Gartenschau Balingen
: So ist der Rückbau geplant

Am 24. September ist das Großereignis in Balingen zu Ende. Dann geht es an den Rückbau des Geländes und der Stände. Der ausgetüftelte Plan dafür wurde jetzt im Gartenschauausschuss vorgestellt.
Von
Sebastian Buck
Balingen
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Die Gartenschau in Balingen neigt sich ihrem Ende zu. Danach wird emsig zurückgebaut.⇥

Maik Wilke

Dass der Rückbau der Gartenschau einer Wissenschaft gleicht, war schon bei der Eröffnung dies riesigen Geländes in Balingen klar. Damals im Mai dieses Jahres. „Es war doch erst gestern“, scherzte Annette Stiehle, die nun im Gartenschauausschuss schon wieder die Pläne für den Abbau präsentierte. Auf 46 Folien wurden den Ausschussmitgliedern die „Nachnutzungskonzeption der Ausstellungsflächen und Veranstaltungsideen“ präsentiert.

Doch zunächst blickte Oberbürgermeister Dirk Abel auf die vergangenen Monate zurück. Aktuell habe man 450 000 Besucher gezählt, ob man in den verbleibenden knapp eineinhalb Wochen noch auf eine halbe Million Besucher kommt? Zumindest fraglich. „Vielleicht packen wir das noch“, zeigte sich Abel kämpferisch. Dem Rathauschef war aber etwas anderes viel wichtiger: „Viele gehen mit einem glücklichen Gefühl nach Hause, und die Gartenschau ist ein Riesen-Erfolg.“

Keiner Illusion hingeben

Mit Blick auf den Rückbau, der kurz nach dem offiziellen Ende am 24. September beginnt, meinte Dirk Abel: „Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass man am 25. September wieder durch die Stadt gehen kann wie vorher.“ Und dass der Aufwand wirklich groß ist, wurde dann spätestens bei der Präsentation von Annette Stiehle allen klar.

„Auf den Flächen verbleiben einige Sachen, wir wollen eine sinnvolle Nachnutzung“, stieg Stiehle in ihren Vortrag ein. Klar sei freilich, dass es gänzlich andere Voraussetzungen seien, ob man wie jetzt während der Gartenschau ein umzäuntes Gelände habe oder später dann öffentlich zugänglicher Raum. Vor allem mit Blick auf möglichen Vandalismus ein großes Thema. Ferner brauche es aber auch die Bereitschaft von den Ausstellern selbst, die eine oder andere Installation zu behalten. Hier würden Gespräche laufen.

In einem virtuellen Rundgang über das Gelände klapperte Stiehle quasi alle Bereiche ab und erläuterte, was wo wie stehen bleibt oder auch umgebaut werden muss.

Erlebnisauen

Die Bienenwiesen des Imkervereins, der Stand der Landfrauen, das Insektenland, die Bunte Vielfalt sowie die Eschen und Ulmen bleiben hier erhalten. Auch die Naturkunst Landart von Jugendkunst- und Volkshochschule bleibt bestehen. Die Installation des Landwirtschaftsamtes muss weichen, ebenso die Hütte des Fischereivereins – denn die steht, passenderweise, so nah an der Eyach, dass es bei Flut kritisch wird. Das könne man da nicht stehen lassen, untermauerte Stiehle. Auch die Nebeldusche wird abgebaut, Stichwort Vandalismus: „Das ist ohne Umzäunung nicht zu betreiben“, stellt Stiehle klar.

Bahnhof Balingen

Der „Rote Teppich“ am Bahnhof bleibt erhalten, ebenso das Stadtgemüse am Bahnhof. Auch der historische Pfad und das Blühlabyrinth, das sich unterhalb der Erlebnisauen befindet, sollen jeweils bleiben. Teilweise, das betont Stiehle immer wieder, wird die eine oder andere Pflanze aber umgerüstet auf pflegeleichtere Varianten – um nicht zuletzt den Aufwand für den Bauhof so gering wie möglich zu halten.

Aktivpark bis Stadtgarten

Der Aktivpark, so viel ist klar, bleibt natürlich erhalten und soll nach der Schließung der Gartenschau auch so zügig wie möglich zugänglich gemacht werden – Mitte Oktober ist hier angepeilt. Jenseits davon bleibt nicht mehr viel übrig in diesem Abschnitt. Die Erklärtafeln, wie die Gartenschau überhaupt erbaut wurde, bleiben an Ort und Stelle. Auch der Bambuspfad soll noch ein weiteres Jahr bleiben, hier will sich die Verwaltung erkundigen, was die Verlängerung der Leihe denn kostet. Ist das nicht zu viel, bleibt der Bambus. Auch die Seelenbretter bleiben, weg kommt hingegen die Installation des Südwestdeutschen Friedhofscups.

Das Ewaldhaus, dessen Parkplatz gerade von diversen Installationen okkupiert ist, wird auch noch fertiggestellt. Parkplätze und Abstellflächen für Fahrräder fehlen hier noch. Außerdem wolle man „Rasenflächen statt der Servicecontainer“ installieren, erklärte Stiehle.

