Digitalisierung in Balingen und Albstadt: Der lange Weg zur Smart City – Städte noch nicht smart genug?

Sehr viele Menschen arbeiten digital – aber die Digitalsierung der Städte geht langsam voran.
dpa/Monika SkolimowskaWie viele Bürger haben Zugang zum Breitband-Netz? Kann man bei den Behörden online bezahlen? Gibt es eine App für den ÖPNV und für den Parkraum? Eine Open-Data-Plattform oder intelligente Straßenbeleuchtungen? Die Digitalisierung kann den Menschen in den Städten das Leben auf unterschiedlichste Weise einfacher oder angenehmer machen. Doch wie weit sind die Kommunen mittlerweile damit gekommen?
„Deutschlands Städte verschlafen die Digitalisierung.“ Zu dieser harschen Einschätzung ist die Unternehmensberatung Haselhorst Associates in ihrer Smart-City-Studie gekommen. Es handelt sich um die umfangreichste Erhebung dieser Art im Land. Das Beratungshaus mit Sitz in Starnberg listet bereits seit 2018 sämtliche Kommunen mit über 30 000 Einwohnern anhand ihres Digitalisierungsgrades auf – das sind gut 400 Städte.
Dornröschen-Schlaf
Das jüngste Fazit: Auch nach fünf Jahren Studienerhebung gelingt es keiner der untersuchten Städte, über einen Digitalisierungsgrad von 50 Prozent hinauszukommen. Im Gegenteil – über drei Viertel aller Kommunen weisen sogar ein Ergebnis von weniger als 25 Prozent auf. Und: Gerade im Vergleich zur ersten Studie im Jahr 2018 fällt auf, dass die Anzahl der digitalen Vorreiter-Städte weitestgehend stagniert und sich die hiesigen Smart Cities somit noch immer im Dornröschen-Schlaf befinden.
Haselhorst wertet in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt mehr als 32 000 Datensätze aus amtlichen Statistiken und qualitative Analysen aus öffentlichen Smart-City-Initiativen aus. Die Daten werden anhand von 52 Kriterien acht smarten Anwendungsbereichen zugeordnet: Strategie und Umsetzung, Infrastruktur, Mobilität, Energie & Umwelt, Gebäude & Quartiere, Gesundheit, Bildung und Verwaltung.
Die ideale Smart City hätte einen Digitalisierungsgrad von 100 Prozent, Spitzenreiter Hamburg kommt auf 47,4 Prozent. Aus Baden-Württemberg schneiden Mannheim (38,5 Prozent, bundesweit Rang 7), Konstanz (34,3 Prozent, Rang 20) und Heidelberg (Prozent, Rang 27) am besten ab. Stuttgart liegt mit einem Digitalisierunggrad 28,5 Prozent bundesweit lediglich auf Platz 85.
Aus dem Zollernalbkreis werden mit Albstadt und Balingen zwei Städte in der Studie bewertet. Albstadt liegt mit 28 Prozent auf Platz 92 in Deutschland und wird damit als „Ditigaler Anwender“ tituliert. Damit hat sich die Stadt ordentlich verbessert: Im Jahr zuvor waren es 21 Prozent und Platz 124 gewesen.
Balingen rangiert mit einem Wert von 22,8 Prozent bundesweit auf Platz 169, was zu einer Etikettierung als „Digitaler Einsteiger“ führt. Damit hat die Stadt aber durchaus einen Sprung im Vergleich zum Vorjahr gemacht, damals war es mit 17,1 Prozent der 200. Platz gewesen.
Albstadt guter Wert bei „Strategie und Umsetzung“
Ein Blick auf die einzelnen Bewerbungskategorien lohnt. So wird Albstadt für „Strategie und Umsetzung“ ein guter Wert von 64 Prozent bescheinigt. Der „Digitale Tourismus“ wird mit 34 Prozent bewertet, für fast alle anderen Bereiche wie etwa Wirtschaft und Handel, Mobilität, Gesundheit, Verwaltung oder Bildung gibt es Werte zwischen 20 und 30 Prozent. Für die „Digitale Infrastruktur“ gibt es aber eine schmerzhafte Null.
In Balingen hat ebenso „Strategie und Umsetzung“ den relativ besten Wert: 48 Prozent. Für Tourismus sowie Gebäude und Quartiere gibt es jeweils 30 Prozent. Niedrige Bewertungen haben Wirtschaft und Handel (16 Prozent), Gesundheit (14 Prozent) und Verwaltung (13 Prozent) erhalten. Und auch Balingen erhält für „Digitale Infrastruktur“ eine Null.
Wichtig für Klimapolitik
Arno Haselhorst, Gründer der Unternehmensberatung, sieht die Digitalisierung in einem klaren Zusammen mit der Klimapolitik. Wenn der Themenkomplex Smart City nicht bald flächendeckend in den Städten Einzug halte, würden die hohen CO2-Emissionen bereits in absehbarer Zeit die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner massiv einschränken. „Smart City ist weit mehr als ein vereinzeltes Digitalisierungsprojekt hier und da. Hinter einer smarten Stadtentwicklung steckt vielmehr ein ganzheitliches Konzept, das im Detail auslotet, wie die Digitalisierung dazu beitragen kann, das Leben in den Städten langfristig nachhaltig zu gestalten.“
Aus Sicht des Haselhorst-Teams sind drei Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung hin zur Smart City entscheidend: eine umfassende, langfristig ausgelegte Strategie, eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur sowie die frühzeitige und anhaltende Einbindung aller beteiligten Stakeholder sowie der Bürgerschaft.
Neben dem Smart-City-Ranking von Haselhorst gibt es einen zweiten wichtigen Index dieser Art in Deutschland. Er wird vom Digitalverband Bitkom erstellt. Für dieses Ranking werden fünf Themenbereiche analysiert: Energie und Umwelt, Gesellschaft, Verwaltung, Mobilität sowie IT und Kommunikation. Der Smart-City-Index von Bitkom wird allerdings nur für Großstädte erstellt, daher bleib der Zollernalbkreis außen vor.


