Corona löst einen Domino-Effekt aus: Erst fällt ein Stein, dann kippen immer mehr – und schließlich liegt alles am Boden. Der Januar 2020 ist für Vanessa Ellis noch ein ganz normaler Monat, es stehen Veranstaltungen ihrer Eventagentur in Paris und Den Haag mit vielen tausenden Beteiligten an. Doch dann kommen die Absagen. Zunächst werden aufgrund der Infektionen im Land Italiener ausgeladen, dann Österreicher, Schweizer und schließlich ergeben die Veranstaltungen keinen Sinn mehr. „Das hat uns zunächst nicht umgehauen“, sagt die Inhaberin von Ellis Events heute. „Wir konnten uns endlich interne Prozesse anschauen, zu denen wir sonst nie kamen. Doch als für Herbst und Winter nichts reinkam, war es schlimm.“

Tag und Nacht Existenzängste

„Ich war 35 Jahre alt, hatte die Agentur von meinen Eltern übernommen, habe frisch gebaut und dachte, die Welt geht unter.“ Existenzängste Tag und Nacht. Staatliche Hilfen fließen zwar – vermutlich wegen eines fähigen Steuerberaters – zeitnah aufs Konto. Aber endlos lässt sich die Auftragsleere finanziell nicht überbrücken. „Es ist die Aufgabe eines Unternehmers, nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt Ellis. Mit der Wirtschaftsförderung des Zollernalbkreises werden Kern-Kompetenzen der Eventagentur herausgearbeitet, etwa Organisation, Zeit- und Projektmanagement.
„Dann ging es mit Corona-Tests los. An manchen Stellen mussten die Menschen eineinhalb Stunden warten, davon eine Stunde vor der Tür, obwohl sie krank waren. Da dachte ich: Das können wir besser.“ Ellis Events übernimmt die Organisation und Koordination des Kreisimpfzentrums Meßstetten. Einer ihrer Stärken: Der Umgang mit schwierigen Besuchern. Sind es auf Konzerten Musikfans, die unbedingt in Bereiche wollen, in die sie nicht dürfen, sind es auf dem ehemaligen Kasernengelände Meßstetten Menschen, denen noch keine Impfung zusteht, deshalb heimgeschickt werden müssen und lautstark protestieren. Oder solche, die sich gar nicht impfen lassen wollen, aber müssen und verbal mit Sprüchen wie „Der Staat zwingt uns!“ ausfällig werden. Einmal muss sogar die Polizei geholt werden.

Gutes Personal hilft durch die Krise

Doch die Mitarbeiter von Ellis sind Probleme gewohnt. „Wir mussten viel improvisieren, das sind wir von unseren Jobs gewohnt.“ Mehr und mehr Aufgaben werden übernommen. Als Managing Director, wie ihr Titel formal heißt, lernt sie Impfstoff aufbereiten und aufziehen. „Erfolg ist: Was aus einer Glatze einen glänzenden Kopf macht“, steht auf der Homepage als Zitat bei ihrem Namen. Als das Zentrum schließt, werden auch Impfungen bei Ellis Events angeboten, auch für Grippe. Mobil wird mit Ärzten in Altenheimen gearbeitet. Schließlich kommen die Aufträge zurück, die Domino-Steine stehen wieder. Im vergangenen Jahr geht eine Veranstaltung in Las Vegas mit fast 7000 Mitarbeitern über die Bühne. „Ich glaube, die Krise hat unternehmerisches Denken mobilisiert. Wir können mehr als wir vorher gedacht hätten“, sagt Ellis. Von den etwa 20 Mitarbeitern musste wegen Corona niemand entlassen werden.

Künstler sagen heute noch Tourneen ab

Der Umsatzverlust in den Jahren 2020 und 2021 bei Eventlocations war laut Statista mit minus 77 und minus 64 Prozent riesengroß. Von den 1,1 Millionen Beschäftigten im sechstgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands fehlen weiterhin 30 Prozent der Mitarbeiter, schätzt die Veranstaltungswirtschaft mit ihren 240 000 Unternehmen. Dazu kommt eine Liquiditätsnot. Die Branche ist im ersten Quartal 2023 zu weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2019 ausgelastet. Die Besucherzahlen sanken zum Teil drastisch, Künstler sagen weiterhin Konzerte oder ganze Tourneen ab.