Fahrradmarkt Zollernalbkreis
: Radhaus Winterlingen: Es läuft wie geschmiert

Fahrräder sind weiterhin sehr gefragt, auch im Radhaus in Winterlingen. E-Bikes begeistern inzwischen auch junge Menschen. Und nun sind die Räder auch wieder besser lieferbar.
Von
Caroline Strang
Winterlingen
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  • Da hängen die Räder an der Wand: Im Radhaus Winterlingen kann man sich für die neue Radsaison eindecken.⇥

    Da hängen die Räder an der Wand: Im Radhaus Winterlingen kann man sich für die neue Radsaison eindecken.⇥

    Radhaus
  • In der großen Werkstatt werden über den Winter viele Räder wieder fit gemacht.

    In der großen Werkstatt werden über den Winter viele Räder wieder fit gemacht.

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Der Laden ist voll, es wuselt förmlich im Radhaus in Winterlingen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kaum ans Telefon zu bekommen, so sehr sind sie in Beratungsgespräche oder andere Serviceleistungen vertieft. „Es läuft gut, die Nachfrage ist weiterhin enorm hoch“, erklärt Ulrike Münster, zuständig fürs Marketing, auf Nachfrage mit einem Lachen. Und fügt hinzu: „Das ist schön und freut uns. Wir versuchen gerade, alles gut zu händeln.“ Der Andrang hänge derzeit natürlich auch mit dem Frühling zusammen, „das Wetter gerade lockt viele Menschen wieder nach draußen“. Viele Kundinnen und Kunden holen ihre Räder auch einfach wieder ab, denn das Radhaus bietet einen Wintercheck in der eigenen Werkstatt an.

Markt hat sich entspannt

Schön daran ist auch, dass die Nachfrage inzwischen wieder bedient werden kann. „Der Markt hat sich deutlich entspannt“, sagt Münster. Noch vor zwei Jahren war es teilweise schwierig, bestimmte Räder zu bekommen. „Da mussten wir teilweise ausweichen und andere Marken besorgen.“ Nun gibt es die meisten Marken und Fahrradtypen wieder. „Wenn jemand ein ganz bestimmtes Modell einer bestimmten Marke mit speziellen Komponenten will, kann es schon noch zu Wartezeiten kommen, aber grundsätzlich haben wir wieder viel da und bekommen auch viel her“, sagt Münster. Hin und wieder gebe es noch Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen, „aber auch damit sind wir wieder gut ausgestattet“. Es bewege sich alles wieder in einem normalen Rahmen.

Die Preise seien im Durchschnitt gestiegen. Aber es gebe auch Marken, die ihre Preise wieder nach unten anpassen, weil sie wieder einfacher und günstiger produzieren können, seit die Lieferketten wieder stabiler sind, erklärt die Expertin.

500 Euro kostet ein Fahrrad durchschnittlich

Der durchschnittliche Verkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer über alle Verkaufskanäle und Modellgruppen hinweg lag laut Erhebung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) im Jahr 2022 bei 500 Euro für ein Fahrrad und 2800 Euro für ein E-Bike. „Wenn man sich die Preisentwicklungen anschaut, dann ist es nicht einfach so, dass E-Bikes immer teurer würden. Ganz im Gegenteil, man bekommt heute viel mehr Rad fürs Geld“, betont Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV.

Gleichzeitig hätten sich auch die Ansprüche verändert. Kunden wünschten sich heute höherwertige Komponenten, beispielsweise bei der Schaltung, den Bremsen, den Reifen oder der Beleuchtung. Ebenfalls auf der Wunschliste stehen ein starker Akku, Federung, App-Anbindung, ein gutes Design und eine lange Lebensdauer.

4,6 Millionen Räder verkauft

Besonders nachgefragt werden weiterhin vor allem E-Bikes. „Anfangs haben ja vor allem ältere Menschen E-Bikes gekauft, das ist inzwischen anders“, sagt Münster und verweist auf E-Mountainbikes. Der anhaltende Run auf die Räder mit Antrieb lässt sich auch mit Zahlen belegen. Die Gesamtstückzahl verkaufter Räder lag 2022 bei 4,6 Millionen, wie ZIV und der Verband des Deutschen Fahrradhandels (VDZ) kürzlich in einer Pressekonferenz verkündeten.

Das sei ein leichter Rückgang um 100 000 Stück im Vergleich zu 2021 und ein Plus von 300 000 Einheiten in Bezug auf das Vor-Corona-Jahr 2019. Gleichbleibend positiv sei die Entwicklung im E-Bike-Verkauf, er erreichte 2022 einen neuen Spitzenwert: 2,2 Millionen Stück, erneut ein Plus von 10 Prozent. Somit sind E-Bikes in Deutschland mit einem Marktanteil von 48 Prozent klar auf der Überholspur, wie die Verbände erklären.

„Wir gehen davon aus, dass E-Bikes im Verlauf dieses Jahres bei den Stückzahlen erstmalig an unmotorisierten Fahrrädern vorbeiziehen werden“, sagt Stork. „In einigen Produktgruppen, wie bei Mountainbikes oder Lastenrädern haben wir in Deutschland inzwischen eine sehr klare Dominanz bei unterstützten Fahrzeugen.“ Fast eine Million Mountainbikes wurden in 2022 verkauft, davon 836 000 als E-Mountainbikes.

Branche spürt wenig vom Sparzwang

Die Fahrradbranche spürt bisher eher wenig vom Sparzwang durch die Teuerung, obwohl es auch Insolvenzen zu vermelden gab. „Der Fahrrad- und E-Bike-Markt zeigt für das vergangene Jahr trotz der allgemeinen Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher im zweiten Halbjahr ein stabiles Hoch“, sagt Stork. Und auch die Zukunft sehe gut aus. „Wir sehen weiterhin ein großes Interesse am Fahrrad und E-Bike und rechnen für die kommenden Jahre mit einem stabilen Wachstum und einem Innovationsschub.“ Er betont: Jetzt sei ein guter Moment, um sich ein Fahrrad zuzulegen.

Das findet übrigens auch Ulrike Münster vom Radhaus Winterlingen. „Wobei ich grundsätzlich auch den Herbst empfehlen kann. Dann hat man das neue Rad schon da und kann gleich bei den ersten Sonnenstrahlen starten.“

Mit 2,6 Millionen produzierten Fahrrädern und E-Bikes war die Produktion auf einem Allzeithoch. Bei gleichbleibender Fahrradproduktion (900 000 Stück) stieg die E-Bike-Produktion um 20 Prozent auf 1,72 Millionen Fahrzeuge. Im Bereich der Zweiradteile und Komponenten stieg der Produktionswert seit 2020 um 55 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Durch hochwertige Produkte und den hohen E-Bike-Anteil hat sich der Umsatz der Branche mit Fahrrädern und E-Bikes in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht: von rund 2 Milliarden Euro in 2012 auf 7,36 Milliarden Euro in 2022.