Glosse zur Hitze
: Warum wir den Sommer so sehr lieben – oder abgrundtief hassen

Die Redakteurinnen Sophie Holzäpfel und Lea Irion haben jüngst über ihre Liebe oder ihren Hass zum Sommer debattiert. Heraus kam diese Glosse.
Von
Sophie Holzäpfel,
Lea Irion
Zollernalbkreis
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Sophie Holzäpfel (links) und Lea Irion debattieren über ihre jeweiligen Beziehungen zum Sommer.

Sophie Holzäpfel (links) und Lea Irion debattieren über ihre jeweiligen Beziehungen zum Sommer.

Privat/Daniela Reske
  • Zwei Redakteurinnen debattieren über ihre Liebe und Hass zum Sommer.
  • Eine liebt die Hitze, die langen Tage und Sommeraktivitäten.
  • Die andere hasst die Sonnencreme, die Hitze und die Mühen des Sommers.
  • Klimawandel und Umweltprobleme beeinflussen die Sommerwahrnehmung.
  • Persönliche Erlebnisse und Emotionen prägen die Ansichten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als wir diese Woche in der Redaktion zusammen auf die Wettervorhersage blickten, gab es zweierlei Reaktionen. Einerseits Sophie Holzäpfel, die sich wie niemand sonst auf das hitzige Wochenende freute und über ihre unsterbliche Liebe zum Sommer referierte. Und andererseits Lea Irion, die schon ab 20 Grad Celsius griesgrämig ins Büro stapft und über fettige Sonnencremes schimpft. Hier erzählen beide Redakteurinnen, was ihre Liebe oder ihren Hass zum Sommer begründet.

Sophie Holzäpfel: Warum es nichts Besseres als den Sommer gibt!

In einem früheren Leben war ich mal eine Eidechse. Davon bin ich überzeugt. Denn seit ich denken kann, liebe ich den Sommer. In den heißen Monaten verbrachte ich als Kind jede freie Minute draußen. Kicken unter freiem Himmel, Versteckspiele im Wald, abenteuerliche Luftmatratzen-Fahrten durch die rauschenden Fluten des heimischen Bachs. Im Sommer, dachte ich damals, ist alles besser. Das Obst schmeckt süßer, die Erwachsenen sind entspannter, die Tage länger.

Bis heute hat sich an meiner Einstellung nur wenig geändert. Ich liebe den Sommer noch immer. Den Geruch von Sonnencreme, warmem Asphalt und frisch gemähtem Gras. Zirpende Grillen, summende Bienen, zwitschernde Vögel. Laue Nächte auf dem Balkon mit gut gekühltem Weißwein und Gesprächen unter Freunden. Schwimmen in kalten Badeseen und den Geschmack von frisch aufgeschnittener Wassermelone und Eiscreme.

Sophie Holzäpfel arbeitet seit dem 1. Juni 2025 als Redakteurin bei der SÜDWEST PRESSE Zollernalbkreis.

Sophie Holzäpfel arbeitet seit dem 1. Juni 2025 als Redakteurin bei der SÜDWEST PRESSE Zollernalbkreis.

Privat

Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn sich die Hitze schon in den frühen Morgenstunden ankündigt. Wenn sich Sonnenstrahlen ihren Weg durch Blätterdächer bahnen. Ein Lichtspiel auf meiner üblichen Joggingstrecke durch den Wald. Wenn sperrige Mäntel und klobige Stiefel endlich luftigen Kleidern, Leinenhosen und Sandalen weichen. Wenn der eigene Schatten in der Hitze flirrt. Barfuß durchs Gras laufen, stundenlang lesend in der Sonne liegen, die Füße und die Limo im Fluss kühlen – all das mag ich. Im Sommer fühle ich mich am wohlsten.

Es könnte die perfekte Jahreszeit sein. Wären da nicht die Nörgler, die schon bei 25 Grad Celsius Alarm schlagen. Wäre da nicht der Freund in Kalifornien, der letztes Jahr Fotos von zerstörten Landschaftsteilen schickte. Von meterhohen Rauchwolken, die sich am Horizont zu einer bedrohlichen Masse auftürmten. Die beste Freundin, die zum Artensterben der Bienen forscht. Und mit besorgtem Blick im Biergarten von Biodiversitätsverlust erzählt. Die Bilderfluten und Berichte von Überschwemmungen, Stürmen und Flächenbränden.

