Gemeinsam für psychische Gesundheit: Was hinter dem „Mad Pride Day“ steckt

Thomas Rahmann vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg informiert derzeit landauf, landab über den „Mad Pride Day“, der am 11. Oktober erstmals in Süddeutschland stattfindet.
Christine Kiefer- Erster „Mad Pride Day“ Süddeutschlands am 11. Oktober in Stuttgart – Fokus auf Entstigmatisierung.
- Aktionstag für psychische Gesundheit: Demo, Begegnung, Vernetzung und kreative Beiträge geplant.
- „Leise Zonen“ und Begleitbusse sorgen für Barrierefreiheit – auch Teilnehmer aus dem Zollernalbkreis dabei.
- Ziel: Aufklärung, Sichtbarkeit und eine inklusive Gesellschaft ohne Vorurteile und Stigmata.
- Infos unter www.madprideday.de – aktive Mitgestaltung über Thomas Rahmann möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Mad Pride Day“: Es ist ein Begriff, der, erstmals ins weite Rund geworfen, für einige Fragezeichen sorgt. Versucht man sich die Bedeutung durch Übersetzung zu erschließen, landet man bei den Worten „Verrückt“ (Mad) und „Stolz“ (Pride).
Letzteres erinnert an die großen Pride-Paraden zur Feier der sozialen und selbstbezogenen Akzeptanz, der Errungenschaften, der gesetzlichen Rechte und des Stolzes von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Queers (LGBTQ).
In eine ähnliche Richtung geht der „Mad Pride Day“, denn auch eine weitere Gruppe möchte ein starkes Zeichen setzen. Eines zur Sensibilisierung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Womit die Bedeutung des Begriffs auch schon umrissen wäre: Als Aktionstag, der weltweit stattfindet, um die Rechte psychisch kranker Menschen zu stärken und Stigmatisierung zu bekämpfen.
Begegnung und Vernetzung
Was 1993 in Toronto seinen Anfang nahm und 2001 erstmals in Berlin veranstaltet wurde, soll nun auch in Baden-Württemberg stattfinden. Am 11. Oktober wird in Stuttgart der erste „Mad Pride Day“ Süddeutschlands über die Bühne gehen.
Als Fachkraft für Veranstaltungsorganisation des Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg, welcher für die Koordination verantwortlich zeichnet, übernimmt Thomas Rahmann alle möglichen Aufgaben rund um den Aktionstag. Dazu gehört freilich unter anderem, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Dies hat er bislang schon in vielen Städten (unter anderem in Balingen) getan.
„Der Begriff ist in Süddeutschland noch relativ unbekannt, gleichwohl ist ein großes Interesse zu spüren“, kann er dabei aus Erfahrung berichten.
Eine der vielen Fragen, die auf den Nägeln brennen, ist, wie der „Mad Pride Day“ am 11. Oktober ablaufen wird. Geplant ist er als Demonstration mit Rahmenprogramm – so viel zu den groben Fakten.
Im Kern ist er allerdings noch viel mehr: Ein Tag der Begegnung und der Vernetzung; ein Erlebnis, das im positiven Sinne noch lange nachhallen soll. Und nicht zuletzt auch eine Erinnerung daran, dass die Arbeit zur Entstigmatisierung von psychischen Gesundheitsproblemen das ganze Jahr über fortgesetzt werden muss. Denn es gibt noch viel zu tun.
Für eine inklusive Gesellschaft
Ausgrenzungen erfahren Betroffene nicht nur in der Arbeitswelt, sondern in allen Lebenslagen. „Oft fehlt sogar der Mut, mit den eigenen Nachbarn über die Erkrankung sprechen“, bemüht Thomas Rahmann ein Beispiel. Insofern soll der Tag auch eine Gelegenheit sein, Veränderungen anzustoßen und gemeinsam für eine inklusive und unterstützende Gesellschaft einzustehen.
Dazu bedarf es vor allem auch der Aufklärung. Denn um das Thema kursieren nach wie vor viele Vorurteile – nicht zuletzt in Zusammenhang mit der öffentlichen Berichterstattung, in der psychische Erkrankungen oftmals in Verbindung mit Gewalterfahrung thematisiert werden. „Und das schürt die Angst vor dieser Krankheit.“
Alles rund um den „Mad Pride Day“
Weitere Informationen über den „Mad Pride Day“ gibt es unter www.madprideday.de.
Wer sich am 11. Oktober gerne aktiv beteiligen möchte, kann sich direkt an Thomas Rahmann, E-Mail: rahmann@lvpebw.de, wenden.
Über den Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg kann man sich unter www.lvpebw.org informieren.
Wer darf am „Mad Pride Day“ teilnehmen? Hier gibt es, wie es so schön heißt, keine Grenzen. Willkommen sind alle Menschen, die sich für die mentale Gesundheit einsetzen – sei es, dass sie selbst betroffen oder Angehörige sind, Interesse haben oder aber sich beruflich in diesem Bereich betätigen. Kurzum „alle, die sich mit diesem Ziel identifizieren“, bringt es Thomas Rahmann auf den Punkt.
Aktiv Anliegen äußern
Sehr freuen würde man sich beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener, wenn sich sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen aktiv beteiligen und den Tag mitgestalten. Die Beteiligung kann dabei ganz unterschiedliche Formen haben. Ob durch einen musikalischen Beitrag, durch eine Rede, ein Gedicht oder eine andere kreative Idee (eine Teilnehmerin hat etwa vorgeschlagen, Blumen mit der Botschaft des Tages zu verteilen): Allen denjenigen, die ihre Anliegen äußern möchten, ist buchstäblich eine Bühne bereitet.
Auch für Thomas Rahmann wird die Veranstaltung am 11. Oktober der erste „Mad Pride Day“ sein. Um Ideen zu sammeln, wie dieser in Stuttgart gestaltet werden könnte, hat er sich Gäste zu seinem „Mad Pride Talk“ eingeladen, die bereits Erfahrungen aus anderen Städten mitbringen.
Von diesen haben die Organisatoren einiges gelernt und unter anderem erfahren, dass bei der Veranstaltung in Bonn sogenannte „Leise Zonen“ eingerichtet wurden, in denen Teilnehmende, die krankheitsbedingt Rückzugsorte brauchen, abseits des Trubels Ruhe finden. Oder dass sogenannte Begleitbusse hilfreich sind.
Einen solchen Begleitbus wird es auch in Stuttgart geben. Damit Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, ebenfalls beim „Mad Pride Day“ dabei sein können.
Apropos Teilnahme: Auch aus dem Zollernalbkreis werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 11. Oktober in Stuttgart Präsenz zeigen. Sie wollen Reisebusse organisieren und dann gemeinsam in die Landeshauptstadt fahren. Um mit „Stolz“ ein Zeichen zu setzen: Für mehr Sichtbarkeit und „für ein Morgen ohne Stigma.“
