren die schrägen Wände, die jedoch einen bestimmten Grund hatten: Das Wasser musste auch im Winter im Becken bleiben und das Eis hätte gerade Wandungen zerstört.
Wer in den Anfangszeiten in Streichen ein Bad nahm, durfte sich auch vor tierischer Gesellschaft nicht fürchten. Damals wurde das Wasser nämlich aus dem Bach entnommen, der bis zum heutigen Kinderplanschbecken offen war. Da sich Schlamm auf dem Grund absetzte, fühlten sich Frösche und Molche im Badewasser pudelwohl. Und auch Stechmücken hatten ihre Freude an den Badegästen. Längere Zeit hatte das Schwimmbad deshalb den Ruf eines „Grottenteiches“ oder „Schnakenbades.“
DLRG betreut das Freibad
Heute kann man nicht nur darüber schmunzeln, wie Streichen zu seinem Freibad kam, sondern auch über die damaligen Badebedingungen. Denn im Laufe der Zeit ist aus dem „Grottenteich“ ein modernes Freibad geworden. Das Becken wurde mit Folie ausgelegt, aus dem Wassernetz versorgt und erhielt eine Umwälzpumpe. Auch die Liegewiese wurde erweitert und einem ungetrübten Badevergnügen steht seither nichts mehr im Wege. Seit 1994 übernimmt die DLRG die Betreuung des Freibads. „Um als Aufsicht tätig zu sein zu können, ist das Rettungsschwimmabzeichen in Silber erforderlich“, erklärt Thomas Beck. Die Badegäste, die aus der ganzen Region kommen, dürfen sich im idyllisch gelegenen Freibad also in den besten Händen wähnen.
Baden, Minigolfen und sich erholen
Geöffnet ist das Höhenfreibad in Streichen von 10 bis 20 Uhr. Bei kühlem oder schlechtem Wetter (unter 20 Grad) wird es eventuell vorübergehend geschlossen. Im Zweifelsfall sollten die Gäste vor ihrem Besuch unter Telefon (07433) 9 04 68 45 nachfragen, ob das Bad auch wirklich geöffnet ist.
Der Kiosk und die benachbarte Minigolf-Anlage mit 18 Bahnen werden ebenfalls von der DLRG Streichen betrieben.
Weitere Informationen zur DLRG unter https://streichen.dlrg.de.


