Flüchtlinge im Zollernalbkreis: Kreisverwaltung geht von 800 weiteren Zuweisungen aus

Das Landratsamt führte die Presse durch die fast fertiggestellte Containeranlage in Albstadt (von links): Bauleiter Michael Sieber, Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer, Landrat Günther-Martin Pauli, Erster Landesbeamter Matthias Frankenberg und Georg Link, Sozial- und Rechtsdezernent des Landkreises.⇥
Rena WeissDie Situation hat sich etwas entspannt“, sagte Sozialdezernent Georg Link. Er hat am Montagabend im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Kreistags über die aktuelle Entwicklung informiert. Insgesamt sei von einer Entspannung aber keine Rede. Im vergangenen Jahr seien 536 Asylbewerber aufgenommen worden, der Großteil seien Familien aus der Türkei gewesen – anders als auf Bundesebene, wo der Großteil der Flüchtlinge aus Syrien gekommen sei, gefolgt von Afghanistan, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina.
Die Geflüchteten seien in 26 Unterkünften in zehn verschiedenen Kommunen im Landkreis untergebracht worden. Neu hinzugekommen seien eine Containerunterkunft beim Zentrum am Fürstengarten in Hechingen (40 Plätze), zudem das „Refugio“ im ehemaligen Hotel Klaiber, das „Lamm“ in Killer, und die Stadt Burladingen habe noch ein weiteres Haus für die Flüchtlingsunterbringung angeboten. Neu hinzugekommen sei auch der Containerstandort beim Thalia-Theater in Tailfingen, die „Grüne Au“ in Ebingen (40 bis 50 Plätze) und das ehemalige Vermessungsamt in Balingen (40 Plätze).
800 weitere Zuweisungen in diesem Jahr
Bei der Quotenerfüllung gebe es derzeit ein Minus von 145 Personen, sagte Link, „aber wir gehen in diesem Jahr von 800 weiteren Zuweisungen vom Land aus. Davon werden voraussichtlich 400 in eine Anschlussunterbringung in die Städte und Gemeinden kommen.“
Hinzu kämen 2800 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, davon nur etwa 300 im Ankunftszentrum Ukraine in Meßstetten untergebracht seien. Der Großteil sei in Privatwohnungen in den Städten und Gemeinden untergekommen.
Bürgermeister wirken mit
CDU-Kreisrat Heiko Lebherz, Bürgermeister in Haigerloch, verwies auf die bundesweite Fluktuation und warnte: „Wenn die Zahlen weiter steigen, haben wir irgendwann keinen Wohnraum mehr.“ Landrat Günther-Martin Pauli lobte die Mitwirkung der Bürgermeister aus den Städten und Gemeinden im Kreis, ohne die wohl „Zweckentfremdungen von Sporthallen nötig geworden wären“. Zugegeben, auch Container seien keine ideale Lösung, „aber Container sind wiederverwertbar“.
Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistags, der im Anschluss an den Schul-, Kultur- und Sozialausschuss angesetzt war, erfuhr von Dezernentin Catharina Pawlowskij, dass eine Containeranlage in Burladingen, wo bis zu 21 Asylbewerber bis zu 24 Monate lang untergebracht werden sollen, voraussichtlich 200 000 Euro kosten werde.
Neue Unterkünfte geplant
Und dass für die Herrichtung der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Vermessungsamt in der Charlottenstraße in Balingen 100 000 Euro veranschlagt seien. Sollte alles nach Plan laufen, werde die Unterkunft zum Ende des ersten Quartals 2024 fertig sein. Das Gebäude, bemerkte Landrat Günther-Martin Pauli, liegt nah an anderen Grundstücken. Das habe „nicht nur Begeisterung“ ausgelöst. Das Gute daran: Das Land überlasse dem Landkreis das Haus mietfrei.
Roland Tralmer, CDU-Kreisrat und Oberbürgermeister der Stadt Albstadt, begrüßte die dezentrale Lösung im Kreis: Die Aufgaben würden damit „auf viele Schultern verteilt“, sagte er am Montag. Und: „Es ist wichtig, dass wir unserer Aufgabe, unserer Verpflichtung nachkommen, den Geflüchteten eine menschenwürdige Unterkunft zur Verfügung zu stellen.“
Trigema, Thalia und Vermessungsamt: Drei geplante Unterkünfte
Auf dem Gelände der Firma Trigema in Burladingen entsteht in absehbarer Zeit ein Containerdorf, in dem Geflüchtete unterkommen sollen, die Interesse haben, in der Firma zu arbeiten. Bis zu 21 Asylbewerber sollen einquartiert werden. Der dauerhafte Verbleib in der Wohnsiedlung ist nicht vorgesehen, die Container sollen eine „temporäre“ Unterkunft bieten, bis die neuen Mitarbeiter eigene Wohnungen gefunden haben – so erklärte es kürzlich Wolfgang Grupp Junior bei einem Besuch von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.
Die voraussichtlichen Kosten für die Containeranlage sind auf 200 000 Euro beziffert. Hinzu kommt die Miete, deren Höhe offenbar noch nicht feststeht.
Das Containerdorf auf dem Parkplatz des Tailfinger Thalia-Theaters steht kurz vor der Fertigstellung. Für rund 1,7 Millionen Euro werden hier bis zu 100 Flüchtlinge untergebracht. Die Kosten trägt das Land. Die Nutzung ist für drei Jahre vorgesehen. Auch hier sollen die Geflüchteten nicht dauerhaft unterkommen, sondern nur, bis eine weitere Bleibe gefunden wurde. Die Container selbst könnten danach für andere Zwecke genutzt werden.
In Balingen wird das ehemalige Staatliche Vermessungsamt zur Unterkunft umgebaut. Die Kosten für die Inbetriebnahme werden auf rund 100 000 Euro geschätzt und vom Land erstattet. Da das Gebäude ab 2027 generalsaniert werden soll, soll das Mietverhältnis für die Flüchtlingsunterkunft bis Mitte 2026 abgeschlossen werden.
