Nichts soll die Narren in diesem Jahr aufhalten. Kein Virus mitsamt seinen Beschränkungen, nicht die horrenden Spritpreise für das Pendeln von Fest zu Fest und erst recht nicht happige Preise, die bei den eigenen Veranstaltungen dieses Jahr wohl ganz schön zu Buche schlagen werden: „Wir sind nach den Vorjahren einfach schwer optimistisch“, sagt der erste Vorsitzende der Balinger Narrenzunft, Andreas Hebrank, mit unverkennbarem Elan in der Stimme. „Wir bringen das Brauchtum wieder zurück auf die Straße.“

Narrenbaumstellen auf dem Marktplatz

Der nun wichtigste bevorstehende Termin: Narrenbaumstellen auf dem Balinger Marktplatz, heute, 15.55 Uhr. Während unsereins das Spektakel gelassen abwarten konnte, waren Hebrank und das Organisationsteam schwer am Schuften. Den Anlauf hatte man schon kurz nach Neujahr genommen, sodass alle Termine und Veranstaltungen für den kommenden Februar quasi durchgeplant sind.

Der neue Mühltor-Gerber

Auf die Narren der Region warten ereignisreiche Tage, nach dem Baumstellen noch weitere 23 Termine bei Freunden oder unter eigener Regie, um genau zu sein. Losgelegt hat die Zunft am vergangenen Samstag. Ein für sie denkwürdiger Tag, weil neben den altbekannten Figuren der Feuerhexe und dem Balinger Loable vor allem einer abgestaubt wurde: der Mühltor-Gerber.
Geboren im Jubiläumsjahr 2021, war die neue Figur ausschlaggebend für die Fusion der Balinger Loable und der Balinger Feuerhexen zur Narrenzunft Balingen. Der erste Auftritt unter freiem Himmel blieb dem Gerber wegen des Lockdowns und der kurzfristigen Absage aller Fasnet-Events versagt. Am vergangenen Samstag also die Taufe mit dem Wasser des Mühlkanals.

Balingens letzte Gerber

Die Taufe von sieben Anwärtern übernahm Zeremonien- und Gerbermeister Andreas Weiblen in Gegenwart seiner Mutter Helga – gemeinsam mit Vater Rolf die letzte waschechte Gerberfamilie Balingens, die ihr Handwerk am Mühlkanal erst 1994 aufgab. In der Schweiz derweil führt Andreas Weiblen seine Arbeit fort; von dort aus war er eigens für die Gerbertaufe zurückgekehrt. „Wir sind auf den guten Kontakt zur Familie wahnsinnig stolz“, sagt Andreas Hebrank. „Dass ein echter Gerber diese Figur getauft hat, ist ein schöner Brückenschlag in die Gegenwart hinein.“
Auch beim heutigen Baumstellen legt der Narrenverein Wert darauf, Brauchtum bewusst und möglichst ursprünglich zu zelebrieren: Am frühen Morgen geht es für rund 15 Narren mit dem Förster hinein in den Wald, um einen Baum zu schlagen. Per Langholzwagen und Traktor geht es dann gegen 15.30 Uhr auf den Marktplatz, um den Baum mit den vertrauten Wappen zu schmücken.
Während dieser Zeit bis 15.55 Uhr dürfte das schaulustige Publikum seinen Weg auf den Marktplatz gefunden haben; dafür wird auch die Musik der Lumpenkapelle Halba Heh aus Engstlatt sorgen. Gestellt wird dann händisch; mit purer Muskelkraft und dem Einsatz von Schwalben.

Höhere Kosten bei der Organisation führen zu Preissteigerungen

Stehen wird der Baum bis zum Fasnetdienstag am 21. Februar. In der Zwischenzeit eilen die Narren im Bus zu ihren Terminen. Dass einige Transportunternehmen die Pandemie nicht überstehen würden und dazu latenter Personalmangel herrscht, hatte die Narrenzunft rechtzeitig auf dem Schirm. „Wir haben uns mit unserem Busunternehmer früh abgesprochen und für die Transportkosten im Vorfeld gespart“, sagt Hebrank. Die doppelt so hohen Spritpreise können durch die Einnahmen diverser Aktivitäten aus 2022 gedeckt werden, darunter ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt oder die Unterstützung beim Reggae-Festival.
Weil aber nicht nur der Sprit teurer wird, müssen sich auch die Gäste bei den kommenden Narrenveranstaltungen zwischen dem 11. und 17. Februar auf höhere Preise für Getränke und Verpflegung einstellen: „Wir werden aber nur soweit erhöhen, dass wir wirtschaftlich aus dieser Saison heil rauskommen, nicht mehr“, betont der Vorstand. „Wie viel uns das Ganze kosten wird, können wir jetzt noch nicht sagen. Aber schon die Mieten zeigen einfach, dass sich die Dimensionen verändert haben.“

Ein Balinger Fasnet-Bier

Ein Wermutstropfen also, der immerhin im Bier aber schnell vergessen sein könnte, wohlgemerkt nicht nur wegen der Prozente: Am Dienstag überraschten die Narrenfreunde über Social Media mit ihrem ersten vereinseigenen Fasnet-Getränk – eine Sonderetikettierung des Balinger Adlerbräu. „Wir hatten schon letztes Mal auf dieses Bier umgestellt. Bei einem Stammtisch kam dann die Idee, ein Balinger Fasnet-Bier anzubieten“, erzählt Hebrank. Schwäbisch hell ist es geworden, mit einem Gerber auf dem Etikett.

Der erste Narrensprung Balingens steht bevor

Am 11. Februar steigt um 13.33 Uhr eine  Kinderfasnet in der Volksbankmesse. Abends geht es auf den 24. Fackelumzug – mit 76 Gruppen und 2200 Hästrägern – und auf einen Brauchtumsabend (Volksbankmesse). Ominöser Veranstaltungsbeginn: 18.66 Uhr.
Am 16. Februar ist ab 8.45 Uhr Rathaussturm und Schülerbefreiung in den Schulen, Kitas und Pflegeheimen. Abends ab 18.30 Uhr Altweiber-Sause in den Kneipen.
Am 17. Januar ist Kindergarten-Fasnet ab 10 Uhr in St. Franziskus Balingen. Anschließend noch etwas ganz Besonderes: der erste gemeinsame Balinger Narrensprung aller neun Narrenvereine. Ab 14.30 Uhr auf dem Marktplatz.