Funklöcher im Zollernalbkreis: Wo der Handy-Empfang in der Region besonders schlecht ist

Die Suche nach einem neuen Funkmast-Standort ist der Telekom zufolge nicht immer einfach. Man arbeite vertrauensvoll mit den Städten und Gemeinden zusammen.
Jens Büttner/dpaOb bei einem Spaziergang durchs Dorf, beim Fahrradfahren auf dem Feldweg oder der Autofahrt in den Nachbarort: Ein zuverlässiges Mobilfunk-Netz ist vielen Menschen wichtig. Messungen zeigen allerdings immer wieder, dass die Telekommunikations-Unternehmen in Deutschland keine flächendeckende Netzabdeckung bieten. Das gilt auch für den Zollernalbkreis.
Einen Überblick zur aktuellen Netzabdeckung bietet die Bundesnetzagentur. Ihre Funkloch-Karte basiert auf Nutzermessungen – die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, zeigen aber, wo Menschen im Zollernalbkreis in den vergangenen zwölf Monaten mit Empfangsproblemen zu kämpfen hatten und wo eher nicht. Das Ergebnis: Selbst mitten in Albstadt hatten einige Nutzer lediglich eine langsame 2G-Verbindung. Auch an den Ortsrändern von Meßstetten wurde häufig nur 2G gemessen. Besonders schlecht ist der Empfang laut Funkloch-Karte auf einigen Straßen und Wegen auf dem Land, etwa südlich von Burladingen – dort weisen mehrere Messungen überhaupt keinen Empfang aus.
Telekom: „Wir sind damit natürlich nicht zufrieden“
Die Konzerne selbst geben online ausführlich Auskunft über ihr Mobilfunk-Netze. Vodafone etwa zeigt auf einer Online-Karte eine beinahe flächendeckende 4G-Versorgung in den Städten und Gemeinden im Zollernalbkreis an. Auf einer Karte der Telekom sind Funklöcher ebenfalls vorwiegend im ländlichen Raum eingezeichnet, etwa zwischen Rosenfeld und dem Stadtteil Heiligenzimmern, oder östlich des Balinger Stadtteils Streichen.
Auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE teilt ein Telekom-Sprecher mit, im Zollernalbkreis werde derzeit an drei Standorten nur mit dem langsamen 2G-Standard gefunkt. „Wir sind damit natürlich nicht zufrieden“, heißt es weiter. Ein Sprecher von Vodafone äußert sich ähnlich: „Jedes Funkloch in einem bewohnten Gebiet oder an einem Hauptverkehrsweg ist tatsächlich ein Funkloch zu viel.“ Die mobile Breitbandversorgung des Unternehmens erreiche 96 Prozent der Haushalte im Kreis. Die Telefónica, Betreiber des O2-Netzes, teilt mit, man versorge „rund 100 Prozent der Bevölkerung“ im Kreis mit 2G und 4G.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur verlangen keine tatsächlich flächendeckende Abdeckung, sondern eine schnelle Versorgung nahezu sämtlicher Haushalte sowie an Autobahnen, wichtigen Bundesstraßen und wichtigen Schienenwegen. Viele Gebiete im ländlichen Raum fallen nicht unter diese Auflagen, doch ein zuverlässiges Netz benötigen auch die Menschen auf dem Land. „Der mobile Datenverkehr im Zollernalbkreis wächst rasant“, sagt der Pressesprecher von Vodafone, die jährliche Steigerungsrate liege bei mehr als 30 Prozent.
Vodafone will 4G-Empfang in Meßstetten verbessern
Der Netzbetreiber will deshalb bis Mitte 2023 zehn weitere Bauprojekte im Landkreis umsetzen. Unter anderem in Balingen, Albstadt und Burladingen sollen bestehende Mobilfunkstationen mit einer schnellen 5G-Anbindung aufgerüstet werden. In Meßstetten will Vodafone außerdem weitere Antennen an einem bestehenden 4G-Standort anbringen, um den Empfang und die Surf-Geschwindigkeit für die Kundinnen und Kunden zu verbessern.
Die Telekom wird nach eigenen Angaben in den kommenden zwölf Monaten zwei neue Funkstandorte aktivieren – in Bisingen-Wessingen und in Albstadt-Tailfingen. Eine Aufrüstung bestehender Standorte ist unter anderem in Dotternhausen und Rosenfeld geplant. Auch die Telefónica rüstet schrittweise bestehende Standorte auf. So sollen etwa in Winterlingen und Geislingen neue 5G-Antennen angebracht werden. Eine Sprecherin des Unternehmens teilt auf Nachfrage mit, bis Ende 2024 wolle man rund 20 neue Funkstandorte im Kreis in Betrieb nehmen, um Versorgungslücken zu schließen.
Dafür will die Telefónica nach eigenen Angaben neue Masten errichten, aber auch bestehende Masten ihrer Wettbewerber mitnutzen. Vor allem in Gebieten, die dünn besiedelt sind, nutzen die drei Netzbetreiber seit langem dieselben Funkmasten, um Kosten zu sparen. Laut Vodafone achten die Betreiber bereits beim Bau der Masten darauf, dass die Standorte auch von den Wettbewerbern mitgenutzt werden können.
Debatten über Funkmasten
Eine weitere Hürde neben den Kosten für den Netzausbau ist die Standortsuche. „Oft gehören die Grundstücke den Kommunen, manchmal sind sie in Privatbesitz“, heißt es vonseiten der Telekom. Die Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden sei vertrauensvoll. „Aber es gibt auch Fälle, in denen es Widerstand in der Bevölkerung gegen Mobilfunk gibt und sich daher kein Standort findet.“ Auch in der Region wurde in den vergangenen Jahren an einigen Orten intensiv über die Errichtung neuer Masten diskutiert, etwa in Dautmergen und Heiligenzimmern.
Kritikerinnen und Kritiker verweisen in der Regel darauf, dass die Funkmasten in der Landschaft nicht schön anzusehen seien. Und darauf, dass die Funkstrahlung womöglich gesundheitsschädlich ist. Wissenschaftlich erwiesen ist Letzteres nicht, wohl aber, dass sich die Handystrahlung bei Telefonaten mit schlechtem Netzempfang erhöht. Der Grund: Die Geräte müssen in diesen Fällen eine höhere Sendeleistung aufbringen.
Mehr Tarifanbieter als Mobilfunk-Netze
Viele Kunden und Kundinnen schließen ihren Prepaid- oder Vertragstarif nicht direkt bei den Netzbetreibern ab, sondern bei anderen Mobilfunkanbietern – zum Beispiel bei Aldi-Talk oder Blau.de. Diese Anbieter haben kein eigenes Mobilfunknetz, sondern sie nutzen die Netze der drei großen Netzbetreiber.
Aldi-Talk und Blau setzen zum Beispiel auf das Netz der Telefónica. Congstar ist eine Tochter der Telekom und nutzt das Netz des Mutterkonzerns – auch für die Marke „ja! mobil“, die bei Rewe vertrieben wird. Der Anbieter Freenet nutzt sogar alle drei Netze – mit welchem man unterwegs ist, hängt dort vom Tarif ab.