Stadt- und Zwingergarten

Die „Grow and flow“-Installation kommt logischerweise ganz weg, steht sie doch auf dem Brückenweg, der Robert-Wahl-Straße und Alter Markt verbindet. Zwei Beete bei der Kirche bleiben, ebenso der Platz der Kinderrechte und die textilen Blütenbrücken über die Eyach. Der Rest wird rückgebaut.

Kulturmeile

Tabula rasa wird auf der Kulturmeile betrieben. Einzig und allein die „dynamic connection“, ein beliebtes Fotomotiv bei den Besuchern, wird stehengelassen. Die Hauptbühne kommt weg, die Stelen der Stadtteile wandern in die jeweiligen zurück, „als Gruß der Gartenschau“, wie es Stiehle formuliert.

Strasserareal

Das Strasserareal rund um die Plaza ist ein besonderer Fall. Hier soll eine Interimslösung her, weil das Areal eines Tages mit Wohnbebauung ergänzt werden soll. Ein L-förmiger Bau soll sich um den Platz entlang der Straße „Roßnägele“ legen. Die Interimslösung sieht eine Blühmischung und Sträucher vor – die Plage Royan verbleibt, auch Sitzmöglichkeiten sollen errichtet werden. „Wir können so ein Filetstück ja keine drei Jahre lang mit einem Bauzaun absperren“, sagt Stiehle.

Eyachterassen

An den Eyachterassen bleibt eigentlich nicht sonderlich viel übrig. Das grüne Trauzimmer überdauert die Gartenschau, überdies wird noch ein zehn auf zehn Meter großer Platz am Stadtarchiv mit Sitzbänken ausstaffiert und Poller gesteckt, die das Einfahren auf den Platz verhindern sollen. Der Landkreispavillon kommt natürlich ebenfalls weg.

Ein Fragezeichen schwebt noch über der Floristik im Gewölbe. Hier sei man mit der Inhaberfamilie über eine mögliche Weiternutzung im Gespräch, stellte Annette Stiehle eine mögliche Einigung in Aussicht.

Schwefelbadgärten

Dort bleiben die Attraktionen am Rappenturm und das Gartenglück übrig. Für letzteres soll der Kindergarten die Pflege übernehmen, aber auch „Urban Gardening“ mit Freiwilligen brachte Sevgi Turan-Rosteck (Grüne) als mögliche Lösung ins Spiel. Zwei Wechselflorflächen, aktuell natürlich mit immensem Gießaufwand behaftet, werden in Staudenflächen umgewandelt – die eine Fläche im Stadtgarten rund 115 Quadratmeter groß, die andere bei den Schwefelbadgärten mit 36 Quadratmetern. Den Umbau übernimmt die Stadt, für die Pflege sollen Patenschaften her. Am 7. Oktober ist dann noch der Abverkauf aller übrigen Verkaufswaren angesetzt.

Verkehrsbehinderungen

Bleibt noch die Frage, wann welcher Teil der Straßensperrungen aufgehoben wird. „Bis Ende 2023 ist alles offen“, steckt Stiehle den groben Zeitplan ab. Vom 25. September bis 10. Oktober stehen der Rückbau der Aussteller, die Vorbereitung des Abverkaufs sowie der Rückbau von Containern und Gastro an. Am 10. Oktober soll dann als erste Brücke die Schellenbergbrücke wieder öffnen. Der Brückenweg beim Stadtgarten folgt am 23. Oktober, ebenso die Brücke am Alten Markt.

Schon zum 1. Oktober soll der untere Parkplatz an der Stadthalle wieder frei sein, ebenso der ungehinderte Durchgang dazu. Was länger dauern wird, ist die Sperrung der Charlottenstraße, die die Kulturmeile kreuzt. Spätestens ab Mitte November ist hier wieder offen. Der Rückbau respektive die Öffnung der Eyachterassen und der Wassergärten dauert noch bis in den Dezember.

Dann ist sie umgewandelt, die Gartenschau. Von einer temporären Veranstaltung in eine dauerhaft grüne Bereicherung der Innenstadt.

Zukunftsmusik und Kunstwerke

Was denn künftig auf dem dann ehemaligen Gartenschaugelände geschehen könnte, führte Niko Skarlatoudis unter dem Titel „Impulse und Learnings“ aus. So könnten auf den Rasenflächen der Erlebnisauen Theaterabend oder Konzerte stattfinden. Auch Events auf der Skateanlage im Aktivpark sind denkbar, auch ein Open-Air-Kino auf dem Plaza-Gelände, führte Skarlatoudis aus. Man wolle die Events in der „Kulturstadt Balingen“ erhalten.

Kunstwerke sollen ebenfalls in Teilen verbleiben. Dafür machte der Gartenschauausschuss den Weg für 30 000 Euro frei. Welche der vielen Kunstwerke damit gekauft werden sollen, entscheidet der Gemeinderat.

438 983

Euro kosten die Arbeiten für den Rückbau der Gartenschau. Auftrag der Firma Timbermann aus Bitz ist es, aus den temporären Ausstellungsflächen dauerhafte Flächen zu machen.