Den Sommer uneingeschränkt und sorglos zu lieben, wie als Kind, ist mir heute nicht mehr möglich. Der Klimawandel mit all seinen Folgen ist schon lange keine unsichtbare Bedrohung, kein ungewisses Zukunftsszenario mehr. Meine Sommerliebe ist zaghafter geworden. Fast ängstlich. Aber sie bleibt. Denn der Sommer ist für mich nicht nur eine Jahreszeit, sondern ein Gefühl – ein Versprechen auf unvergessliche Momente, kleine und große Abenteuer und Freiheit.

Lea Irion: Warum es nichts Schlimmeres als den Sommer gibt!

Ich schnaufe genervt, reiße das schmale Plastikband vom Deckel und öffne die Tube. „Jedes Jahr der gleiche Scheiß“, murmle ich und drücke mir einen Esslöffel Sonnencreme auf den linken Arm. Widerwillig schmiere ich das fettige Zeug von der Schulter über den Ellenbogen bis zur Handfläche. Der Ärmel meines T-Shirts schmiegt sich jetzt wie ein feuchter Lappen um meinen Oberarm. Es ist dasselbe Elend wie jeden Sommer.

Jedes Jahr frage ich mich, wie viele Kleidungsschichten ich eigentlich noch ablegen soll, um überhaupt in meiner Dachgeschosswohnung zu überleben. Herbst und Winter sind da nicht so. Wenn es mal mehr regnet, mal mehr schneit und kälter ist, kann ich meinen Wollmantel aus dem Kleiderschrank holen und vielleicht noch den dunkelblauen Schal und eine Mütze, die Mama mir mal gestrickt hat. Der Sommer hingegen verzeiht nicht. Er knallt erbarmungslos auf den Asphalt, auf die Windschutzscheibe meines Autos und auf die Dachschräge in meinem Schlafzimmer und erwartet, dass ich ihn trotz allem mag.

Lea Irion

Lea Irion ist seit dem 1. Januar 2025 Redaktionsleiterin der SÜDWEST PRESSE im Zollernalbkreis.

Daniela Reske

Aber das Fatale an unserer Beziehung ist, dass es den Sommer herzlich wenig interessiert, was ich leidende Erdenbürgerin zu keifen habe. Deswegen lasse ich sämtlichen Frust an meinen Mitmenschen aus, allerspätestens ab 25 Grad Celsius, eigentlich schon früher. Am liebsten nerve ich diejenigen, die ab 20 Grad sofort in Flipflops und Euphorie verfallen, als hätten sie gerade einen Lotto-Gewinn eingelöst. Wer schmort denn freiwillig wie ein Zwiebelrostbraten in der Mittagshitze? Wer hält denn kommentarlos die ganzen Fettflecken der Sonnencreme aus – an Türklinken, an Klamotten, an der Armlehne im Auto und generell an allem, was einem lieb und heilig ist?

Weder die Eiswürfel im Milchkaffee noch die blaue Kugel Schlumpf-Eis oder die Festivalsaison akzeptiere ich als Trostpreis dafür, dass ich als bekennende Sommerhasserin den Juni, Juli und August überleben muss. Das Einzige, was ich als Entgegenkommen akzeptiere, sind Sommergewitter. Das ist nämlich die ironische Komponente des Sommers: Wenn er zu sehr in seiner Hitze wütet, wird er dadurch abgestraft, dass ihn eine Wolkendecke für zwei Tage schlafen legt. Wie ein Kind, das jetzt lernen muss, dass es Grenzen für das eigene Verhalten gibt.

Es sind die Momente, in denen ich versuche, mich doch auf Biegen und Brechen mit dem Sommer anzufreunden. Bis die Wetter-App die nächsten 31 Grad anzeigt und ich mich wieder fragen muss, ob man nicht doch lernen kann, nachts ohne Decke zu schlafen.